Eine ältere Frau telefoniert.
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Wer an den Weihnachts-Feiertagen einsam ist und mit jemandem reden möchte, für den hat die Stadtkirche Wolfratshausen ein Seelsorge-Telefon eingerichtet.

Initiative der Stadtkirche Wolfratshausen

Stadtkirche richtet Seelsorge-Telefon ein: „Wir sind für die Menschen da“

Es gibt Menschen, die die Weihnachtsfeiertage allein verbringen müssen. Die Stadtkirche Wolfratshausen bietet aus diesem Grund telefonische Seelsorge an.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Weihnachten ist das Fest der Liebe. Heuer, vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, rücken viele Familien noch enger zusammen. Doch es gibt auch Menschen, die die Feiertage ganz allein in ihren vier Wänden verbringen. „Viele fühlen sich einsam und suchen nach jemandem, mit dem sie reden können“, weiß der Wolfratshauser Diakon Christian Horak. Die Stadtkirche bietet aus diesem Grund während der Weihnachtsfeiertage ein Seelsorge-Telefon (01 51/59 40 74 90) an. „Wir sind für die Menschen da, die sich austauschen möchten, über ihre Sorgen reden wollen und denen ein Gesprächspartner fehlt“, sagt Horak.

Der Diakon hofft, dass sich die Betroffenen überwinden, den Hörer in die Hand zu nehmen „und sie können darauf vertrauen, dass es in unserer Kirche Menschen gibt, denen das Leid und die Sorgen ihrer Mitmenschen wichtig sind und wir es ehrlich mit ihnen meinen“.

Frauenhaus ist rund um die Uhr erreichbar

Nicht nur die Stadtkirche Wolfratshausen ist an den Feiertagen für die Menschen da – auch der Verein Frauen helfen Frauen hat ein Notfalltelefon eingerichtet (0 81 71/1 86 80). Frauen, die unter häuslicher Gewalt oder Unterdrückung durch den Partner leiden, können sich „Tag und Nacht bei uns melden“, versichert Sandra Gmeiner, Vize-Chefin des gemeinnützigen Vereins, der das Frauenhaus im Landkreis betreibt. Die Anruferzahlen schwanken laut Gmeiner von Jahr zu Jahr. Auch deshalb, „weil die Familien oder der Partner im Haus sind und nichts von dem Anruf mitkriegen sollen“, weiß Gmeiner. Wer trotzdem anruft und Soforthilfe braucht, dem wird vom Verein eine sichere Bleibe vermittelt – denn das Frauenhaus, dessen Adresse geheim gehalten wird, ist aktuell komplett belegt. „Aber wir kümmern uns definitiv um jede Anruferin“, verspricht Gmeiner im Gespräch mit unserer Zeitung.

Manche suchen auch einfach jemanden, dem sie von ihren Ängsten um sich und ihre Angehörigen erzählen können.“

Elke Holzer, Vorstandsmitglied des Christophorus-Hospizvereins

Der Leiter der Polizeiinspektion in Geretsried, Franz Schöttl, weiß, dass an mehreren aufeinanderfolgenden Feiertagen die Fälle häuslicher Gewalt zunehmen: „Die Leute sitzen tagelang aufeinander, da kommt es schon manchmal zu Streitereien, die teilweise leider eskalieren“, sagt Schöttl. Die Polizeieinsätze in privaten Wohnungen seien zwar an den Weihnachtstagen „nicht exorbitant mehr“ als sonst, „aber die Tendenz ist deutlich spürbar“. Auf der anderen Seite komme es an Weihnachten seltener zu anderen Straftaten, „da gibt es keine Auffälligkeiten“, stellt der Geretsrieder Polizeichef fest. Schöttl betont: „Die Polizei ist selbstverständlich jederzeit zu erreichen“.

Etwas anders sieht es beim Christophorus-Hospizverein im Landkreis aus. Vorstandsmitglied Elke Holzer verspricht jedoch: „Wir haben zwar kein Telefon, das rund um die Uhr besetzt ist, aber wir rufen jeden Anrufer auf jeden Fall zurück.“ Beim Hospizverein (Telefon 0 81 71/99 91 55), der seinen Sitz in Geretsried unterhält, melden sich laut Holzer nicht nur Menschen, die Anliegen rund um das Thema Tod und Sterbehilfe haben: „Manche suchen auch einfach jemanden, dem sie von ihren Ängsten um sich und ihre Angehörigen erzählen können.“ Wegen der Schweigepflicht, der alle Mitarbeiter des Vereins unterliegen, und der Wahrung der Anonymität, „fällt es den meisten Anrufern relativ leicht, offen über ihre Existenzängste zu sprechen“, sagt Holzer.

Keine Sorgen müssen sich an den Feiertagen die machen, die in einer Obdachlosenunterkunft wohnen. Die Wohnungslosen-Beauftragte der Stadt Wolfratshausen, Ines Lobenstein, ist in den kommenden Tagen zwar nur im akuten Notfall persönlich zu sprechen. „Meistens ist das aber gar nicht nötig“, weiß Lobenstein aus langjähriger Erfahrung. „Die Menschen halten sich in der Regel in ihren Wohnungen auf“ – und sie betont: „Bei uns ist jeder versorgt.“ (dst)

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