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Am Untermarkt 10 wird kein Bürgerladen installiert.

Bürgerladen-Sprecher Ernst Gröbmair

Untermarkt 10: Baut der Stadtrat „zweites Rathaus“?

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Wolfratshausen – Einen Bürgerladen am Untermarkt 10 wird es definitiv nicht geben. Bürgerladen-Sprecher Ernst Gröbmair beurteilt das neue Vorhaben als eine „gigantische Aufblähung“. Wolfratshausen bekomme „ein zweites Rathaus“.

Gröbmair ist enttäuscht. Monatelange Arbeit habe sich nicht ausgezahlt. Der Stadtrat hat sich wie berichtet gegen einen Bürgerladen am Untermarkt 10 entschieden, stattdessen soll eine Tourismuszentrale mit Trauzimmer und Andenkenladen entstehen. „Sie können sich vorstellen, dass es sehr schwer ist, die vielen Ehrenamtlichen, die sich zum Wohle der Stadt engagiert haben, bei Laune zu halten“, sagt der Sprecher der Initiative im Gespräch mit unserer Zeitung. Gröbmair unterstellt dem Gros des Stadtrates, dass „schon lange ein anderer Plan existierte“. Für diese These spreche unter anderem, dass die Fraktionschefs der CSU und der SPD sowie Ex-Bürgermeister Helmut Forster (Bürgervereinigung) „massiven Einfluss“ auf den Ausgang des Bürgerentscheids genommen hätten. Wie berichtet hatten unterm Strich 16 Stadträte die Wolfratshauser dazu aufgerufen, gegen einen Bürgerladen am Untermarkt 10 zu votieren. Gröbmair sind insbesondere die „unsäglichen Plakate“ in Erinnerung geblieben, auf den vor einer „Steuerverschwendung“ gewarnt worden sei. „Da muss ich mich doch jetzt wundern“, sagt der Immobilienmakler. Durch das neue Konzept werde die Kommune „gar keine Mieteinnahmen generieren“.

Ernst Gröbmair

Er kann auch nicht nachvollziehen, dass zunächst der Rotstift angesetzt wird und viele auch touristisch attraktive Projekte aufgrund der angeblich angespannten Finanzlage der Stadt aus dem Haushalt gestrichen werden – und tags darauf „wird ein zweites Rathaus gebaut“. Gröbmair geht davon aus, dass im Zuge des Vorhabens auch zusätzliches Personal eingestellt werden muss. Zum Thema Andenkenladen stellt der Bürgerladen-Sprecher fest: „Ein Weißbierglasl aus Wolfratshausen kann man auch bei Tabakwaren Krell am Obermarkt kaufen.“

Gröbmair glaubt nicht, dass die geplante Tourismuszentrale zu einer „gigantischen Belebung“ der Altstadt führen wird: „Jeder Laden an dem Standort würde mehr Besucher anlocken.“ Er räumt ein, dass der Tourismus für die Flößerstadt ein gutes Standbein sei. Doch man dürfe sich keinen Träumereien hingeben: Die Mehrzahl der Gäste bevölkere „das Freizeitgelände Pupplinger Au“, auch die Floßfahrer würden außer der Ablegestelle in Weidach nichts von Wolfratshausen sehen.

Gröbmair blickt über das Bürgerladen-Projekt hinaus: Dass der Stadtrat die Surfwelle zumindest verschoben, wenn nicht sogar beerdigt hat, ist in seinen Augen nicht weniger fatal als der Umgang mit den herausragenden Athleten der Loisachstadt. Die Sportlergala in der Loisachhalle sei mit 35 000 Euro Kosten zugegebenermaßen zu teuer, aber das Budget auf 5000 Euro zurückzuschrauben, mache auch keinen Sinn: „Denn das heißt, für die Sportler organisiert die Stadt ein Grillfest.“ Summa summarum habe der Stadtrat in dieser Woche viele Ehrenamtliche „dermaßen vor den Kopf gestoßen“, dass er persönlich selbigen nur noch schütteln könne. Das „Wir-Gefühl“, das die Kommunalpolitiker immer wieder heraufbeschwören würden, sei im Keim erstickt worden.

Die Bürgerladen-Gruppe würde trotz der Nackenschläge nicht aufstecken, betont der 60-Jährige. „Wir sind weiterhin intensiv auf der Suche nach einer geeigneten Immobilie in der Altstadt“, sagt Gröbmair auf Nachfrage. Ein „kleiner Kreis“ habe diese Aufgabe übernommen. Rückenwind bekomme die Initiative durch die stillen Gesellschafter, die unterm Strich für mehr als 100 000 Euro Startkapital bürgen würden. Noch habe man allerdings kein passendes Objekt gefunden. Eines steht für Ernst Gröbmair auf jeden Fall fest: „Nein, Andenken werden wir im Bürgerladen nicht verkaufen.“

cce

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