Ein Schulgebäude.
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Auslaufmodell: Die Mittelschule in Wolfratshausen-Waldram soll in das neue Schulzentrum am Hammerschmiedweg in der Innenstadt integriert werden. Das ist „Grundlage weiterer Planungen“, beschloss der Stadtrat mit 17:8 Stimmen.

Entscheidung fällt mit 17:8 Stimmen

„Politischer Skandal“: Das passiert mit der Mittelschule in Wolfratshausen-Waldram

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Wie sieht die Zukunft der Mittelschule im Wolfratshauser Ortsteil Waldram aus? Die Frage hat der Stadtrat jetzt beantwortet.

  • In der Wolfratshauser Innenstadt soll ein neues Schulzentrum entstehen.
  • Es galt zu klären: Was passiert mit der Mittelschule im Ortsteil Waldram?
  • Die Frage hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung beantwortet.

Wolfratshausen – Die Grundschule in Weidach bleibt bestehen. Das hat die Mehrheit des Stadtrats so beschlossen (wir berichteten). Alle fünften bis neunten Klassen sowie die sogenannte M-Klasse der Mittelschule Waldram werden dagegen ins neue Schulzentrum am Hammerschmiedweg integriert. Das entschied der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung mit 17:8 Stimmen. Dagegen votierten Helmut Forster, Dr. Manfred Fleischer und Richard Kugler (alle Liste Wolfratshausen) sowie die Grünen-Vertreter Annette Heinloth, Jennifer Layton, Assunta Tammelleo, Peter Lobenstein und Dr. Hans Schmidt. Konkret besagt der Beschluss, dass ein zentraler Mittelschulstandort in der Innenstadt „die Grundlage weiterer Planungen“ ist.

Staatliches Schulamt ist für die Fusion

Vor gut fünf Jahren nahmen Vertreter aller Stadtratsfraktionen mit den Schulleitern, dem Schulamt und der Stadtverwaltung Gespräche über die Schulentwicklung in der Flößerstadt auf. Das Ergebnis waren sechs Varianten, von denen fünf ausgesiebt wurden. Übrig blieb Variante 2, das heißt, die Zusammenlegung der zwei Mittelschulen am Standort Hammerschmiedweg. Genau das verlangt nicht zuletzt das staatliche Schulamt. Vor diesem Hintergrund beauftragte der Stadtrat den Bürgermeister im Sommer 2016, ein Architekturbüro für die Generalsanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule in der Innenstadt zu finden. Inzwischen liegt eine Kostenschätzung des Münchner Büros „karlundp“ in Höhe von 60 Millionen Euro vor.

Da dieser Betrag von der Kommune nicht zu stemmen ist, wollte der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung den Rotstift ansetzen. „Karlundp“ hat ein Einsparpotenzial von etwa 20 Millionen Euro aufgezeigt. Doch bevor’s ans Sparen ging, votierte die Mehrheit (13:12) dafür, zunächst den 34-Millionen-Euro-Gegenentwurf von Kulturreferent Alfred Fraas (CSU) prüfen zu lassen. Das wird laut Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Stadtrat Fraas hadert mit dem „konzentrierten Standort“

Fraas haderte in der Sitzung in der Loisachhalle angesichts der rückläufigen Zahl von Mittelschülern mit dem „konzentrierten Standort“ am Hammerschmiedweg. Sein Argument: Setze sich der Negativtrend fort, würde es künftig voraussichtlich nur noch zwei große Mittelschulklassen geben. Verteilt auf zwei Standorte jedoch „blieben drei kleine Mittelschulklassen erhalten“, vermutete Fraas.

Peter Lobenstein wies darauf hin, dass in Waldram „die modernste Schule“ im Stadtgebiet stehe. Kleine Klassen, das bedeute bessere Betreuung der Schüler, so der Sprecher der Grünen-Fraktion. Zudem wäre es in Waldram möglich, auch Kinder aus dem „nur drei Kilometer Luftlinie entfernten Geretsried“ zu beschulen. Stimmt, pflichtete Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth ihrem Parteifreund bei – mit Blick auf das Großbauprojekt an der Banater Straße in Geretsried: Dort sollen wie berichtet mehr als 750 Wohnungen errichtet werden.

Es ist ein politischen Skandal, was mit den Mittelschulen passiert.“

Fritz Meixner (SPD), Schulreferent des Wolfratshauser Stadtrats

Der Schulreferent des Stadtrats, Fritz Meixner (SPD), bezeichnete es als einen „politischen Skandal, was mit den Mittelschulen passiert“. Verfehlte Landespolitik führe dazu, dass die Mittelschulen ausbluten würden. „Und das in Bayern, wo Loblieder auf den Mittelstand gesungen werden“, monierte Meixner. „Die Mittelschule wird eine Restschule“, bedauerte Bürgermeister Heilinglechner. Das Dilemma: „Perspektivisch“, erklärte Meixner, sei die Zahl der Mittelschüler nicht vorhersehbar. Auf der anderen Seite „müssen wir der Regierung von Oberbayern jetzt ein Klassenzimmerkonzept vorlegen“, ergänzte Heilinglechner.

„Wir haben keinen Einfluss auf die Bildungspolitik des Landes“, konstatierte BVW-Fraktionsvorsitzender Josef Praller. Ein Vorteil für die Kommune sei die „modulare Vorgehensweise“ beim Großprojekt am Hammerschmiedweg. Die Maßnahmen würden peu à peu in Angriff genommen. „So gewinnen wir Zeit, „um den Mittelschulbereich noch zu schärfen beziehungsweise zu korrigieren“, sekundierte Meixner.

Wolfratshausen wird „zu einer Schulbau-Offensive gezwungen“

Da Bayern eine Mittelschul-Offensive nicht plane, werde Wolfratshausen stattdessen „zu einer Schulbau-Offensive gezwungen“, schimpfte Liste-WOR-Stadtrat Dr. Manfred Fleischer. Er warnte mit Nachdruck vor „dem Gang ins Risiko“. Die Schaffung von Klassenräumen für Mittelschüler am Hammerschmiedweg sei gleichbedeutend mit einer „hohen Vorleistung“, so Fleischer. „Und wenn die Räume später nicht gebraucht werden?“ Er plädierte dafür, den Standort Waldram beizubehalten.

Dr. Ulrike Krischke (BVW) erinnerte an diverse Beschlüsse aus den Jahren 2015 bis 2018. Jedes Mal habe sich der Stadtrat für die Zusammenlegung der Mittelschulen am Hammerschmiedweg ausgesprochen. „Wir müssen jetzt den Schritt nach vorne gehen“, sagte Krischke. „Sie haben es auf den Punkt gebracht“, stellte Bürgermeister Heilinglechner fest. Nun also ist Fusion der Mittelschulen in der Innenstadt die Grundlage der weiteren Planungen. (cce)

Lesen Sie auch: Das sagt das Ingenieurbüro HP zum Schulbaukonzept von Stadtrat Alfred Fraas.

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