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Stadtrat Alfred Fraas glaubt, das Problem günstig lösen zu können. 

Gefährliche Murenabgänge

Stadtwald: Fraas will Überzeugungsarbeit auf YouTube leisten

Stadtrat Alfred Fraas wagt einen neuen Vorstoß, wie man Murenabgänge vom Bergwald verhindern könnte: Dazu hat er ein Video auf YouTube gestellt. 

Wolfratshausen– Alfred Fraas (66) gibt nicht auf. Der CSU-Stadtrat legte bereits vor eineinhalb Jahren eine Planung vor, wie sich Murenabgänge vom Bergwald in die Altstadt kostengünstig verhindern ließen. Weil die Stadt nun einen neuen Vorstoß wagt, den Hang zu sichern (wir berichteten), geht der Kulturreferent in die Offensive: Er informiert in einem Video, das er ins Internetportal YouTube eingestellt hat.

Nach stundenlangem Starkregen in der Nacht und am frühen Morgen schwappte am 5. Juni 2016 eine Mure auf den Birnmühlplatz. 40 Einsatzkräfte rückten aus und bekämpften die Wasser- und Schlammmassen. Die Häuser am Untermarkt blieben zum Glück unbeschädigt. Als am Nachmittag erneut dunkle Wolken über der Flößerstadt aufzogen, trafen Stadt und Feuerwehr Vorsichtsmaßnahmen: Oberhalb des Bergwalds wurde als Regenrückhaltebecken ein großes Loch gegraben, zudem wurden vier Pumpen installiert.

Teilnahme an Förderprogramm geplant

Um solche Vorkommnisse in Zukunft zu verhindern, plant die Stadt die Teilnahme am Förderprogramm „Integrale Konzepte zum kommunalen Sturmflut-Risikomanagement“. Für CSU-Stadtrat Alfred Fraas ist das unverständlich: „Die Stadt möchte Förderungen beantragen, ohne dass wir einen genauen Überblick über die Kosten haben.“ In der jüngsten Bauausschusssitzung hatten bereits Fraktionschef Günther Eibl und Grünen-Stadtrat Dr. Hans Schmidt dagegen Einwände erhoben.

Das Argument der Verwaltung, es sei Aufgabe der Kommune, ihre Bürger zu schützen, unterstützt Fraas natürlich. „Aber dann sollte man richtige und sinnvolle Maßnahmen ergreifen.“ Was seiner Meinung nach die richtigen Maßnahmen wären, stellt der Kulturreferent in seinem eigens produzierten YouTube-Video vor. Es zeigt sturzbachartige Bachläufe bei Starkregen und veranschaulicht mit Grafiken, warum das Wasser sich genau diesen Weg sucht. In seinem Video erklärt Fraas auch, wie es zu der Problematik im Bergwald kommen konnte. „Das ist ein Thema, das sehr viele Menschen bewegt, das aber nur die wenigsten wirklich verstehen können“, begründet er seinen Eifer. Fraas’ Erklärung kurz umrissen: Durch das Anlegen des Golfplatzes wurde die Topographie des Bergwalds verändert. Die Fläche wurde versiegelt, auf der Ostseite des Berges, also auf Seiten der Wolfratshauser Altstadt, wurde ein kleiner Wall angelegt. Wenn es regnet, bildet sich ein Bachlauf am Hang, der einst über der Bergwaldbühne ins Tal lief. Aus Angst, die Kulturstätte könnte ausgespült werden, verlängerte die Stadt den kleinen Damm um etwa 80 Meter bis knapp über den Birnmühlplatz. Die Folge ist bekannt.

Bauliche Maßnahme soll Abhilfe schaffen

Nach dem Murenabgang wurde die Kommune aktiv und schuf ein Regenrückhaltebecken. Für Fraas ist das aber keine sichere Lösung: „Wenn die Abflussrohre verstopfen, stehen wir vor demselben Problem. Darin sehe ich eine Riesengefahr.“ Der CSU-Stadtrat präferiert – wie nach seinen Angaben auch das Wasserwirtschaftsamt – eine simple bauliche Maßnahme: „Wenn der Wall am Ende des Golfplatzes in Richtung Westen (dort liegt der Rauschergraben; Anm. d. Red) verlängert wird, kann kein Wasser mehr in Richtung der Altstadt ablaufen.“ Ein Vorteil seines Plans: „Wird das Regenwasser nicht mehr den Hang hinuntergespült, muss man den auch nicht für viel Geld sichern.“ Unklar ist dem 66-Jährigen, wieso keiner der diversen Ingenieure und Planer, die in den vergangenen Jahren von der Kommune engagiert wurden, auf diese „einfache und kostengünstige“ Variante gekommen sei. Er selbst verbrachte für Filmaufnahmen und Geländeuntersuchungen viele Stunden im Bergwald. „Ich weiß, dass ich mir damit nicht bloß Freunde mache. Aber ich möchte – genau wie alle anderen Stadträte auch – die Wolfratshauser schützen.“

Link zum Video:

https://youtu.be/s1snH7Rw4AQ

Dominik Stallein

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