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Mit vollem Einsatz: Im vergangenen Jahr derbleckten die Akteure der Loisachtaler Bauernbühne auf dem Grünen Markt in der Loisachhalle. 

Derblecken in der Loisachhalle

Der Countdown für das Starkbierfest läuft

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Wolfratshausen - Bei den Besuchern steigt die Vorfreude, bei Bürgermeister und Stadträten die Nervosität: Am Freitagabend wird beim ausverkauften Wolfratshauser Starkbierfest in der Loisachhalle wieder die Politprominenz derbleckt.

Es war der ehemalige Kulturamtsleiter Peter Struzyna, der den Vorsitzenden der Loisachtaler Bauernbühne (LBB), Ludwig Gollwitzer, mehr oder weniger dazu überredete, das Wolfratshauser Starkbierfest mit einem Politiker-Derblecken aufzupeppen. Das liegt mittlerweile gut 30 Jahre zurück. Auf der Bühne der Loisachhalle gründete sich 1984 unter den Augen von rund 600 Besuchern ein Stammtisch – und vier typisch oberbayerische Grantler ließen das politische Geschehen in der Loisachstadt genüsslich Revue passieren. Die Texte für die Stammtischbrüder hatte Hilde Schrall geschrieben, geprobt wurde laut LBB-Chronik an „unzähligen Abenden“ mit einer nicht überlieferten Menge isotonischer Getränke. Die Quelle für die Pointen sind nach wie vor die Lokalzeitungen. "Die werden permanent ausgewertet."

Die Regisseurin ist streng mit ihren Schauspielern

Geprobt wird anschließend „fast täglich in unterschiedlichen Besetzungen“, verrät der LBB-Vorsitzende. Die zweite von zwei Generalproben findet traditionell erst wenige Stunden vor der Öffnung der Loisachhallentüren statt. Regisseurin ist Monika Schwenger, die gebürtige Norddeutsche führt laut Gollwitzer ein strenges Regiment: „Sie arbeitet sehr akribisch, da kann man als Schauspieler kein ,aber‘ sagen, wenn’s im Text nicht vorgesehen ist. Denn das ,Aber‘ könnte ja eine Pointe abschwächen.“ Gollwitzer selbst war seit 1984 bei fast jedem Starkbierfest in verschiedenen Rollen mit von der Partie. Nur als Kulturreferent des Stadtrates musste er von 2008 bis 2014 eine Zwangspause einlegen. „Da hat man mich als amtierenden Stadtrat auf der Bühne nicht gewollt“, erinnert er sich und lacht.

Wolfratshausen im Weltall

Immer aufwändiger gestalteten die Akteure in den vergangenen Jahren die Bühnenkulisse: Die LBB nahm das Publikum mit zum 250 Millionen Kilometer entfernten Namensvetter Wolfratshausens im Weltall, begrüßte die Gäste im Wolfratshauser Stadtzirkus „Lari Fari“, drehte live einen „Flößer-Action-Film“ und glänzte mit einer „Rocky-WOR-ror Show“. Fürs Bühnenbild verantwortlich ist LBB-Mitglied Max Prestl. „Im positiven Sinne ein Pedant hoch 25“, stellt Gollwitzer fest. Prestl lege großen Wert auf Details, die das Publikum mutmaßlich gar nicht wahrnehme. Grundsätzliche gelte: „Hinter dem Vergnügen steckt reichlich harte Arbeit.“

In der Dreifachturnhalle war es schön, aber kalt

Als die Loisachhalle vor einigen Jahren wegen akuter Brandschutzmängel und anschließender Modernisierung eine zeitlang geschlossen bleiben musste, zogen die Laiendarsteller mit Mann und Maus in ein großes Zelt hinter der Dreifachturnhalle am Hammerschmiedweg um. Das Publikum erinnert sich mit Freude an Lachkrämpfe, leider auch an Frostbeulen. Seit der Wiedereröffnung des Musentempels an der Loisach 2002 haben die LBB und ihre Fans beim Starkbierfest wieder ein festes Dach über dem Kopf – und eine Heizung im Keller.

Einmal gab es eine Zeitbegrenzung für die Frotzeleien

Eine Art Maulkorb ließ sich die Bauernbühne – soweit öffentlich bekannt – bisher nur einmal verpassen: 2012 hatte der Rathauschef maximal 60 Minuten Frotzelei erlaubt und darum gebeten, gewisse Themen auszusparen. Bewusst oder unbewusst formulierte die Autorengruppe um Rüth den Starkbierfest-Text daraufhin mit der weichsten Bleistiftspitze, die es im Fachhandel für Derblecker gibt.

Das Bier wird heuer nicht ausgehen

Fürs Publikum weitaus schlimmer war die Hiobsbotschaft, die sich vor gut 15 Jahren eine Stunde nach nach Beginn des Starkbierfestes wie ein Lauffeuer in der Loisachhalle verbreitete: Das Festbier ist aus! Tatsächlich war’s kein gut vorbereiteter Witz, sondern bitterer Ernst für die Freunde des süffigen Gerstensafts. Ein Fauxpas, den der Loisachhallen-Wirt, bis er die Flößerstadt im Juli 2000 verließ, ein ums andere Mal mit Süffisanz aufs Butterbrot gestrichen bekam.

Thema könnte der Bürgerladen sein

„Das Starkbier am Freitagabend wird reichen“, beruhigt Gollwitzer. Davon habe er sich vor wenigen Tagen in einem Telefongespräch mit dem Chef des Traunsteiner Hofbräuhauses persönlich überzeugt. „Die haben genügend gebraut.“ Welche Themen die Bauernbühne humorig-bissig aufbereitet hat, will der Wolfratshauser nicht preisgeben. Entlocken lässt sich Gollwitzer nur den Satz: „Ich könnte mir gut vorstellen, dass der Bürgerladen aufgegriffen wird.“ 

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