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Forster's Andenken statt Bürgerladen: Helmut Forster (gespielt von Wiggerl Gollwitzer) zeigte Ingrid Schnaller (Christine Brauner) ein besonderes Andenken: die Stadträte als Kasperltheater.

Jetzt wird’s aber bös’

Starkbierfest: Deftiges Derblecken der Bauernbühne

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Wolfratshausen - Weil sie immer vertagen, mauscheln und tricksen: Die Loisachtaler Bauernbühne geht heuer mit den Stadträten hart ins Gericht. Der beste Gag zündet in der Loisachhalle beim Thema Untermarkt.

Langgezogene Töne der Mundharmonika erklingen im Hintergrund, genau wie beim Western „Spiel mir das Lied vom Tod“. Mitten in der Endzeitstimmung feiert der Ex-Bürgermeister seinen größten Triumph. Helmut Forster (gespielt von Ludwig Gollwitzer) steht vor der aufwändigen Kulisse, sie zeigt den Untermarkt 10. Forster streckt sich und greift nach dem Schild „Bürgerladen“, das über der Verkaufstheke hängt. Er reißt es herunter, dreht sich zum Publikum und grinst. Jetzt steht an der Fassade „Forster’s Andenken“.

Die Inszenierung der Umwidmung des Untermarkts 10 vom designierten Bürgerladen in einen Andenkenladen ist der beste Gag der Loisachtaler Bauernbühne beim Starkbierfest am Freitag in der Loisachhalle. Knapp 600 Zuschauer lachen schallend, als Forster Andenken präsentiert. „Andenken aus vergangenen, goldenen Zeiten“, sagt er. Einen Aschenbecher mit dem Vierjahreszeiten-Haus zum Beispiel. Das alte Isarkaufhaus als Sparbüchse. Ein Holzfloß als Panflöte, den Rikschafahrer in der Schneekugel und die Stadträte als handgemachte Kasperlpuppen. Verkauft hat er zwar noch keines der Andenken, erklärt er Werbekreis-Chefin Ingrid Schnaller (Christine Brauner). Aber das könne ja noch werden, sagt Forster, bei immerhin „639 000 Tagesgästen pro Jahr“.

Die Bauernbühne geht mit den Stadträten hart ins Gericht

Den Politikern, hier Bürgermeister Klaus Heilinglechner, gefällt's.

Ja, die Bauernbühne geht heuer hart mit den Stadträten ins Gericht, insbesondere Wirtschaftsreferent Forster und CSU-Fraktionschef Günther Eibl werden sauber derbleckt. Obwohl der Bauernbühne kein Thema einfallen wollte. Behaupten die Schauspieler zumindest. Sogar von der Vertagung des Starkbierfests ist die Rede, also genauso, wie es der Stadtrat zuletzt mit einigen Themen getan hat. Ganz am Anfang des Stücks brüten Franz Foitzik, Mel Tobian und Flo Roth auf der Bühne über ihren Unterlagen. Es ist ein satirisch anmutender, unerwarteter Einstieg. Um der Ideenlosigkeit zu entfliehen, wollen sie sich in der Innenstadt umhören. Der rote Vorhang öffnet sich und gibt den Blick frei auf einen mit Brettern vernagelten Bürgerladen, Reste eines maroden Burgwalls hinter der riesigen Stadtfahne und die baufällige Fassade des Isarkaufhauses. Bühnenbildner Max Prestel hat hervorragende Arbeit geleistet. Und das Derblecken nimmt seinen Lauf.

Natürlich fehlt es in Wolfratshausen nicht an Themen. Alle ahnen, dass die Anzahl heuer so groß ist, dass nur die Auswahl schwerfällt. Mit der von Eveline Hörschelmann und den Soundplayers grandios getexteten und gesungenen Ansage „Jetzt wird’s aber bös’ im Rathaus“ zur Melodie des Hits „All about that base“ wird die Richtung definiert. „Die Diskussionen sind lebhaft und lang, doch spar’ dir die Fragen. Da Ergebnis bescheiden, die Antwort müssen wir vertagen.“

Die Bauernbühne setzt wieder auf Doubles

Bei der diesjährigen Inszenierung setzt die Bauernbühne wieder auf Doubles: Die Schauspieler mimen die Lokalprominenz. Amtsleiter Franz Gehring (Max Prestel) trifft zum Beispiel auf Dr. Hans Schmidt (Georg Steinbichler), der wild hüpfend um die Ulme tanzt und drei Ordner neuer Anträge gegen die Wlan-Strahlen im Markt vorbereitet hat. CSU-Fraktionschef Günther Eibl (Felix Unterberger) droht, die „dunkle Macht“ in der Stadt an sich zu reißen. Und Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Andi Wastian) will dem ganzen Trubel entfliehen und zurück zu seinen Kühen. Das Lied dazu lief schon vergangenes Jahr. „Aber die Bayernhymne wird ja auch bei jedem wichtigen Anlass gespielt“, sagt er. Und ein Pfarrer (Thomas Eichberger) kommentiert die Szenen.

Starkbierfest 2016 in der Loisachhalle

Ludwig Gollwitzer glänzt als Helmut Forster und Gerhard Meinl

CSU-Dreigestirn auf Werbetour fürs Hallenbad (v. li.): Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller (gespielt von Georg Steinbichler), Volker Reeh (Felix Unterberger) und Gerhard Meinl (Ludwig Gollwitzer) träumen vom interkommunalen Großprojekt.

Herausragend spielt Ludwig Gollwitzer, der sich für seine Rolle als Wirtschaftsreferent sogar seinen geliebten Bart abrasiert hat. Er mimt auch den Geretsrieder Gerhard Meinl als CSU-Strippenzieher in Badehosen. Bürgermeister Michael Müller (Steinbichler) und Volker Reeh (Unterberger) agieren nur als Marionetten auf Meinls Werbetour fürs Hallenbad. Das soll, so heißt es, gar nicht interkommunal werden. Sondern „ein Hallenbad von der CSU für die CSU, äh, die Geretsrieder“. Ein paar Bürger der Nachbarstadt haben sich auch für die Stadtführung angemeldet, die Lisa Richter anbietet: vom Loisachufer bis ins Zentrum von „Leerstandshausen“, vorbei an 23 geschlossenen Geschäften.
 
Bleibt der Stadt nichts übrig als künftig Gruselrundfahrten, Geisterführungen und Touren zu den Krimidrehorten von „Tod in der Marktstraße“, dem Nachfolger von „Hubert und Staller“, anzubieten? Nein, es gibt Hoffnung, findet die Bauernbühne. Dr. Edmund Stoiber (Hermann Paetzmann) erscheint als Retter in der Not. Der kündigt ohne Umschweife an, die sofortige Lösung aller Probleme auf „heute, äh, morgen“ zu vertagen.

von Assunta Tammelleo und Sebastian Dorn

Das Video vom Politikerderblecken 2016

Politikerderblecken beim Starkbierfest 2016

Starkbierfest: Den Bürgerladen-Gag muss jeder gesehen haben :-)

Posted by Isar-Loisachbote on Sonntag, 6. März 2016

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