1. Startseite
  2. Lokales
  3. Geretsried-Wolfratshausen
  4. Wolfratshausen

Starke Frauen aus Wolfratshausen: Historischer Verein würdigt Persönlichkeiten mit besonderer Aktion

Erstellt:

Von: Peter Herrmann

Kommentare

Würdigen starken Frauen in einem Kalender: Dr. Sybille Krafft (vorne, 7. v. li.) und die Arbeitsgruppe des Historischen Vereins.
Würdigen starken Frauen in einem Kalender: Dr. Sybille Krafft (vorne, 7. v. li.) und die Arbeitsgruppe des Historischen Vereins. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Der Historische Verein würdigt „Wolfratshauser Weibsbilder“ mit einer besonderen Aktion: 52 Porträts zeigen Schicksale und starke Persönlichkeiten.

Wolfratshausen – 52 Porträts im neuen Kalender „Wolfratshauser Weibsbilder“ beweisen, dass der Spruch stimmt, der auf der Rückseite des Titelblatts steht. „Starke Frauen haben selten ein leichtes Leben“, ist dort zu lesen. Die Schicksale hat eine Arbeitsgruppe von 44 Autorinnen und Autoren des Historischen Vereins zusammengestellt. Seit Freitag ist der Kalender erhältlich.

Starke Frauen aus Wolfratshausen: Historischer Verein würdigt Persönlichkeiten mit besonderer Aktion

Waltraud Gschwendtner erinnert darin an die 1,25 Meter kleine Berta Bauer. „Ihre geringe Größe hinderte sie nicht daran, zweimal wöchentlich einen enormen Fußmarsch mit ihrem Hundefuhrwerk nach Ambach zu unternehmen, um Dinge des täglichen Bedarfs in die abgelegene Gegend zu bringen und Fische und Futter für die Schweine von dort nach Wolfratshausen zu transportieren“, berichtet die Autorin. Die an der Beuerberger Straße aufgewachsene Berta Bauer fand im Zweiten Weltkrieg Unterschlupf in einem Bunker, den ihr Nachbarn gegraben hatten.

Historischer Verein Wolfratshausen stellt Persönlichkeiten vor: Valerie Brustmann und eine ermordete Jüdin zum Beispiel

Schwere und nahezu in Vergessenheit geratene Schicksale beschreiben auch die Porträts über die Waldramerin Valerie Brustmann und die Jüdin Hertha Spatz. Letztere wurde im Alter von 21 Jahren in einem Konzentrationslager ermordet. Zuvor besuchte sie die 1938 aufgelöste jüdische Mädchenschule in Wolfratshausen und reinigte als Zwangsarbeiterin Münchner Trambahnschienen. Valerie Brustmann war die Mutter des bekannten Musikkabarettisten Josef Brustmann, der sie im Kalender als „einfache, fleißige Frau“ würdigt. Von ihren zehn Kindern starben zwei früh und ein weiteres schon im Mutterleib. „Sie saß nie in einem Flugzeug, nie war sie in Italien, jedes Jahr fuhr sie zur Wallfahrt nach Altötting“, schreibt ihr Sohn.

Sybille Kraft: „Frauen haben Geschichte genauso mitgeprägt“

Dr. Sybille Krafft, Leiterin der Arbeitsgruppe und Vorsitzende des Historischen Vereins, hat bei der Auswahl der Weibsbilder viel Wert auf eine ausgewogene Mischung gelegt, bei der auch der Informationsgehalt und überraschende Rechercheergebnisse nicht zu kurz kamen. Denn nur wenige dürften wissen, dass die Haushälterin des berühmten Dramatikers Bertolt Brecht aus Wolfratshausen stammte und sich Anna Flossmann 1919 als erste Frau im Marktgemeinderat der Loisachstadt engagierte.

Auch über das von Ludwig Gollwitzer vorgestellte „Marktgschlerf“ haben vor allem zugezogene Bürger und Auswärtige wahrscheinlich noch nichts gelesen. Die Hebamme soll im 13. Jahrhundert den Tod eines Neugeborenen verschuldet haben und später als sechs Meter großes Gespenst mit laut schlurfenden Holzschuhen durch die Marktstraße gegeistert sein.

Kalender „Wolfratshauser Weibsbilder“ ist ein Geschenktipp für Weihnachten

„Der weibliche Teil der Bevölkerung hat die Wolfratshauser Geschichte genauso mitgeprägt wie der männliche“, sagt Krafft. Und dieses Lob gelte auch für Frauen, die sich nur kurz im Ort aufhielten wie etwa die wohlhabende Italienerin Elisabetta Visconti, die Anfang des 15. Jahrhunderts mit ihrer verpfändeten Mitgift die Wolfratshauser Burg auslöste.

Erhältlich ist der Kalender „Wolfratshauser Weibsbilder“ zum Preis von 17,90 Euro in der Buchhandlung Rupprecht, im Geretsrieder Isar-Kaufhaus sowie im Badehaus Waldram. Sybille Krafft glaubt, dass die Auflage von 750 Stück schnell vergriffen sein dürfte. „Wenn die Wolfratshauser Weibsbilder mit Ausnahme von Kathi Kobus schon in den Straßennamen nicht auftauchen, so sollten sie zumindest als Geschenk unterm Christbaum liegen“, hofft sie.

Auch interessant

Kommentare