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Uraltes Handwerk: Die Vorbereitungen für die neue Saison sind weitgehend abgeschlossen, jetzt kann es losgehen. Darauf freuen sich die Flößer im Landkreis wie Josef Seitner ungemein.

Stets eine Handbreit Wasser unterm Baum

Start der Saison: Flößer müssen kräftig anpacken

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Wolfratshausen – Sie sind die Bewahrer einer Jahrhunderte alten Tradition: Die Flößer auf Isar und Loisach. Jedes Frühjahr starten sie für Passagierfahrten auf ihren mächtigen Gefährten in Richtung München. Bevor die 20-Tonner aber ins Wasser gelassen werden, müssen die Flößer kräftig anpacken.

Es sind die unzähligen schönen Begegnungen, die Josef „Sepp“ Seitner an der Flößerei seit so vielen Jahren begeistern. Die Freude, die ihm entgegenschlägt, wenn er mit seinen Gästen Loisach und Isar hinunterrauscht. Und es ist die intakte Natur und eine Landschaft, die es nicht noch einmal gibt. „Einfach fantastisch. So wie ich sie als Bub in Erinnerung habe und wie sie wohl auch vor 600 Jahren war“, sagt Seitner.

Seit 49 Jahren ist der Wolfratshauser schon Flößer. Erst am Sonntag hat er die neue Saison mit einer „kalten, aber stimmungsvollen Fahrt“ eingeläutet. Mit ihr ist auch ein wenig von der Hektik der letzten Wochen von ihm abgefallen. Schließlich mussten die mächtigen, 18 Meter langen Fichtenstämme mit Farbe bepinselt und die Ruder neu gefertigt werden. Auch um Behördengänge kommt ein Flößer nicht herum. „Wir müssen an viele Kleinigkeiten denken, bevor es wieder losgehen kann“, sagt der 69-Jährige. Bis zum Ende der Saison Mitte September werden Seitner und seine Mannen fast 300 Mal die Fahrt nach München antreten und dem immer internationaler werdenden Publikum denkwürdige Erlebnisse bescheren. Unter den Gästen sind Amerikaner, Japaner und Araber. Für Letztere habe er sogar Hendl an Bord. „Leberkäs mögen die ja nicht“, sagt Seitner. Er steht voll und ganz hinter der Flößerei, dieser selten gewordenen Tradition. Sein sehnlichster Wunsch ist deshalb, „dass sie in der heutigen Form auch in Zukunft erhalten bleibt“.

Die Zeichen dafür stehen recht gut. Zumindest wenn man dem zweiten Flößer im Bunde glaubt. Franz Seitner beobachtet nämlich mit Freude, dass die Flößerei an Popularität gewinnt. „Die Leute wissen Tradition wieder zu schätzen und haben wieder mehr für die Natur übrig.“ Mit seinem Sohn Andreas steht auch schon ein Nachfolger in den Startlöchern.

Rund 1200 Mal war Franz Seitner in seinem Leben auf Isar und Loisach unterwegs. Er kennt jede Stromschnelle, jede Eigenheit. „Mit den Fischen kann ich mich mittlerweile auch unterhalten“, scherzt der 72-Jährige, der nach dem Tod seiner Frau vor zwei Jahren das Fahren eingestellt hat. In das Unternehmen ist er aber unverändert voll integriert.

Auch Franz Seitner hat in seinen 51 aktiven Jahren viele lustige Dinge zwischen Wolfratshausen und München erlebt. Eine spezielle Fahrt vor etwa zwölf Jahren ist ihm dabei besonders in Erinnerung geblieben. „Damals haben wir den FC Bayern gefahren. Eine Riesengaudi und eine meiner schönsten Fahrten“, erinnert sich der Flößer mit Leib und Seele.

Auf 47 Jahre Floßfahrten kann Michael Angermeier zurückblicken. Wer niemals auf einem Floß gesessen habe, an dem sei das Leben vorbeigezogen, ist der Arzbacher überzeugt. Für ihn sind Bayern und die Flößerei untrennbar miteinander verbunden. Genau wie seine Kollegen hat Angermeier längst alle Vorbereitungen zum Saisonstart abgeschlossen. Die benötigten Teile sind dabei in Handarbeit entstanden. „Im Baumarkt gibt es die nicht“, sagt der 65-Jährige und lacht. Wenn es nach ihm geht, kann es jetzt auch so richtig losgehen. Angermeier: „Ich wünsche mir unfallfreie Fahrten und viel Freude. Und immer eine Handbreit Wasser untern Baum.“

ah

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