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Am Krankenbett hatte die Seelsorgerin eine berührende Begegnung.

Im Krankenhaus suchte jemand das Gespräch

Kranker vertraut sich Seelsorgerin an: Ihr Rat kann jedem Menschen helfen

Am Krankenbett hatte Barbara Mehlich neulich eine berührende Begegnung. Ihr Gesprächspartner erzählte der Seelsorgerin, er hätte sein Leben verpfuscht. So half sie ihm weiter.

Barbara Mehlich Katholische Krankenhausseelsorgerin in Wolfratshausen

Wolfratshausen - Vor einiger Zeit wurde ich ganz gezielt zu einem Kranken gerufen. „Ich habe mein Leben versaut“, so begann der Herr das Gespräch. Oh, das Leben muss ja viele Höhen und Tiefen haben, dachte ich, wenn jemand ohne Vorwarnung so direkt und dramatisch das Gespräch beginnt. Ich nahm Platz – der Herr schaute mich erwartungsvoll an und fragte: „Wollen Sie es hören?“ Ich nickte – er begann zu reden – stoppte nach zwei Sätzen – es entstand eine lange Pause. Seinem Gesicht sah ich an, dass er überlegte und mit sich kämpfte.

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Stockend sagte er dann: „Es ist nicht wert, ich habe alles versaut.“ Ich nickte und schwieg – wenn der Kranke es so sah, dann empfindet er es auch so. Mein Stoßgebet lautete: „Komm Heiliger Geist und erfülle uns!“ Dann setzte er wieder an und erzählte und erzählte. Lange hörte ich zu und sagte dann: „In jedem Leben gibt es Vergebung.“ „Nicht für mich“, antwortete er. Seine Fehler seien zu stark, vor allem könne er jetzt nichts mehr in Ordnung bringen. „In Ordnung bringen vielleicht nicht“, erwiderte ich, „aber Sie können innerlich Ihre Angehörigen und Kollegen um Verzeihung bitten. Sie können sagen, wie leid es Ihnen tut und dass Sie manchmal einfach nicht anders konnten.“

Es entstand eine intensive Stille, ich spürte, wie in seinem Kopf und auch im Herzen vieles durcheinander wirbelte. Leise und vorsichtig sagte ich: „Unser Gott schenkt vor allem Vergebung, auch wenn Sie es vielleicht nicht glauben können. Gottes Barmherzigkeit ist unvorstellbar groß, und keine Tat der Welt hindert ihn zu vergeben. Das gilt auch für Sie.“ Und dann folgten noch weitere befreiende Gespräche.

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Jeder Mensch kann sein Leben in den Sand setzen, frei von Schuld und Versagen sind wir alle nicht. Ein Problem dabei ist, dass wir an die Barmherzigkeit und Vergebung Gottes oft nur sehr kleinlich und nach unseren menschlichen Vorstellungen glauben. Das haut aber nicht hin. Das Pfingstfest ist vorbei. Auf die Zusage Gottes, dass er uns seinen Geist schenkt, dürfen wir uns verlassen. Unsere Aufgabe ist, seinen Geist für alle Menschen, egal welcher Couleur, erlebbar zu machen.

Nächste Woche feiern wir wieder ein großes Fest: Fronleichnam. In großen Prozessionen wird in der Monstranz – oft in Herzform – Jesus durch die Orte getragen. Wir schmücken die Straßen mit Fahnen, bauen Altäre, streuen Blumen, ziehen Tracht und Festgewand ein. Warum all dies? Einzig und allein, weil wir allen Menschen sagen wollen: Schaut her, Jesus im Sakrament des Brotes ist das Heil der Welt. Er macht das Leben heil. Schön wäre es, wenn dies alle Prozessionsteilnehmer auch am Tag nach Fronleichnam glauben und weitersagen. Ich wünsche allen eine heilsame Prozession und ein frohes Fest.

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