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Alles ist anders: Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) winkt nach seinem Wahlsieg am Sonntagabend für unseren Fotografen aus dem Rathaus, an seiner Seite Ehefrau Christine.

Alles ist anders bei der Kommunalwahl 2020

Bürgermeister-Wahl in Wolfratshausen: Heilinglechner gewinnt Stichwahl

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Darauf ein Glas Sekt: Bürgermeister Klaus Heilinglechner bekommt eine zweite Amtszeit in Wolfratshausen. Wahlverlierer Günther Eibl ist „nicht enttäuscht“.

Wolfratshausen – Alles ist anders bei dieser Kommunalwahl. Doch der Souverän hat am Sonntag zumindest für eine Konstante gesorgt: Amtsinhaber Klaus Heilinglechner (BVW) bleibt Bürgermeister, Herausforderer Günther Eibl (CSU) hat das Nachsehen. Gewinner (55,8 Prozent) und Verlierer (44,2 Prozent) trennen 1015 Stimmen. Alle Ergebnisse zum Nachlesen gibt es im Live-Ticker.

Alles ist anders. Die Corona-Pandemie überschattet diesen Wahlsonntag, die Stimmabgabe ist nur per Briefwahl möglich. Das Rathaus ist versperrt, hinter den Kulissen werden unter strengen Schutzvorkehrungen die Wahlbriefe geöffnet, sortiert und die Stimmen gezählt. Alle Rathausmitarbeiter sowie die Handvoll ehrenamtlicher Helfer tragen Mundschutz und Handschuhe. Das Wolfratshauser Geschäft „Bavarian Selection“ hat Seife spendiert, um 17.30 Uhr bittet Heilinglechner alle fleißigen Hände zu Tisch – gemeinsame Dankeschön-Brotzeit auf Kosten der Kommune.

Alles ist anders. Die übliche Live-Präsentation der Ergebnisse, die sonst ab 18 Uhr nach und nach aus den einzelnen Wahlbezirken im Rathaus eintreffen, findet nicht statt. Der große Sitzungssaal ist leer. CSU-Spitzenkandidat Eibl sitzt in seinem Büro vor dem Computer. Wie alle anderen Wolfratshauser verfolgt er die Schnellmeldungen, die Wahlleiter Martin Millian auf der Homepage der Stadt hochlädt.

Um 18.35 Uhr erscheint das erste Ergebnis auf dem Monitor

Die erste erscheint um 18.35 Uhr auf dem Monitor in unserer Redaktion: 56 Prozent für Heilinglechner, 44 Prozent für Eibl. Die zweite Schnellmeldung bestätigt den Trend. Gegen 19 Uhr liegt der Amtsinhaber knapp 200 Stimmen vor seinem Herausforderer. Zehn Minuten später sind’s schon gut 440 Stimmen. Nach Auszählung aller elf Briefwahlbezirke steht fest: Heilinglechner holt alle elf, das sind summa summarum 4910 der abgegebenen Stimmen, Eibl kommt auf 3895. Die Wahlbeteiligung lag bei 60,02 Prozent.

Das Wahlergebnis

„Nein, ich bin nicht sehr enttäuscht“, sagt Eibl im Gespräch mit unserer Zeitung. 44 Prozent in der Stichwahl gegen den amtierenden Bürgermeister – „ich bin mit meinem Ergebnis zufrieden“. Über die Gründe der Niederlage will der 55-Jährige am Wahlabend nicht spekulieren. Nur so viel: Natürlich habe Heilinglechner „den Amtsbonus“ gehabt. Der sei „in diesen Krisenzeiten“ mutmaßlich noch stärker zum Tragen gekommen.

Der unterlegene Herausforderer Günther Eibl (CSU) gewährt einen Blick in sein Büro, in dem er am Computer-Bildschirm die Schnellmeldungen aus den Briefwahlbezirken verfolgte.

In den nächsten Stunden werde es bei der Wolfratshauser CSU eine Videokonferenz geben, „in der werden wir alles in Ruhe besprechen“. Dazu zähle auch „das weitere Vorgehen“, sagt Eibl. Dem alten und neuen Bürgermeister werde er gleich „per E-Mail gratulieren“.

Gratulation aus Geretsried: „Spricht für gute interkommunale Zusammenarbeit“

Heilinglechner verfolgte die Schnellmeldungen in einer Videokonferenz mit Mitgliedern der Bürgervereinigung. Wer hat als erster gratuliert? „Meine Frau Christine“, antwortet der Wahlsieger. Auch ein Glückwunsch von Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller (CSU) habe ihn schon erreicht. „Das spricht für die gute interkommunale Zusammenarbeit.“

Dass das Ergebnis so deutlich ausfällt, überrasche ihn ein wenig, gibt Heilinglechner zu. „Ich hatte mit einem engeren Ausgang der Stichwahl gerechnet.“ Jetzt sei entscheidend, eine „breite Basis über Parteigrenzen hinweg“ zu schaffen, um die große Herausforderung, vor der die Stadt stehe, zu meistern.

Wie sich Heilinglechner die künftige Arbeit im Stadtrat vorstellt

Vieles müsse „überdacht werden“, sein Appell an den Stadtrat lautet: „Wir müssen alle an einem Strang und in dieselbe Richtung ziehen.“ Wenngleich dem Rathauschef klar ist, dass es künftig mutmaßlich noch schwerer sein wird, zu eindeutigen Mehrheitsentscheidungen zu kommen. Im 24-köpfigen Stadtrat sitzen Vertreter von sechs Parteien beziehungsweise politischen Gruppierungen. Stärkste Fraktion sind die Grünen mit sechs Sitzen, gefolgt von BVW und CSU mit jeweils fünf.

Die öffentliche Kritik, die sein politischer Ziehvater Helmut Forster (Liste WOR) aber auch sein Stellvertreter Fritz Schnaller (SPD) im Wahlkampf an ihm geübt haben, hat Heilinglechner nicht kalt gelassen: „Ich sage nicht, dass mich das nicht berührt hat und dass das einfach so an mir abprallt.“ Doch er sei nicht nachtragend und es sei jetzt nicht an der Zeit, „Klein-Klein-Kriege“ zu führen. „Jetzt steht das Wohl der Stadt an oberster Stelle“, erklärt der 52-Jährige.

Ein Wahlsieger, dem wie allen Bürgern eine Ausgangsbeschränkung auferlegt worden ist: „Nein, eine Wahlparty wird’s nicht geben. Aber ich werde zuhause mit meiner Familie heute Abend ein Glas Sekt trinken.“ Alles ist anders bei der Wahl 2020.

cce

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