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Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber gab am Sonntag seine Stimme ab. Am Montag sprach er mit unserer Zeitung über das Ergebnis der CSU.

Örtliche CSU-Größen analysieren Wahlkampf

Stoiber über CSU-Ergebnis: „Das ist eine historische Niederlage“

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Die CDU/CSU geht aus der Bundestagswahl zwar erneut als Sieger hervor, muss jedoch herbe Verluste einstecken. Was sagen örtliche CSU-Größen zum Wahlausgang? 

Bad Tölz-Wolfratshausen– Die CDU/CSU geht aus der Bundestagswahl zwar erneut als Sieger hervor, muss jedoch herbe Verluste einstecken. Im Bund kommt die Union auf 33 Prozent, die CSU im Freistaat nur auf 38,8 Prozent. „Das ist eine historische Niederlage für die CSU und die Union insgesamt“, sagt Bayerns ehemaliger Ministerpräsident Edmund Stoiber auf Nachfrage unserer Zeitung. „Die CSU hat viele treue Wähler verloren, die ihr nicht zugetraut haben, die Inhalte ihres Bayernplans auch durchzusetzen. Die anstehenden Gespräche in Berlin werden schwierig wie nie.“

„Wohlstand von heute sichert nicht den Wohlstand von morgen“

Paul Brauner, ehemaliger CSU-Stadtrat in Wolfratshausen, äußert sich ähnlich. „Für die Union ist das sehr enttäuschend“, sagt er. Der 75-Jährige ist sich sicher: „Gerade in der Flüchtlingsfrage hätte die Partei ansetzen und die Bevölkerung mehr mitnehmen müssen.“ Ebenfalls „nicht ganz unschuldig“ ist laut Brauner, der 30 Jahre für die CSU im Kreistag saß, Ministerpräsident Horst Seehofer. Der sprunghafte Umgang mit der Politik von Kanzlerin Angela Merkel sei etlichen Wählern „wohl zu viel“ gewesen.

Die herben Verluste der CSU bedauert ebenfalls Gerhard Meinl. Der Dritte Bürgermeister von Geretsried sagt, er sei „total niedergeschlagen“. Im Bund habe er das schlechte Abschneiden der Union erwartet, in Bayern nicht. Trotzdem zeigt sich der 60-Jährige kämpferisch. Die CSU müsse wieder Politik machen, die verständlich und zukunftsweisend ist. „Denn der Wohlstand von heute sichert nicht den Wohlstand von morgen“, sagt er. Die Wähler, die der CSU diesmal den Rücken gekehrt und ihre Stimme der AfD gegeben haben, seien „keine Rechtsradikalen, sondern enttäuschte Bürger“. Es sei dringend notwendig, deren Bedenken ernst zu nehmen.

Skepsis gegenüber Jamaika-Koalition

Brauner pflichtet seinem Parteikollegen bei. Etliche AfD-Wähler hätten der Partei ihre Stimme nur aus Protest gegeben, ist sich der 75-Jährige sicher. Sehr viele CSU-Wähler seien mit Kleinigkeiten nicht einverstanden. Für Brauner ist es jedoch „unverständlich“, deswegen die AfD zu wählen. „Man soll die Partei wählen, die einem mehrheitlich zusagt“, sagt er. Das hätten einige wohl vergessen.

Nicht ganz einig sind sich die CSU-Größen aus Wolfratshausen und Geretsried hinsichtlich einer möglichen Jamaika-Koalition aus CDU/CSU, FDP und Grünen. „Die Verhandlungen werden nicht einfach, der Prozess wird dauern“, lautet der Tenor von Brauner und Meinl. Brauner ist zuversichtlich, dass sich die Parteien zusammenraufen werden. Meinl äußert sich skeptisch: „Ich glaube nicht, dass eine Jamaika-Koalition vier Jahre lang halten wird.“

Ex-Landesvater Stoiber hält einen solchen Zusammenschluss grundsätzlich nicht für sinnvoll. Gerade was Innere Sicherheit und die Flüchtlingspolitik angeht, haben die Parteien laut Stoiber „fundamentale Unterschiede“. Das von den Grünen geforderte Verbot des Verbrennungsmotors würde „ein Herzstück unserer deutschen Industrie irreparabel beschädigen“. Aber nachdem sich die SPD entschieden habe, in die Opposition zu gehen, „gibt es keine andere Möglichkeit für Gespräche“. Für die Koalitionsverhandlungen sei ein zweistufiges Verfahren nötig, so Stoiber. Zunächst müsse die CSU mit der CDU eine einheitliche Position in den offenen Fragen des Bayernplans – zum Beispiel was die Flüchtlings-Obergrenze angeht – finden. „Erst danach macht die Aufnahme von Sondierungsgesprächen mit FDP und Grünen zur Bildung einer neuen Bundesregierung Sinn.“ 

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