Drei Männer an einem Tisch.
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Ziehen an einem Strang: (v. li.) Der Kulturreferent des Wolfratshauser Stadtrats, Alfred Fraas, Vize-Bürgermeister Günther Eibl und CSU-Fraktionschef Peter Plößl (hier bei einer Veranstaltung im Kommunalwahlkampf im Januar 2020).

36 Klassenzimmer, 35 Millionen Euro Gesamtinvestition

Streit ums Schulzentrum in Wolfratshausen: Kulturreferent legt nach

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Das in Wolfratshausen geplante Schulzentrum hat eine kontroverse Diskussion ausgelöst. Nun hat Kulturreferent Alfred Fraas (CSU) das von ihm erarbeitete Konzept noch einmal aktualisiert.

  • Das neue Schulzentrum in Wolfratshausen kostet laut Büro „karlundp“ rund 60 Millionen Euro.
  • Stadtrat Alfred Fraas (CSU) hat unaufgefordert ein eigenes Konzept erarbeitet.
  • Vor der Entscheidung am Mittwoch hat Fraas seinen Vorschlag noch einmal aktualisiert.

Wolfratshausen – Die CSU-Fraktion sowie die Stadträte der Liste Wolfratshausen pochen in einem gemeinsamen Antrag auf die Prüfung des Konzepts für ein neues Schulzentrum am Hammerschmiedweg, das Kulturreferent Alfred Fraas (CSU) erarbeitet hat (wir berichteten). In einem Telefongespräch mit unserer Redaktion hat CSU-Fraktionschef Peter Plößl am Freitag entschieden Gerüchten widersprochen, dass die fünfköpfige Fraktion den Antrag nicht geschlossen unterstützen würde. Zur Abstimmung kommt er in der Stadtratssitzung am nächsten Mittwoch um 18 Uhr in der Loisachhalle.

Fraas-Entwurf kostet laut seiner Berechnung rund 35 Millionen

Plößl hat nach eigenen Worten mit den übrigen vier Fraktionsmitgliedern persönliche Rücksprache gehalten. Das Ergebnis: Das Quartett habe ihm versichert, dass es am Mittwoch für die Prüfung des Fraas-Vorschlags votieren werde. Im Übrigen, so Plößl, habe der Kulturreferent seinen Entwurf noch einmal aktualisiert. „Stimmt“, bestätigt Fraas. Er habe Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) sowie allen 24 Stadträten am Montag, 2. November, ein Update seines Entwurfs für das am Hammerschmiedweg geplante Schulzentrum gemailt. Kostenpunkt? „Etwa 35 Millionen Euro“, so Fraas.

Rathauschef Heilinglechner und der Schulreferent des Stadtrats, Fritz Meixner (SPD), hatten in einem Pressegespräch Zweifel am ursprünglichen Fraas-Konzept angemeldet. Ein Kritikpunkt: Es würden Klassenzimmer fehlen. Das sei richtig, räumt der Kulturreferent ein. Bei seinem ersten Vorschlag sei er davon ausgegangen, dass die Weidacher Grundschule erhalten bleibt und die Mittelschüler in Waldram. Laut Bürgermeister sollen jedoch beide Einrichtungen in das Großprojekt in der Innenstadt integriert werden.

Aktualisiertes Konzept mit 36 Klassenzimmern

Ergo legte Fraas noch einmal Hand an sein Modell. Unter Zuhilfenahme der Raumberechnung, die die Schulbauverordnung vorschreibe, machte er nach eigenen Angaben aus 28 nun 36 Klassenzimmer. Das von ihm konzipierte Raumvolumen sei „sehr flexibel“, zudem sei sein Entwurf noch nicht „ausgereizt“: Es gebe noch eine potenzielle Erweiterungsfläche von 320 Quadratmetern. Wie bisher sehe sein Plan ein neues Lehrschwimmbecken, eine zusätzliche Dreifachturnhalle und eine „Halbtiefgarage mit Platz für bis zu 40 Pkw“ vor. Fraas hat ausgerechnet, dass sich sein Vorschlag mit rund 35 Millionen Euro in die Tat umsetzen lassen würde.

Ich kenne keine Studie, die besagt, dass Schüler in Neubauten besser lernen als in einem funktionalen Altbau.“

Alfred Fraas, Kulturreferent des Wolfratshauser Stadtrats.

Das Fachbüro „karlundp“ dagegen ist zu dem Schluss gekommen, dass die Sanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg mit 60 Millionen Euro zu Buche schlagen wird. „Die wollen ja auch alles wegreißen und neu bauen“, stellt Fraas fest. Er schlägt stattdessen vor, an den Bestand anzubauen – und wenn das gemacht ist, die alten Gebäude zu sanieren. So brauche es auch keine sehr teure Interimslösung in Form von Containern für die Schüler und Lehrer. „Ich kenne auch keine Studie, die besagt, dass Schüler in Neubauten besser lernen als in einem funktionalen Altbau“, sagt der Kulturreferent.

CSU und Liste Wolfratshausen sind sich einig

Warum hat er ungefragt ein eigenes Konzept entwickelt? Angesichts der Kostenschätzung von 60 Millionen Euro habe ihn das Gefühl beschlichen, „dass wir vielleicht einen Haufen Geld ausgeben, was gar nicht nötig wäre“, antwortet Fraas. Denn er wolle auf jeden Fall verhindern, dass sich die Kommune weit über beide Ohren verschulde, was eventuell sogar zu einer „Zwangsverwaltung“ von Wolfratshausen durch das Landratsamt führen könnte. „Dann wäre kein Geld mehr da für unsere Sportvereine, unsere Musikschule oder den Kinder- und Jugendförderverein“, gibt er zu bedenken. Ganz nebenbei bemerkt: „Ich bekomme keine 700 000 Euro für meine Planung.“

Plößl stößt ins selbe Horn. Er und der Sprecher der Liste WOR, Helmut Forster, seien sich einig. Den Fraas-Vorschlag angesichts des riesigen Kostenunterschieds nicht vertieft zu prüfen, „wäre geradezu fahrlässig.“ Man wolle sich nicht zu einem späteren Zeitpunkt vorwerfen lassen müssen, die Option, ein Schulzentrum zu einem günstigeren Preis zu bekommen, nicht ausgelotet zu haben. (cce)

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