Streitthema Straßenbeleuchtung: Grünen-Rat fordert Stromspar-Programm - Gegner befürchten Unfälle

Rudi Seibt will die Laternen in Wolfratshausen zeitweise abschalten - und tritt eine Kontroverse los. Klimaschützern gehen die Maßnahmen nicht weit genug.
Wolfratshausen – Zum wiederholten Mal mussten die Stadträte auf ihrem Weg zur Sitzung in der Loisachhalle zur Kenntnis nehmen: Die Initiative „Wor for Future“, der örtliche Ableger der bundesweit aktiven Klimabewegung „Fridays for Future“, hält den Einsatz von Bürgermeister und Mandatsträgern für den Klimaschutz für mangelhaft bis ungenügend. Zwar fielen in der Sitzung am Dienstagabend einige Beschlüsse hinsichtlich der Einsparung von Energie, doch Rudi Seibt (Grüne) gingen die Entscheidungen nicht weit genug.
Streitthema Straßenbeleuchtung: Grünen-Rat fordert Stromspar-Programm - Gegner befürchten Unfälle
Vor dem offiziellen Sitzungsbeginn, in der Bürgerfrageviertelstunde, hakte Aktivist Jan Reiners nach: Wann sei mit Ergebnissen der Studie zum Sturzflut-Risikomanagement in der Loisachstadt zu rechnen, an der seit Jahren gearbeitet wird? „Geplant war“, so Vivian Horngacher, Umwelt- und Klimaschutzmanagerin im Rathaus, die Ergebnisse Ende dieses Jahres zu präsentieren. Doch wegen der Corona-Pandemie könne dies erst „im ersten Quartal 2023“ geschehen.
Rückblende: Nach extremen Regengüssen mit zum Teil verheerenden Folgen hatte das bayerische Umweltministerium ein Sonderförderungsprogramm aufgelegt, um Kommunen bei der Erarbeitung von Konzepten zum Sturzflut-Risikomanagement zu unterstützen. Umweltministerin Ulrike Scharf übergab Bürgermeister Klaus Heilinglechner im Februar 2018 einen Scheck in Höhe von 37 500 Euro – Wolfratshausen war eine der ersten Kommunen im Freistaat, die eine solche Förderung erhielt.
Wolfratshausen spart Strom - für manche geht das nicht weit genug
In der Sitzung fällten die Bürgervertreter wie berichtet zahlreiche Entscheidungen, um Energie zu sparen. Hintergrund sind die von der Bundesregierung vorgegebenen Maßnahmen seit Ausrufung der „Alarmstufe des Notfallplans Gas“. So ist die „Eiszeit“ an der alten Floßlände in diesem Winter gestrichen, die Weihnachtsbeleuchtung wird um die Hälfte reduziert – und in den städtischen Sporthallen fließt voraussichtlich bald nur noch kaltes Wasser aus den Hähnen und Duschköpfen.
„Wir begrüßen das Energiesparen“, sagte Rudi Seibt. Sollten die Beschlüsse nachweislich zu einem positiven Ergebnis führen, „sollten wir über eine Fortsetzung diskutieren“, so der Grünen-Stadtrat. Auch dann, wenn die Energiepreise wieder purzeln sollten beziehungsweise die Bundesregierung ihre Vorgaben wieder einkassiert.
„Keine Maßnahmen gegen Putin“: Stadtrat kritisiert Ampel-Koalition wegen Energiepolitik
Dr. Manfred Fleischer (Liste WOR) war gänzlich anderer Ansicht: „Das sind keine Maßnahmen gegen Putin, sondern für die Ampel“, weil die rot-grün-gelbe Bundesregierung nicht in der Lage sei, genügend Energie zu beschaffen. Dass die Stadt unter anderem durch die Absage der „Eiszeit“ die „Lebensfreude der Bürger beeinträchtigt“ sei angesichts der Tatsache, dass China „als Entwicklungsland“ eingestuft sei und somit seinen CO2-Ausstoß gemäß dem Pariser Klimaabkommen bis zum Jahr 2030 noch „verdoppeln“ dürfe, ein Treppenwitz.
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Seibt will dennoch primär vor der eigenen Haustür kehren und nicht im fernen Ostasien. Im Auge hat er wie berichtet die Straßenbeleuchtung in der Flößerstadt. Nach seiner Rechnung verbraucht die im Jahr 370 000 Kilowattstunden Strom. „Das könnten wir drastisch reduzieren“, erklärte der Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik in der Stadtratssitzung. Die Straßenbeleuchtung sei mit einer Dimmer-Funktion ausgerüstet, die sollte genutzt werden. Die Strahlkraft in einem ersten Schritt um 50 Prozent zu reduzieren, wäre kein Problem. Und: Zwischen 1 Uhr und 5 Uhr könne man die Lampen „komplett abschalten“. Seibt: „So könnten wir richtig Energie sparen.“
Grünen-Stadtrat will Strom sparen - Kritik: „Verkehrssicherheit muss garantiert sein“
Am liebsten hatte der Grünen-Vertreter sofort einen Beschlussvorschlag formuliert, doch der Sprecher der Bürgervereinigung, Josef Praller, fiel Seibt in den Arm: „Die Verkehrssicherheit muss garantiert sein, das muss geprüft sein. Ich will, dass das hier seriös abläuft.“ Auch der Rathauschef griff nicht sofort zur Hurra-Tüte. Er mahnte zur Vorsicht, denn Fußgänger, Rad- und Autofahrer dürften durch Dämmerstunden, die die Stadt anordne, auf keinen Fall in Gefahr gebracht werden – Stichwort Verkehrssicherheitspflicht der Kommune.
Klimaschutz in Wolfratshausen: Demo am Freitag geplant
Nach einem recht emotionalen Wortwechsel mit Seibt zog Heilinglechner einen Schlussstrich unter das Thema: „Sie können dazu einen Antrag stellen, dann stimmt der Stadtrat darüber ab.“ Das werde er in der Oktober-Sitzung tun, kündigte Seibt an. Die Initiative „Wor for Future“ will den Druck auf die Entscheidungsträger erhöhen: An diesem Freitag, 23. September, findet um 16 Uhr auf dem Marienplatz in der Altstadt eine Demonstration für mehr Klimaschutz statt.
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