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Fehlalarm: Wegen des Stromausfalls schlug im Geretsrieder Rathaus die Brandmeldeanlage an. Alle Mitarbeiter mussten das Gebäude verlassen.

Techniker müssen mit defekten Kabeln kämpfen

Stromausfall: Plötzlich stehen die Kunden im Dunkeln

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Zwei Stromausfälle brachten am Freitag und Montag das Leben im Landkreis durcheinander. 8400 Haushalte in Wolfratshausen, Geretsried, Icking und Schäftlarn waren davon betroffen.

Bad Tölz-Wolfratshausen Der stundenlange Stromausfall brachte am Montag das Leben in Geretsried und Wolfratshausen durcheinander: Die Mitarbeiter des Dehner Gartencenters in Wolfratshausen fürchteten um das Leben ihrer Zierfische, die Geretsrieder Filiale der Drogerie Rossmann musste zusperren, und bei Rewe in Wolfratshausen standen die Kunden im Dunkeln.

Weil der Strom weg war, stand Bürokraft Beate Bosenick gewaltig unter Strom. Ohrenbetäubend piepste im Dehner Gartencenter in der Pfaffenrieder Straße von allen Seiten die Alarmanlage. Die Bürokraft musste erst einmal herausfinden, warum. Läuft im Geschäft etwas schief? Oder handelt es sich um ein externes Problem? Bosenick sauste im Gebäude hin und her, versuchte die Hotline der Wolfratshauser Stadtwerke anzurufen – doch dort gab es kein Durchkommen.

Einige Minuten lang konnten die Verkäuferinnen die Kundschaft noch abkassieren. Doch dann ging nichts mehr – die Akkus in der Kasse waren leer. Die meisten Kunden hätten Verständnis für die Notsituation gehabt, sagt Bosenick – aber nicht alle: „Sie haben einfach nicht verstanden, dass sie ihre Blumen nicht mitnehmen können – leider.“ Die Bürokraft gibt zu: „Für mich war das ziemlich stressig.“ Was ihre Nervosität verstärkte: Aufgrund des Stromausfalls waren die Pumpen in den Aquarien ausgefallen und damit die Sauerstoff-Zufuhr unterbrochen. „Wenn die Pumpen länger als zwei Stunden ausfallen, gibt es ein Problem“, sagt Bosenick. „Wir hätten dann mit Sauerstoff-Tabletten arbeiten müssen.“ Umso erleichterter war sie, als nach einer halben Stunde das Licht wieder anging. Bosenick schnaufte durch und sagt: „Hoffentlich gibt es in diesem Jahr keinen Stromausfall mehr.“

Während im Gartencenter zwischendurch dicke Luft herrschte, blieben die Kunden in der Geretsrieder Rossmann-Filiale am Karl-Lederer-Platz gelassen. In der Drogerie gibt es einen rigorosen Notfall-Plan: Die Kunden müssen bei Stromausfall sofort die Waren aus der Hand legen und die Filiale verlassen: „Einige haben gelacht“, berichtet eine Mitarbeiterin. Der Grund für diese Maßnahme: Bei Stromausfällen funktioniert weder die elektronische Diebstahl-Sicherung noch die Video-Überwachung. Das Zusperren erwies sich in der Praxis als gar nicht so einfach: Ohne Strom lassen sich die Türen nicht schließen. Daher mussten die Verkäuferinnen den Eingang mit Einkaufwagen verkeilen.

Bei Rewe am Hans-Urmiller-Ring in Wolfratshausen durften die Kunden in der Filiale bleiben – standen allerdings 20 Minuten lang im Dunkeln. An der Kasse ging auch nichts mehr. Dies führte allerdings nicht zu erhöhtem Blutdruck bei den Angestellten. „Die Kunden haben es gut aufgenommen“, berichtet ein Mitarbeiter. Etliche seien allerdings an der Türe umgekehrt, als sie feststellten, dass der Markt dunkel ist.

Komplett anders war die Situation in der Vinzenz-Murr-Filiale in der Margeritenstraße. Hier lief der Verkauf weiter, als sei nichts geschehen. Der Grund: Die Metzgerei verfügt über ein Notstrom-Aggregat, das sich umgehend einschaltete.

Als in fast in ganz Wolfratshausen und Geretsried der Strom wieder floss, war es im Geretsrieder Hallenbad noch dunkel, und die Alarmanlage piepste ohne Unterlass. Zwei quälende Stunden lang. Nicht nur deshalb fieberten die Mitarbeiter dem Ende der Energiekrise entgegen. Am Tag vor der geplanten Wiedereröffnung sollte das Bad eigentlich auf Hochglanz gebracht werden, doch ohne Strom waren alle Hochdruckreiniger nutzlos. „Hoffentlich kommt der Strom bald wieder“, seufzte eine Mitarbeiterin. Gegen Mittag wurde ihre Bitte endlich erhört.

Kabelfehler. Kein Strom in Wolfratshausen, Geretsried, Icking und Schäftlarn

Gleich mit zwei Stromausfällen hatten die Techniker der Bayernwerke zu kämpfen. Auslöser war jeweils ein zweifacher Kabelfehler. Das erste Problem mit den Leitungen gab es am Freitag um 15.52 Uhr. Betroffen waren laut Pressemitteilung der Bayernwerke 2400 Haushalte in den Gemeinden Icking, Straßlach, Schäftlarn, Oberhaching, Berg-Bachhausen und Berg-Mörlbach. Die Techniker seien sofort vor Ort gewesen. Binnen 30 Minuten waren die ersten Haushalte wieder am Netz. Um 17.13 Uhr war dann der Schaden komplett behoben. Fremdverschulden könne man ausschließen, teilte ein Sprecher der Bayernwerke mit. Zum zweiten Mal mussten die Techniker am Montag gegen 9.17 Uhr ausrücken. Vom Stromausfall betroffen waren dieses Mal 6000 Haushalte in Wolfratshausen und Geretsried. Wie zwei Tage zuvor sei ein Kabelfehler die Ursache gewesen. Dieser habe einen so genannten Erdschluss verursacht, der zur Abschaltung des Stromnetzes führte. Von einem Erdschluss spricht man, wenn ein Kabel kaputtgeht und der Strom in den Boden fließt. Drei Techniker hatten einen Großteil des Schadens nach einer halben Stunde behoben. Um 11.37 Uhr waren wieder alle Haushalte am Netz. Fremdverschulden schließt das Bayernwerk erneut aus.

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