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„Das war mehr als Schlamperei“

Studentin (24) schwindelt beim Bafög-Antrag

Geretsried – Falsche Angaben beim Ausfüllen von Bafög-Anträgen hatten für eine heute 24-jährige Geretsriederin unangenehme Spätfolgen: Wegen Betrugs in zwei Fällen musste sich die Studentin vor dem Jugendrichter verantworten.

9276 Euro kassierte die junge Frau in den Jahren 2010 und 2011 zu Unrecht, weil sie die Frage nach ihrem Vermögen mit knapp 3800 im ersten Antrag und rund 3000 Euro beim Folgeantrag angegeben hatte. Tatsächlich hatte sie jedoch zum Zeitpunkt, als sie Ausbildungsförderung beantragte, auf Sparkonten 22 500 beziehungsweise 25 000 Euro angehäuft.

Der Jugendgerichtshelfer fühlte sich an die Steueraffäre um Ex-Tennisstar Steffi Graf und ihren Vater Peter Graf erinnert. „Steffi hatte keine Ahnung, der Vater landete im Gefängnis“, gab Andreas Dlugosch seine Assoziationen preis, die die Angeklagte mit ihren Erklärungen geweckt hatte. Auch sie gab an, keine genaue Kenntnis beim Ausfüllen der Anträge gehabt und sich auf ihre Mutter verlassen zu haben. „Ich war mit 18 Jahren ziemlich unmotiviert mit allem, was mit Verpflichtungen zu tun hatte. Ich war zu faul und habe die Anträge schlampig ausgefüllt“, gab die Beschuldigte zu. Heute sei sie sich bewusst darüber, „dass es so nicht geht“. Damals habe sie nicht gewusst, was sie mit den Antragsformularen anfangen sollte. Genauso wenig habe sie gewusst, „was auf den Konten war, wo mein Name draufstand“. Aber sie habe nicht in böser Absicht gehandelt, beteuerte die junge Frau, die den schwarzen Peter ihrer Mutter zuschob. „Sie hat gesagt: Was in Sparverträgen angelegt ist, muss man nicht angeben, weil man ja nicht drankommt“, antwortete sie auf die Frage des Gerichts, wie sie auf die Idee gekommen sei, dass so hohe Beträge nicht von Bedeutung seien.

Richter Urs Wäckerlin hatte Mühe, der Studentin ihre scheinbare Ahnungslosigkeit abzunehmen. Zumal das Bafög-Amt beim Folgeantrag im Sommer 2011 nochmals nachgefragt hatte. „Dann wurden wissentlich falsche Beträge angegeben. Ich tue mich schwer, diesen Umstand als Schlamperei abzutun“, erklärte Wäckerlin, „das war mehr als das.“

„Keine kriminelle Absicht“

Bei einem Datenabgleich mit dem Bundesamt für Steuern waren die Zinszuwächse beim Guthaben der Schülerin aufgefallen. So kam die Sache ans Licht. Anders als im „Fall Graf“ liege hier jedoch „keine kriminelle Absicht“ zugrunde, sagte Jugendgerichtshelfer Dlugosch. Vielmehr habe man es mit „jugendtypischer Sorglosigkeit“ zu tun. Deshalb halte er als erzieherische Maßnahme „80 bis 100 Stunden Sozialdienste für besser, als sich einfach ein paar Tage in den Knast zu setzen“. Die Sozialstunden empfahl er gezielt in der Betreuung von Demenzkranken einzusetzen. „Das wäre sinnvoll.“

Das Gericht folgte dem Vorschlag und ordnete 80 Stunden an. „Von einem Arrest haben Sie nichts. Ich halte es für besser, wenn Sie der Gemeinschaft etwas zurückgeben“, begründete Richter Wäckerlin seine Entscheidung. Er machte auch deutlich, was er von der Beraterin der Angeklagten hielt: „Es entscheidet sicher nicht die Mutter, was und wie viel eingetragen wird.“ Positiv rechnete er der 24-Jährigen an, dass sie die 9276 Euro inzwischen zurückgezahlt hat und in der Verhandlung einen „offenen, ehrlichen Eindruck“ machte. „Sie wollten hier nicht tricksen“, so Wäckerlin.

Von Rudi Stallein

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