Ein Supermarkt.
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„Eine zentrale Anlaufstelle“: Viele Weidacher hängen am einzigen Nahversorger des Wolfratshauser Ortsteils. Doch dem Netto-Markt droht die Abrissbirne.

Bürgermeister setzt auf Gespräch mit Eigentümer

Supermarkt droht der Abriss: Das sagen die Wolfratshauser

Die Tage des Netto-Markts im Wolfratshauser Stadtteil Weidach scheinen gezählt. Bürgermeister Klaus Heilinglechner setzt auf ein Gespräch mit dem Grundstückseigentümer.

Wolfratshausen – Die Nachricht sorgte im Ortsteil Weidach für viel Gesprächsstoff: Der Netto-Markt an der Äußeren Münchner Straße könnte abgerissen werden. Anstelle des Gebäudes möchte der Grundstückseigentümer 33 Wohnungen errichten. Im Neubau ist kein Platz für einen Nahversorger vorgesehen. Das ging aus dem Antrag auf Vorbescheid des Bauherren hervor. Der Wolfratshauser Bauausschuss fällte noch keine Entscheidung und bat stattdessen den Bürgermeister, ein Gespräch mit dem Investor zu führen, um den einzigen Nahversorger des Ortsteils zu retten.

Die Weidacher knüpfen große Hoffnungen an die ausstehenden Gespräche. „Für ältere Menschen oder Kinder gibt es sonst gar keine Möglichkeit mehr einzukaufen“, sagt Erich Brockard junior. Der 60-Jährige selbst könne – wie einige andere Autobesitzer auch – zwar andere Märkte ansteuern. „Aber auf einen Nahversorger wie den Netto-Markt sind viele Leute einfach angewiesen.“ Er befürchtet, dass der Abriss „eine riesige Einschränkung“ für die Nachbarn bedeuten würde, die nicht mehr so mobil sind.

Wenn das so kommt, ist klar: Einkaufen geht nur noch mit dem Auto. Wer das nicht hat, hat dann ein Problem.“

Martin Lambl (67), Weidacher

Diese Sorgen macht sich auch Martin Lambl. „Unser Ortsteil verliert massiv an Wert, wenn das so durchgezogen wird“, sagt er. Seine Enkel würden es genießen, mal eben zu Fuß ein paar Besorgungen machen zu können. „Das fällt dann völlig weg.“ Der nächstgelegene Markt wäre am südlichen Ende des Ortsteils, gegenüber des Friedhofs. „Für manche Weidacher ist das schon zu Fuß zu erreichen, aber wer im Norden vom Ortsteil wohnt und schon älter ist, hat da keine Chance“, sagt der 67-Jährige. „Wenn das so kommt, ist klar: Einkaufen geht nur noch mit dem Auto. Wer das nicht hat, hat dann ein Problem.“

Eventuell Wohnungen und Nahversorger?

Robert Buxbaum ist häufig in seiner Mittagspause im Netto-Markt, sein Ingenieurbüro liegt nur wenige Meter entfernt. „Für mich persönlich wäre die Schließung nicht so dramatisch“, sagt er, „ich bin schließlich mobil“. Aber: „Es leben viele ältere Menschen in der Umgebung und für den überwiegenden Teil der Weidacher allen Alters ist der Markt eine zentrale Anlaufstelle.“ Buxbaum ist der Meinung, dass es „auch den Menschen ohne Auto möglich sein muss, sich für den Alltag einzudecken“. Der 45-Jährige hat zwar Verständnis dafür, dass die Wohnungsnot mit Neubauten etwas gelindert werden könnte. „Aber vielleicht ist es ja möglich, beides zu verbinden: Nahversorgung und Wohnungen.“

Bürgermeister will zeitnah Gespräch mit potenziellem Bauherrn führen

Diese Hoffnung äußerte auch der Wolfratshauser Bauausschuss, als er den Bürgermeister damit beauftragte, in Gespräche mit dem Grundstückseigentümer zu treten. „Ich rechne mir schon Chancen aus, dass wir in einem guten Miteinander eine Lösung finden können“, erklärt Klaus Heilinglechner. Es seien zwar bestimmt mehrere Gespräche nötig, aber: „Der Investor hat eine gewisse Vorstellung und wir haben einen Wunsch – man kann das vielleicht zusammenführen.“ Rein formaljuristisch hat die Stadt kaum Handlungsspielraum: Für das Gelände gibt es keinen Bebauungsplan. Die Stadt kann nicht vorschreiben, dass an der Äußeren Münchner Straße ein Vollsortimenter erhalten bleiben muss. „Es geht nur über Kommunikation.“ Heilinglechner selbst ist im Ortsteil Weidach groß geworden und lebt dort noch immer. „Ich weiß, dass dieser Markt für viele Menschen einen sehr hohen Stellenwert hat.“ (dst)

Lesen Sie auch: Wider die Wohnungsnot - das ist das neue Projekt der Baugenossenschaft Wolfratshausen.

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