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Surfwelle: Antworten zu Baukosten, Betriebszeit und Müllentsorgung

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Von: Carl-Christian Eick

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Surfer sollen künftig zum Stadtbild gehören: Im Wolfratshauser Ortsteil Weidach ist der Bau einer 800 000 Euro teuren künstlichen Surfwelle geplant. Schon im Herbst/Winter dieses Jahres könnte die Welle errichtet werden. © Dieter Deventer

Im Wolfratshauser Ortsteil Weidach soll eine künstliche Surfwelle gebaut werden. Unsere Zeitung beantwortet die wesentlichen Fragen zum Projekt.

Wolfratshausen – Der Wolfratshauser Stadtrat hat sich mit deutlicher Mehrheit für den Bau einer künstlichen Surfwelle in Weidach ausgesprochen (wir berichteten). Für Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD) ist das nach den kontroversen Debatten in den vergangenen Monaten „ein kleines Wunder“. Rathauschef Klaus Heilinglechner (BVW) führt das Votum auf „harte Arbeit“ aller Beteiligten zurück, und die städtische Tourismusbeauftragte Gisela Gleißl betont: „Jetzt geht die Arbeit erst richtig los.“ Unsere Zeitung beantwortet die wesentlichen Fragen zur Surfwelle.

Was kostet die künstliche Surfwelle?

Unterm Strich der Kostenberechnung vom 20. Februar 2019 stehen 796 513,65 Euro brutto. In diesem Betrag sind laut Bürgermeister Heilinglechner Planungskosten in Höhe von rund 213 000 Euro enthalten. Der teuerste Einzelposten ist mit 225 000 Euro die Stahlwasserbaukonstruktion der Firma „Dreamwave“. Die Gegenfinanzierung sieht aktuell so aus: Maximal 400 000 Euro kommen aus dem Stadtsäckel, 335 000 Euro sind der Kommune aus dem EU-Förderprogramm „Leader“ versprochen, rund 60 000 Euro Spenden hat der Verein „Surfing Wolfratshausen“ gesammelt. Aber: Die Kostenkalkulation muss mit der üblichen 20-Prozent-Tolerenz betrachtet werden, das Bauvorhaben kann entsprechend teurer beziehungsweise preiswerter werden.

Wie kommt die Stadt an die Fördermittel?

Der Lenkungsausschuss der „Leader“-Aktionsgruppe im Landkreis hat das Projekt mit einer Spitzennote bewertet. „Maximal 33 Punkte sind möglich, die Surfwelle erhielt 31“, so der Ausschuss-Vorsitzende Dr. Andreas Wüstefeld auf Nachfrage unserer Zeitung. 335 000 Euro „Leader“-Mittel sind der Kommune zugesagt worden. Vorausgesetzt, dass spätestens am 15. September alle Unterlagen beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Rosenheim eingegangen sind.

Wann wird die Surfwelle gebaut?

Betreiber der Surfwelle ist der Verein „Surfing Wolfratshausen“. Mit dem hat die Kommune einen Vertrag über die Nutzung und Betriebsführung geschlossen. Der Bau ist für Herbst/Winter 2019/2020 vorgesehen. Die Planer rechnen mit einer Bauzeit von zwölf Wochen. Der Verein ist anschließend zum Betrieb der Surfwelle verpflichtet – zunächst von Anfang April bis Ende Oktober, jeweils von Donnerstag bis Sonntag acht Stunden täglich. Bei Hochwasser darf die Welle nicht genutzt werden.

Wer haftet bei einem Unfall?

Der Verein betreibt die Surfwelle in eigener Verantwortung. Zur Vermeidung von Unfällen muss ein „Sicherheitsmanagement“ existieren und dokumentiert werden. Dem Verein liegt ein Versicherungsangebot vor, dessen Details dem Stadtrat in einer nicht öffentlichen Sitzung erläutert worden sind. Unterzeichnen muss der Verein auf jeden Fall eine Betriebshaftpflicht-Versicherung in Höhe von fünf Millionen Euro für Personen-, Sach- und Vermögensschäden. Darauf pocht die Stadt. Der Verein garantiert darüber hinaus, dass die Surfwelle „nur durch entsprechend geschultes Personal bedient wird“. Während des Betriebs ist mindestens „eine Aufsichtsperson mit Wasserrettungsabzeichen Silber“ vor Ort. Zudem müssen Sicherheitsvorkehrungen mit Blick auf den benachbarten Flößerbetrieb getroffen werden.

Wer hält die Welle in Ordnung?

Der Verein hat das von ihm genutzt Gelände in Weidach „in vertragsgemäßem Zustand“ zu erhalten und muss für die laufende Instandhaltung sorgen. Er muss kleinere Reparaturen durchführen lassen und ist für die kontinuierliche Überprüfung der stählernen Wellenkonstruktion verantwortlich. Der Verein muss das Gelände laut Betriebszeitenplan aufräumen und am Saisonschluss die Anlage winterfest machen.

Wer zahlt die Betriebskosten?

Der Verein „Surfing Wolfratshausen“ zahlt laut Vertrag mit der Kommune „alle mit dem Betrieb verbundenen Kosten“. Bis zu einer vom Kraftwerksbetreiber geplanten Eintiefung des Unterwasserkanals in Weidach zahlt die Stadt einen Betriebskostenzuschuss von 5000 Euro jährlich. Wie berichtet will der Kraftwerksbetreiber den Kanal tiefer legen, um mehr Wasser zu bekommen und somit mehr Strom produzieren zu können. Beantragen kann er das 2021, wenn seine bestehende wasserrechtliche Genehmigung ausläuft.

Die Vertiefung des Kanals ist ihm bereits von den Behörden in Aussicht gestellt worden – aus diesem Grund wird die Welle tiefer in dem Nebenarm der Loisach gebaut als ursprünglich geplant. Dies wiederum führte zu einer deutlichen Verteuerung der konzipierten Stahlkonstruktion.

Welche Laufzeit hat der Nutzungsvertrag?

Der Vertrag zwischen der Kommune und dem Verein soll am 1. April 2020 (sofern die Welle zu diesem Zeitpunkt in Betrieb gehen kann) in Kraft treten. Er gilt zunächst 15 Jahre. Sollte keiner der beiden Vertragspartner von seinem Kündigungsrecht Gebrauch machen, verlängert sich der Vertrag automatisch um ein Jahr. Bei „Meinungsverschiedenheiten“, so ist in der Schlussbestimmung zu lesen, „verpflichten sich die Vertragsparteien (...) nach einer einvernehmlichen Lösung zu suchen“.

Wo genau soll die Surfwelle entstehen?

Der Bauplatz ist in einer Herstellungsvereinbarung definiert, die die Stadt mit dem Kraftwerksbetreiber geschlossen hat. Die Welle wird im Unterwasserkanal zwischen der Straßenbrücke (Weidacher Hauptstraße) und der Mündung in die Loisach gebaut. Der größte Teil des Grundstücks gehört dem Freistaat Bayern. Die verstellbare und versenkbare Stahlkonstruktion, die etwa acht Meter breit und zehn Meter lang ist, wird innerhalb eines Betontrogs platziert. Dem Kraftwerksbetreiber sind im Zusammenhang mit der Planung des Projekts laut Stadtverwaltung „nicht unerhebliche Kosten“ entstanden. Sollte die Surfwelle nicht gebaut werden, ist die Kommune verpflichtet, dem Kraftwerksbetreiber 15 000 Euro plus Mehrwertsteuer als Ausgleich zu überweisen.

Laufen die Kraftwerke in Weidach weiter?

Außerhalb der Betriebszeiten der Surfwelle werden die zwei Stromkraftwerke laufen. Für den Ausfall, den der Kraftwerksbetreiber zwischen April und Oktober hinnehmen muss, zahlt der Verein „Surfing Wolfratshausen“ eine Betriebsausfallentschädigung, genau gesagt zehn Euro plus Mehrwertsteuer pro Wellen-Betriebsstunde. Diese Regelung gilt zunächst für drei Jahre. Am Ende jeder Saison ist der Kraftwerksbetreiber verpflichtet, der Stadt die Leistungsdaten der zwei Kraftwerke zur Verfügung zu stellen.

Wer übernimmt die Müllentsorgung?

Die Vorsitzende des Vereins „Surfing Wolfratshausen“, Stefanie Kastner, hat stets betont, dass die Vereinsmitglieder für einen ordentlichen Zustand des Surfergeländes sorgen würden. Zudem zahlt der Verein 150 Euro pro Monat pauschal für die Müllentsorgung an die Stadt. Dazu gesellen sich Stromkosten laut Zähler, der auf dem Gelände installiert wird. Und: Der Verein zahlt monatlich 180 Euro an die Stadt für „Reinigungskosten, Wasser und Abwasser an einem öffentlichen WC direkt bei der Surfwelle“. Die Toilettenanlage muss noch errichtet werden.

Was sagt der Grundstücksbesitzer?

Das Gros des Geländes in Weidach, das für das Projekt benötigt wird, gehört dem Freistaat Bayern. In dessen Vertretung hat das Wasserwirtschaftsamt Weilheim bereits erklärt, das „Gewässergrundstück“ der Flößerstadt für den Bau der Welle zu überlassen. Die Details sollen in einem Gestattungsvertrag geregelt werden – analog des Vertrags über die Nutzung der alten Floßlände. Für die Nutzung des staatlichen Grundstücks in Weidach verlangt der Freistaat 590 Euro Pacht jährlich. Sofern Einnahmen generiert werden (etwa durch den Verkauf von Getränken und Brotzeiten), müssen 12,5 Prozent der Bruttoeinnahmen an die Staatsoberkasse Landshut überwiesen werden.

Was passiert, wenn die Welle teurer wird?

Laut der Kostenkalkulation schlägt die „Dreamwave“, die Traumwelle in Wolfratshausen, mit knapp 800 000 Euro zu Buche. Maximal 400 000 Euro beträgt laut Stadtratsbeschluss der Zuschuss der Kommune. CSU-Fraktionschef Günther Eibl hat erklärt, dass für die Christsozialen „diese Deckelung gilt“. Fritz Schnaller (SPD) mutmaßt jedoch, dass in puncto Projektkosten „noch was kommt“. Er hat angedeutet, dass mit ihm über vertretbare Mehrkosten zu reden sei. Auch Renate Tilke (CSU) signalisierte, die Surfwelle wegen einer „geringfügigen“ Kostensteigerung nicht sterben lassen zu wollen. Grünen-Sprecher Dr. Hans Schmidt ist hinsichtlich der kalkulierten Investitionssumme optimistisch. Nicht zuletzt, weil der Stadtrat vom Verein „Surfing Wolfratshausen“ sämtliche Kostenangebote, die mittlerweile vorliegen, „mit Preisbindung“ verlangt hatte. Entscheidend sei nun das Ergebnis der Ausschreibungen, meint Wolfratshausens Tourismusbeauftragte Gleißl.

Was passiert, wenn der Verein sich auflöst?

Sollte in einer Mitgliederversammlung die Auflösung des Vereins „Surfing Wolfratshausen“ beschlossen werden müssen, fällt das Vereinsvermögen an die Stadt Wolfratshausen. cce

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