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Seit mittlerweile sechs Jahren wird in Wolfratshausen über ein Surfwellen-Projekt diskutiert. Derzeit geht die Kommune von Investitionskosten in Höhe von 800.000 Euro aus.

Thema steht erneut auf der Tagesordnung der Lokalpolitiker

Surfwelle auf der Kippe: Der Wolfratshauser Stadtrat hat entschieden

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Zum wiederholten Mal hat der Wolfratshauser Stadtrat über das Surfwellen-Projekt diskutiert. Mit 19:5-Stimmen votierte das Gremium am Dienstagabend für die Fortsetzung des Vorhabens.

Wolfratshausen An der in Weidach geplanten Surfwelle scheiden sich auch nach mittlerweile sechsjähriger Debatte die Geister. Nachdem Ende Dezember die Finanzierungslücke von rund 64 000 Euro – es fließen weniger EU-Zuschüsse als angenommen – durch eine Spendenaktion geschlossen worden konnte (wir berichteten), votierte die deutliche Mehrheit des Stadtrates (19:5 Stimmen) am Dienstagabend für die Fortführung des Vorhabens. Nein sagten Dr. Manfred Fleischer (CSU), Helmuth Holzheu und Richard Kugler (beide parteifrei für die CSU), Gerlinde Berchtold (SPD) sowie Helmut Forster (Bürgervereinigung Wolfratshausen/BVW). Zuvor hatte Kugler, Mitglied des Aktionsbündnisses, das den Bau der Surfwelle kategorisch ablehnt, Rathauschef Klaus Heilinglechner (BVW) die in den vergangenen drei Wochen gesammelten Unterschriften übergeben. Laut Kugler plädieren mehr als 500 Bürger, davon „477 wahlberechtigte Wolfratshauser“, mit ihrem guten Namen dafür, dass der Stadtrat die Unterstützung des Vorhabens „unverzüglich“ einstellt.

Nach Kommentar in WhatsApp-Gruppe: Scharfe Kritik an Rathauschef

Von den Räten war am Dienstag erneut eine Entscheidung verlangt, weil das Gremium das Ja zur Welle im Februar 2019 mit der Bedingung verknüpft hatte, dass mehr als die inzwischen in Aussicht gestellten knapp 271 000 Euro Fördermittel zur Verfügung stehen. De jure ist diese Auflage nun gestrichen, stattdessen gilt: „Eine schriftliche Förderzusage durch Mittel aus dem europäischen Leader-Programm in Höhe von 270 893,71 Euro wird vorgelegt.“ Und: „Die aktuelle Finanzierungslücke von 63 772,29 Euro wird über Drittmittel gedeckt.“

Die Diskussion über den Dauerbrenner war erneut kontrovers. Bürgermeister Heilinglechner musste sich von Alfred Fraas (CSU) und SPD-Fraktionschef Fritz Meixner harsche Kritik gefallen lassen. Heilinglechner hatte sich nach der Dezember-Entscheidung des Rates, die Finanzierungslücke nicht durch einen Griff in den Stadtsäckel zu stopfen, in einer geschlossenen Whats-App-Gruppe zu dem Kommentar hinreißen lassen: „Ich schäme mich für Teile meines Stadtrates.“ Fraas sprach von einer „Hetzjagd“ in sozialen Medien gegen die Wellenkritiker, an der sich der Rathauschef beteiligt habe. Meixner hielt dem Bürgermeister eine „Doppelmoral“ vor. Auf der einen Seite appelliere Heilinglechner angesichts von Interessengegensätzen an die Fairness der Diskutanten – und parallel konterkariere er seine Worte durch seinen „Ich-schäme-mich-Post“. Das passe für ihn, Meixner, nicht zusammen und habe in der SPD-Fraktion „für Verwunderung gesorgt“.

Zur Sache erklärte BVW-Fraktionssprecher Josef Praller, „dass wir hier heute nicht über den Bau der Welle beschließen, sondern über den Finanzierungsrahmen“. Die Bürgervereinigung sehe die Welle mit Ausnahme Forsters „weiter positiv“. Praller verhehlte aber nicht, dass man zur Reißleine greifen werde, sollten in den kommenden Wochen noch unüberwindbare Hürden auftauchen.

SPD-Rätin rechnet mit Baukostensteigerung

Davon geht Stadtrat Fleischer felsenfest aus. Er hält den Standort in Weidach nach wie vor für ungeeignet und denkt, „dass ein Wendepunkt erreicht ist“. Bislang hätten die Surfwellen-Fans die Schlagzeilen bestimmt, nun aber hätten sich mehr als 500 kritische Bürger per Unterschrift zu Wort gemeldet. Eine „gewisse Euphorie“ weiche zunehmend der Erkenntnis, dass Weidach nicht der richtige Platz für eine Surfwelle sei. Diese „Signale“ aus der Bevölkerung müsse der Stadtrat erkennen.

Fleischer prognostizierte, dass die Kommune „auf die nächste Finanzierungslücke zusteuert“. Derselben Meinung ist Gerlinde Berchtold. Es sei „sehr wahrscheinlich“, dass es zu einer Baukostensteigerung komme – die SPD-Rätin rechnet mit einem Plus von 200 000 Euro. cce

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