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Sind optimistisch, dass es klappen wird: Stefanie und Marcus Kastner, Initiatoren der Surfwelle. 

Interview

Die Surfwelle kommt

Sind bald Wassersportler auf der Loisach? Ein Gespräch mit den Initiatoren der Surfwelle über den Stand der Planung und Vorurteile.

Wolfratshausen – Surfen auf der Loisach. Diese Vorstellung könnte bald Realität werden. Der Stadtrat stimmte bereits Ende vergangenen Jahres einer Unterstützung des Projekts zu, knüpfte diese aber an Bedingungen. So müssen die Initiatoren Marcus und Stefanie Kastner 60 000 Euro an Spenden auftreiben, einen Verein gründen und Haftungsfragen klären. Unser Mitarbeiter Dominik Stallein sprach mit den Waldramern über den Stand der Planungen.

-Herr Kastner, wann waren Sie das letzte Mal surfen?

Marcus Kastner: Gerade erst war ich am Eisbach in München. Am liebsten würde ich das jeden Tag machen, das geht aber leider zeitlich nicht. Stefanie Kastner: (lacht) Erst wenn Wolfratshausen eine Surfwelle hat, wäre das möglich.

-Damit sind wir beim Thema. Wie laufen die Planungen?

Stefanie Kastner:Es gibt im Moment noch einige Punkte, die geklärt werden müssen. Zum einen gilt es, für die Beantragung der EU-Leader-Förderung zur Finanzierung der Baukosten zu sichern. Außerdem muss eine Vereinbarung mit dem Betreiber des Kraftwerks fixiert werden. Auch die Haftung ist noch nicht geklärt.

-Das klingt nach einigen Hürden.

Marcus Kastner: Trotzdem bin ich optimistisch, dass es klappen wird.

Stefanie Kastner:Es ist doch ein recht umfangreiches Projekt geworden, bei dem viele Einzelheiten geklärt werden müssen. Aber wir haben uns jetzt Unterstützung geholt: Wir haben ein Team aus zwölf Helfern gebildet, in dem wir uns die Aufgaben teilen. Marcus Kastner: Für uns zwei alleine wäre es auch nicht möglich, den ganzen Aufwand zu stemmen.

-Alle Helfer sind begeisterte junge Surfer?

Marcus Kastner: Begeistert, ja. In der Gruppe sieht man, was das Tolle an diesem Sport ist: Die jüngste Helferin ist 20 und Studentin, der älteste ist 51 Jahre alt und arbeitet als Manager bei einem großen Münchner Unternehmen. Die Begeisterung für das Surfen zieht sich durch alle Alters- und Gesellschaftsschichten.

-Dieses Team wird den Verein gründen, den Sie brauchen?

Stefanie Kastner: Richtig. Dieses Team definiert und legt die Rahmenbedingungen für den späteren Surfbetrieb fest. Erst wenn der Bau der Welle definitiv feststeht, wird der Verein für jedermann geöffnet. Denn das macht erst Sinn, wenn der Sport auch aktiv ausgeübt werden kann.

-Welches sind denn die nächsten Schritte?

Stefanie Kastner: Am Samstag findet neben dem geplanten Standort der Welle eine Info-Veranstaltung statt. Wir wollen unser Projekt vorstellen und die Möglichkeit bieten, Gedanken und Bedenken zu äußern.

-Welche Bedenken gibt es zum Beispiel?

Stefanie Kastner: Lärm, Müll, fehlende Toiletten, Verkehr...

Marcus Kastner: Das Verkehrsthema sehe ich nicht unbedingt. Ich kenne es vom Eisbach, dass die Leute mit dem Radl, Skateboard, dem Bus oder der U-Bahn zur Welle fahren. Warum sollte das hier nicht klappen?

Stefanie Kastner: Aber es ist ja klar, dass die Anwohner sich damit beschäftigen.

Marcus Kastner: Ja. Aber mich ärgert etwas an den Bedenken.

-Was?

Marcus Kastner: Es gibt teilweise Vorurteile, die nicht gerechtfertigt sind. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, dass manche Leute alle Surfer für Umweltverschmutzer halten, die kein Geld haben und den nächsten Baum statt einer Toilette suchen. Solche Vorverurteilungen habe ich auf Online-Portalen und in manchen Leserbriefen erfahren. Das ärgert mich.

Stefanie Kastner:Surfer wollen den Sport doch nicht im Dreck ausüben. Ganz im Gegenteil: Wir fühlen uns dafür verantwortlich, dass es um die Welle herum sauber und ordentlich ist.

Marcus Kastner: Surfen ist ein Sport in der Natur und mit der Natur. Das wissen wir alle.

-Welche Erfahrungen haben Sie an anderen Surfwellen, zum Beispiel am Eisbach, gemacht?

Marcus Kastner: Da liegt kein Müll herum. Und selbst wenn jemand am Abend vielleicht etwas liegen lässt, wirft es der erste in den Müll, der am nächsten Tag kommt. Noch ein Beispiel: An der Floßlände in Thalkirchen gab es früher nur einen einzigen kleinen Mülleimer. Die Surfer haben sich dafür eingesetzt, dass mehrere größere Müllkörbe aufgestellt wurden.

-Frau Kastner, Sie haben das Toilettenthema angeschnitten. Gibt es da Überlegungen?

Stefanie Kastner: Es gibt schon einige Ideen, wie das Thema gelöst werden kann, aber das ist noch nicht spruchreif.

-Für so ein Projekt braucht man offensichtlich Sitzfleisch. Wie lange setzen Sie sich schon dafür ein?

Marcus Kastner: Seit Mai 2013 arbeiten wir an diesem Projekt, um genau zu sein. In München haben wir oft gesurft. Als wir von München nach Wolfratshausen gezogen sind, habe ich hier nach einer Stelle Ausschau gehalten, wo eine Welle realisierbar wäre. Die Stelle am Kanal war mir noch aus meiner Jugend im Gedächtnis (Marcus Kastner ist gebürtiger Wolfratshauser; Anm. d. Red). Ich habe dann so lange davon geredet, bis Steffi gesagt hat, dass wir jetzt endlich damit zur Stadt gehen.

Stefanie Kastner: Seitdem unterstützt die Stadt das Projekt tatkräftig. Es ist ein wirklich gutes Miteinander geworden.

-Warum haben Sie gerade diesen Loisacharm gewählt?

Stefanie Kastner:Weil dort bereits alles vorhanden ist: ein Gefälle, ausreichend Wasser und der Kanal. Außerdem gibt es eine Brücke, von der aus die Menschen zuschauen können. Und man ist zu Fuß gleich in der Altstadt. Die Stelle ist einfach optimal. Andere Städte würden sich danach die Finger lecken.

Info-Veranstaltung

Am kommenden Samstag, 6. Mai, findet neben dem Standort der geplanten Surfwelle in Weidach an der Schlederleiten eine Informationsveranstaltung statt. Von 10 bis 13 Uhr stellen sich die Initiatoren den Fragen von Anwohnern und Interessierten. Auch Bürgermeister Klaus Heilinglechner und Sportreferent Maximilian Schwarz werden anwesend sein. Bei extrem schlechten Wetter wird die Veranstaltung auf Samstag, 13. Mai, verschoben.

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