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Volles Haus: Zahlreiche Bürger verfolgten die Stadtratssitzung am Dienstagabend auf der Besuchertribüne.

Maximal 400.000 Euro aus dem Stadtsäckel

Surfwelle: Wolfratshauser Stadtrat macht den Deckel drauf

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Der Wolfratshauser Stadtrat steht mit breiter Mehrheit hinter der geplanten Surfwelle. Doch das Gremium deckelt die Kostenbeteiligung - und knüpft den städtischen Zuschuss an Bedingungen.

Wolfratshausen Sechs Jahre sind seit der Initialzündung ins Land gezogen, am Dienstagabend hat der Stadtrat eine wegweisende Entscheidung zu der in Weidach geplanten künstlichen Surfwelle getroffen: Das Projekt wird weiterverfolgt – allerdings unter großem Vorbehalt. Die Kommune legt maximal 400 000 Euro für die Welle auf den Tisch, darin inkludiert sind 110 000 Euro, die laut Bürgermeister Klaus Heilinglechner bereits für Planungen und juristische Beratungen ausgegeben worden sind. Zudem ist der Zuschuss an acht Bedingungen geknüpft, die zum Teil nicht öffentlich bleiben. Einige der Voraussetzungen: Sämtliche Kostenangebote müssen mit Preisbindung versehen sein, zudem pocht der Rat auf langjährige Gewährleistungsansprüche. Alle vor dem Bau notwendigen Verträge müssen dem Gremium „endverhandelt“ vorgelegt werden.

Vor allem, um die Fördermittel aus dem Leaderprogramm der EU nicht zu verlieren – summa summarum sind es 282 000 Euro – sagten Rathauschef und 16 Räte Ja zur Welle. Dr. Manfred Fleischer (CSU), Richard Kugler (parteifrei für die CSU) und Gerlinde Berchtold (SPD) votierten dafür, einen Schlussstrich unter das Kapitel Surfwelle zu ziehen. Das Projekt sei inzwischen „doppelt so teuer wie im Mai“, monierte Berchtold. Für sie bedeute die extrem hohe Investition eine Ungleichbehandlung gegenüber anderen Vereinen. Berchtold wies auf die Hallennutzungsgebühren hin, die die Kommune erhebt.

Annette Heinloth (Grüne) warnte dagegen, mit zweierlei Maß zu messen. Eine 250 000 Euro teure Tribüne fürs Isar-Loisach-Stadion sowie weitere hohe Investitionen in die Sportstätte in Farchet hätten im Stadtrat keine Diskussionen ausgelöst. Zudem sei die Stadt bereit, „mehr als zwei Millionen Euro für ein neues Lehrschwimmbad“ auszugeben. Heinloths Fazit: Es sei falsch, zu behaupten, „dass für andere Sportarten kein Geld ausgegeben wird“. Der Beschlussvorschlag, der in den vergangenen zwei Wochen überfraktionell erarbeitet worden ist, „enthält viele Bedingungen“, räumte Heinloth ein. „Doch es ist ein Ja, das einen Weg aufzeigt.“

Für Fleischer war es an der Zeit, „Klarheit zu schaffen“. Das Einzige, was für den Wellen-Standort Weidach spreche, sei die Tatsache, dass dort die Loisach fließt. „Sonst ist dort alles sehr, sehr kompliziert“, meinte der CSU-Stadtrat. Aus seiner Sicht dürfe kein Stadtrat dem vorliegenden (nicht öffentlichen) Vertrag mit dem Kraftwerksbetreiber zustimmen, da allein dieser Nutznießer des Vertrags sei. Für Fleischer kommt in Weidach „weder eine Gummibärchenschleuderfabrik noch eine Surfwelle in Frage“. Die Abstimmung sei scheinheilig, denn: „Wir wissen doch alle, dass 400 000 Euro nicht reichen werden.“ Fritz Schnaller (SPD) wollte an der Stelle nicht widersprechen: „Ohne ein Wunder wird der Beschluss nicht umsetzbar sei“, prognostizierte er.

SPD-Fraktionschef Fritz Meixner bekannte sich erneut zu dem Projekt. Doch er machte Bürgermeister Heilinglechner schwere Vorwürfe. Der Auftrag, den ihm der Stadtrat im Dezember erteilt habe, bis zur Sitzung am Dienstag belastbare Unterlagen zur Surfwelle erstellen zu lassen, sei nicht erfüllt worden. Meixner sprach von einem „mangelhaften Projektmanagement“. So sei das städtische Bauamt zwischen dem 28. Dezember und dem 1. Februar nicht ins Verfahren eingebunden gewesen. Das Ergebnis: Die Unterlagen seien „fehlerhaft, lückenhaft, in sich nicht stimmig – das geht gar nicht, das geht gar nicht“, stellte der SPD-Fraktionschef kopfschüttelnd fest. Die „schlampige Vorbereitung“ könne als „Missachtung des Ratswillens“ interpretiert werden. Meixner: „Ich vestehe den Bürgermeister nicht. Wenn man ein Projekt will, dann muss man doch etwas dafür tun.“

CSU-Fraktionschef Günther Eibl pflichtete seinem Amtskollegen Meixner bei: Hätte der Stadtrat auf der Basis der Verwaltungsvorlagen abstimmen müssen, hätte das Gremium Nein zur Surfwelle sagen müssen. Stattdessen hätten Vertreter aller Fraktionen viele Arbeitsstunden investiert, um zu einer Kompromisslösung zu kommen. Eibl: „Wir wollen dieses Ding auf den Weg bringen.“

Auch Heilinglechners Fraktionskollegin Dr. Ulrike Krischke (Bürgervereinigung) hatte „Lücken“, „Ungereimtheiten“ und „Fehler“ in den im Rathaus zusammengestellten Unterlagen entdeckt. „Aber die Klärung ist möglich“, betonte Krischke.

Für die bemängelten Unterlagen „übernehme ich die Verantwortung“, sagte Heilinglechner. Sein Appell an den Stadtrat vor der Abstimmung: „Unterstützen sie den Beschlussvorschlag.“ cce

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