Sicherheitswacht und Polizist mit Kindern auf dem Christkindlmarkt
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Frohe Weihnachten: Auf dem Christkindlmarkt 2017 stellte sich die Wolfratshauser Sicherheitswacht erstmalig der Bevölkerung vor.

Leser beschwerte sich über Vermüllung der Stadt

„Sympathisch und erfolgreich“: Polizeichef reagiert auf Leserbrief - und stellt sich vor Sicherheitswacht

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Über die zunehmende Vermüllung der Stadt ärgerte sich ein Wolfratshauser in einem Leserbrief. Dabei hakte er auch über den Verbleib der Sicherheitswacht nach. Polizeichef Andreas Czerweny hat darauf nun reagiert.

Wolfratshausen – Heinz Eberstein nimmt Anstoß an der in seinen Augen zunehmenden Vermüllung der Stadt. „Wo ist die Sicherheitswacht?“, hakte der Wolfratshauser in einem Leserbrief an unsere Zeitung nach. Diese Frage „freut mich persönlich sehr“, sagt Erster Hauptkommissar Andreas Czerweny. Sie zeige, „dass unsere Bürger die derzeit drei Kollegen der Sicherheitswacht in Wolfratshausen nach anfänglichem Misstrauen heute bereits vermissen, wenn sie nicht täglich auf Streife unterwegs sind“, so der Leiter der örtlichen Polizeiinspektion.

Vermüllung der Stadt - Wolfratshauser hakt nach Verbleib der Sicherheitswacht nach

Im Dezember 2017, nach einem entsprechenden Votum des Stadtrats, nahm die ehrenamtliche Sicherheitswacht (Siwa) ihre Arbeit in der Flößerstadt auf. Nicht jeder Stadtrat, aber auch nicht jeder B��rger begrüßte das. Inzwischen sind die uniformierten Streifengänger allgemein akzeptiert und geschätzt. „Rückmeldungen, welche wir in Bezug auf unsere Siwa regelmäßig erhalten, sind ausnahmslos anerkennend und lobend“, stellt Czerweny fest.

Laut dem internen Jahresbericht 2019, der unserer Zeitung vorliegt, war die Siwa von Januar bis Ende Dezember knapp 542 Stunden auf den Beinen. Waren es zum Jahresbeginn vier freiwillige Unterstützungskräfte, schied Ende Februar sowie Ende September jeweils ein Ehrenamtlicher aus der Siwa aus. Mittlerweile patrouilliert wieder ein Trio.

Mit Blick auf die Verkehrssicherheit war die Siwa vor allem „im gefahrenabwehrenden Bereich bei Fahrradfahrern aktiv“, ist im Jahresbericht zu lesen. Das heißt konkret: Sie ermahnte 142 Radler, die gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen hatten beziehungsweise deren Drahtesel erhebliche Mängel aufwiesen. Darüber hinaus warf die Siwa ein waches Auge auf Hundebesitzer, ob diese den Leinenzwang auf öffentlichen Grünflächen beachten und die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner entsorgen. „In einigen Fällen wurden Hundehalter auch für ihr vorbildliches Verhalten gelobt.“

Stichwort Müll: An der alten Floßlände sowie auf der angrenzenden Sportfläche redete die Siwa feiernden Jugendlichen ins (Umwelt-) Gewissen. Häufig mit Erfolg: Leere Flaschen und Zigarettenpäckchen blieben in diesen Fällen nicht zurück. Sie überwachte zudem das strikte Alkoholverbot, das der Stadtrat für den Bereich der alten Floßlände verfügt hat.

„Kontrollschwerpunkt“ für Sicherheitswacht war die Pupplinger Au

Ein „Kontrollschwerpunkt“ war 2019 die Pupplinger Au südlich der Marienbrücke und der Kiesbänke westlich der Isar. Diesen gemeinhin als „Schnacksl-Treff“ verrufenen Ort bestreiften die Ehrenamtlichen mehrfach – gemeinsam mit Beamten der Polizeiinspektion Wolfratshausen und Isarrangern. Das Ergebnis: Freunde der Freikörperkultur sowie Fans des Geschlechtsakts unter freiem Himmel fühlen sich unter behördlicher Beobachtung zunehmend unwohl.

Bei den Kontrollgängen ertappt wurden mit Hilfe der Siwa auch zwei junge Männer, die in der Pupplinger Au ihr Zelt aufgeschlagen und ein Lagerfeuer entfacht hatten. Beides steht nicht im Einklang mit den Naturschutzgesetzen. Die Siwa reagierte zudem auf Beschwerden von Gewerbetreibenden und Anwohnern im Umfeld des S-Bahnhofs. Der Bereich wird „vermehrt bestreift“, diese Tatsache „wirkt sich sicherlich positiv auf eine Verringerung von Straftaten aller Art dort aus“.

Laut Jahresbericht steht die Siwa in regelmäßigem Austausch mit dem Wolfratshauser Rathauschef sowie Mitarbeitern der Stadtverwaltung. Bei vielen Veranstaltungen der Kommune – etwa dem Christkindlmarkt, dem Wirtefest und der „Eiszeit“ an der alten Floßlände – zeigte sie Präsenz. Fazit: „Das Zusammenwirken mit der Polizeiinspektion und der Stadt Wolfratshausen kann als vorbildlich bezeichnet werden.“

Siwa kann nicht überall gleichzeitig sein - Czerweny bittet um Verständnis

Zum Jahresbericht äußert sich Erster Hauptkommissar Czerweny nicht. „Das ist ein interner Bericht“, der unter anderem dem Polizeipräsidium in Rosenheim sowie der Wolfratshauser Rathausspitze übermittelt worden sei. Dass er mit dem Engagement der Siwa und dem Zusammenspiel zwischen den Ehrenamtlichen und der örtlichen Polizeidienststelle äußerst zufrieden ist, verhehlt der Beamte indes nicht.

Die Siwa kann nicht immer überall gleichzeitig sein – dafür bittet Czerweny um Verständnis. Auch er stelle sich in diesem Kontext immer wieder die Frage: „Wo und wie finden wir weitere engagierte Bürgerinnen und Bürger, die gerne in diesem sympathischen und erfolgreichen Siwa-Team mitarbeiten würden?“ Wer Interesse hat, könne sich jederzeit unter der Telefonnummer 0 81 71/4 21 10 melden. Czerweny: „Die Bewerbungsunterlagen sind bei uns in der Dienststelle am Hans-Urmiller-Ring erhältlich.“

cce

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