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Zwiegespräch: Dietmar Schach (re.) berät sich mit seinem Anwalt Martin Hintermayer. Dem Unternehmer wird vorgeworfen, Behörden und Sieber-Mitarbeiter über die Listerienproblematik getäuscht zu haben.

Insolvente Großmetzgerei: Prozess gegen Dietmar Schach 

Täuschte Sieber-Boss die Behörden ?

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Die Staatsanwaltschaft erhebt massive Vorwürfe gegen Ex-Sieber-Inhaber Dietmar Schach: Er soll Mitarbeiter und Behörden jahrelang über das Listerien-Problem getäuscht haben. 

Wolfratshausen/Geretsried – Als Lebensmittelkontrolleurin Sonja Böhm am 16. März 2016 den Rewe-Markt in Neunkirchen bei Nürnberg betrat, wollte sie lediglich routinemäßig eine Probe von einem Stück Schweinefleisch nehmen. Im Eingangsbereich fiel ihr Blick auf ein vakuumiertes Stück „Bayerisches Wacholder Wammerl“ der Geretsrieder Firma Sieber. Nach außen sah es ganz normal aus. Doch der Befund war verheerend: Statt der erlaubten 100 fanden die Chemiker sage und schreibe 190 000 kolonienbildende Einheiten Listerien pro Gramm. Ein Rückruf der Charge war unausweichlich, die verbliebenen 13 Kilo Wammerl wurden vernichtet. Die Kontrolle von Neunkirchen war der Anfang vom Ende der Großmetzgerei Sieber. Wenige Wochen später machten die Behörden das Unternehmen, das wöchentlich bis zu 100 Tonnen Fleisch produzierte, dicht. Die Pleite war die logische Folge.

Dietmar Schach vor Gericht: Unser News-Blog zum Nachlesen

Am Montag fasste die Staatsanwaltschaft zusammen, worin sie die Schuld von Ex-Eigentümer Dietmar Schach (52) sieht. Nach ihren Ermittlungen war dem mittlerweile arbeitslosen Stockdorfer längst bekannt, dass es in seinem Betrieb Probleme mit dem Keim gibt, der Menschen mit schwachem Immunsystem gefährlich werden kann. Der Staatsanwalt zählte aus dem Zeitraum 2013 (scharfe Debreziner) bis 2015 (vegetarischer Hüttenaufschnitt) zwölf Fälle mit Listerienbefall auf, teils mit massiven Überschreitungen des Grenzwerts. Dass die Waren nicht ausgeliefert wurden, spielt keine Rolle. Schach hätte das Problem laut der so genannten Zoonose-Verordnung den Behörden melden müssen, tat es aber nicht.

„Die Dinge sind völlig aus dem Zusammenhang gerissen“

Außerdem hat Schach offenbar seine Mitarbeiter darüber im Unklaren gelassen, dass es ein Problem mit dem in der Branche berüchtigten Bakterium gibt. Zwar hatte der Unternehmer, der inzwischen nach eigenen Angabe mit etwa drei Millionen Euro verschuldet ist, einen Qualitätsmanager. Doch diesen habe er, so die Anklage, bei Laborgutachten systematisch umgangen. Stattdessen habe Schach sich die Briefe vom Prokuristen direkt vorlegen lassen – und den Inhalt für sich behalten.

Schach, von zwei Münchner Anwälten beraten, hatte durch seinen Einspruch gegen den Strafbefehl über 2250 Euro diesen Prozess erst möglich gemacht. Er wies die Vorwürfe – wie nicht anders zu erwarten – zurück. „Die Dinge sind völlig aus dem Zusammenhang gerissen“, sagte er. Richtig sei, dass die Zahlen vorliegen, weil er – nach dem Debrezinerbefund 2013 – ein systematisches Controlling eingeführt habe, intern und extern. „Hier werden Vermutungen zur Wahrheit umgewandelt“, so der 52-Jährige. Mehr oder weniger unumwunden räumte er ein, von der Meldepflicht nichts gewusst zu haben: „Ich hatte andere Sachen zu tun, als mich mit irgendwelchen Paragrafen zu beschäftigen.“ Er sei der Meinung gewesen, dass die Labore eventuelle Grenzwertüberschreitungen hätten melden müssen.

Die Vernehmung des Qualitätsmanagers brachte wenig Konkretes. Auf die Frage, warum er von den kontaminierten Debrezinern nichts wusste, gab er zu Protokoll: „Ich kann es mir nicht erklären.“ Auch Nachfragen von weiteren Mitarbeitern verliefen zäh, viele beriefen sich auf Erinnerungslücken. Der Prozess wird am kommenden Mittwoch fortgesetzt.

Amtsmitarbeiter ausgeschlossen

Der Sitzungssaal 1 des Wolfratshauser Amtsgerichts mit 35 Plätzen war am Montag voll besetzt. Was nur für Eingeweihte erkennbar war: Unter den Zuhörern waren auch einige Mitarbeiter des Landratsamts und des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) anzutreffen. Die Anwälte von Dietmar Schach – Martin Hintermayer und Andreas Meisterernst – stellten daher den Antrag, diese von der Verhandlung auszuschließen, weil sie möglicherweise noch als Zeugen für das Verfahren infrage kommen. „Es könnten ja theoretisch Verabredungen getroffen werden, und das wollen wir ausschließen“, erklärte Hintermayer. Richter Helmut Berger kam dem Antrag nach, wenn auch mit einem gewissen Zögern. „Es gäbe auch andere Wege, Leute hier einzuschleusen“, sagte er. Dr. Michael Foerst, Jurist im Landratsamt, kam dem Aufruf unwillig nach. „Rein taktische Maßnahme“, sagt er im Hinausgehen zu den Anwälten. Das wiederum wollte Richter Berger nicht so stehen lassen: „Ich bitte dringend darum, meine Anordnung nicht zu kommentieren, sondern hinzunehmen.“

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