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Skurrile Anekdoten und Wissenswertes zur Geschichte des Nantweiner Friedhofs gab Paul Brauner (vorne re.) zum Besten. Das Interesse war riesig: 120 Bürger nahmen an der Führung teil. 

Tag des Offenen Denkmals 

Kleine Geschichtsstunde am Nantweiner Friedhof

Wolfratshausen - Der Andrang war gewaltig: 120 Besucher ließen sich am Tag des offenen Denkmals vom Historischen Vereins in die Geheimnisse des Nantweiner Friedhofs einführen. 

Die Geschichte des Heiligen Nantovinus, der am 7. August 1286 auf dem Scheiterhaufen in dem später nach ihm benannten Stadtteil zu Unrecht verbrannt wurde, kannte nahezu jeder und wurde deshalb nur kurz angeschnitten. Weil ein Knecht ein noch glühendes Gebein des Hingerichteten aufhob und damit einem überraschend erblindeten Schimmel das Augenlicht wiedergegeben haben soll, galt das einst zu Weidach gehörende Nantwein bald als gut besuchter Wallfahrtsort für blinde Menschen. „Leider sind die Votivtafeln, die diese vermeintlichen Wunderheilungen zeigen, im Zuge der Säkularisation gestohlen worden“, bedauerte Bernhard Reisner vom Historischen Verein.

Der Ortsteil Nantwein hat sich sehr verändert

Reisner selbst wohnt nur einen Steinwurf vom Friedhof entfernt. „Seit ich vor 20 Jahren hierher gezogen bin, habe ich mich intensiv mit der Geschichte des Ortsteils beschäftigt“, sagte der Hobbyhistoriker. Dass sich die Sozialstruktur dort in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert hat und mittlerweile moderne Einfamilien- und Reihenhäuser das Viertel prägen, störe ihn nicht. Früher seien die Besenbinderhütten an der Isarstraße eine verrufene Gegend gewesen. Nicht nur Kinder, die sich dorthin verirrten, riskierten eine saftige Abreibung.

Lange wurden die Toten um die Kirche St. Andreas begraben

Nach Reisners Ausführungen erklärte der Journalist Wolfgang Schäl von Gamm die Ausstattung der zwischen 1610 und 1624 erbauten Barockkirche. Fast andächtig betrachteten die auf den Kirchbänken sitzenden Besucher danach die Kunstwerke des Baumeisters Georg Hamerl und des Bildhauer Philip Rämpl. Der ehemalige CSU-Stadtrat Paul Brauner verwies anschließend darauf, dass der umliegende Friedhof „erst“ 1806 eingeweiht wurde. „Davor wurden die Toten noch auf einem Gräberfeld um die Kirche St. Andreas bestattet“, erklärte er. Während es früher aufgrund des damals noch strengeren christlichen Glaubens wesentlich mehr Erd- als Feuerbestattungen gegeben hat, zeichne sich mittlerweile ein Wandel ab. „In diesem Friedhof wurden heuer bisher 88 Beerdigungen durchgeführt, davon 55 Urnenbestattungen“, rechnete Brauner vor. Die Zahlen erscheinen auch aus finanziellen Gründen nachvollziehbar, kostet doch eine Verbrennung mit anschließender Bestattung mit 3000 bis 3500 Euro fast 2000 Euro weniger als eine Erdbestattung. „Und da ist der Grabstein noch gar nicht mitgerechnet“, ergänzte der Referent.

Auch am Grab von Albert Schwankl wird Station gemacht

Abschließend führten Paul Brauner und Bernhard Reisner die Teilnehmer zu Gräbern berühmter und in Vergessenheit geratener Wolfratshauser, etwa Oberinspektor Franz Geiger, der der Stadt das Grundstück der Arbeiterwohlfahrt am Paradiesweg vermacht hat. Oder von Albert Schwankl, der vor 150 Jahren das Wolfratshauser Wochenblatt/Loisach-Isarboten gedruckt hat, den Vorgänger der Heimatzeitung. Am vor wenigen Jahren eingerichteten Sternenkindergrab – dort können Tot- und Fehlgeburten bestattet werden – endete eine Führung, die selbst alteingesessenen Wolfratshausern neue Erkenntnisse vermittelte. Peter Herrmann

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