Wolfratshausen

Tausche Teigschaber gegen Paddel

Wolfratshausen - Der gelernte Bäcker Hans Reiser fand über den Kajaksport einen neuen Beruf – Familien- und Sportgeschichten

„Was nicht aufgeschrieben ist, wird vergessen, als wäre es nie geschehen.“ Um dieses Zitat des englischen Schriftstellers Oscar Wilde rankt sich das Buch, das der frühere Wolfratshauser Geschäftsmann und Stadtrat Hans Reiser jetzt geschrieben hat. In „Glück und Unglück san nah beinand“ erzählt der heute 77-Jährige die Geschichte seiner Familie, die seit rund 150 Jahren mitten in der Marktstraße der Loisachstadt ansässig ist. Und die Geschichte der Reisers – mit all ihren Höhen und Tiefen – ist auch untrennbar mit dem Sportgeschehen in Wolfratshausen und im Oberland verbunden.

Hans Reiser - ehemaliger Geschäftsmann und Stadtrat.

An sportliche Aktivitäten war natürlich 1853 noch nicht zu denken, als der junge Weilheimer Bäckermeister Johann Nepomuk Reiser und seine Frau Agatha die Bäckerei und später das Nachbarhaus im Untermarkt erwarben. Eines dieser Gebäude kaufte 1925 übrigens die Gemeinde, riss es ab und baute an dieser Stelle die Zufahrt zu der neu errichteten Andreas-Brücke – das im Volksmund bekannte „Reiser-Eck“ war entstanden. Aber womöglich wäre die Familiengeschichte der Reisers auch anders verlaufen, hätte der Vater des Autors die Strapazen des Ersten Weltkriegs nicht überlebt oder seinen Plan umgesetzt, nach Peru auszuwandern. „Man klaute ihm seine ganze Barschaft, und er musste auf Pump nach Wolfratshausen zurück“, schreibt Hans Reiser. Er schildert auch seine Kindheitserinnerungen ans Dritte Reich und die Bedrohung der Familie durch den von den Nazis eingesetzten Bürgermeister sowie den Absturz eines amerikanischen Flugzeugs 1960 in München, den er hautnah miterlebte.

Sportbegeistert war Reiser, der 1963 nach der Meisterprüfung die Bäckerei seines Vaters übernahm, schon immer. Nebenbei eröffnete er 1975 ein Kajak-Spezialgeschäft in seiner Garage. „Wir haben im Auslauf des Mühlenkanals in Weidach mit einer Gruppe von zehn bis 15 Leuten im Wildwasser trainiert“, berichtet der aktive Fußballer, Leichtathlet und Tischtennisspieler. Schon ein Jahr später gab er die Bäckerei auf und baute ein Sportgeschäft auf, das 2002 sein Sohn Thomas übernahm. Später erfolgte der Umzug in die heutige Niederlassung im Gewerbegebiet an der Loisach.

Im Laufe der Jahre hat Reiser, der in den 1970er Jahren als freier Mitarbeiter für den Isar-Loisachboten schrieb und vor zehn Jahren schon einmal ein Sportbuch veröffentlichte, viel erlebt. Er war mit der Familie und Sportkameraden in der ganzen Welt unterwegs, traf Stars wie Rosi Mittermaier, Martina Ertl und Bob Brett. In späteren Jahren verlegte sich der heute 77-Jährige, der mit einigen Vorarbeiten rund ein Vierteljahr für das in 250 Exemplaren aufgelegte Buch benötigte, auf gemäßigtere Sportarten wie Tennis- oder Golfspielen. Zwei Erlebnisse haben Reiser aber besonders mitgenommen – seine eigene, überwundene Krebserkrankung im Alter von 51 Jahren sowie der Tod seines Neffen Andreas Langer, der als Triathlet bei einem Wettbewerb verunglückte. Ihm ist das Buch gewidmet. tw

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