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Tempolimit: Auf Grundlage des Lärmaktionsplans, den der Stadtrat beschlossen hat, gilt auf zahlreichen Straßen Wolfratshausens inzwischen Tempo 30.

Grüne wollen Raser ausbremsen

Temposünder: Wolfratshauser Grüne pochen auf mehr Kontrollen

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Den Grünen gehen die Maßnahmen gegen Raser in Wolfratshausen nicht weit genug. Sie fordern mehr Kontrollen und eine konsequente Ahndung von Verstößen.

Wolfratshausen – Die Grünen haben den Temposündern in der Flößerstadt wie berichtet den Kampf angesagt. Aus diesem Grund beantragte die Stadtratsfraktion der Grünen im Mai dieses Jahres einen Bericht der Stadtverwaltung über die Geschwindigkeitsmessungen und deren Ergebnisse in den vergangenen zwölf Monaten. Die Antworten bekamen sie jetzt auf dem elektronischen Postweg.

Laut Stadtverwaltung wurden im vergangenen Jahr 95 und heuer bislang 34 Geschwindigkeitsmessungen an unterschiedlichsten Stellen im Stadtgebiet durchgeführt. Von den 2019 kontrollierten 55 403 Fahrzeugen verstießen 3620 (6,5 Prozent) gegen die Geschwindigkeitsregeln. In diesem Jahr wurden bisher 23 687 Fahrzeuge ins Visier genommen, geblitzt hat es nach Recherchen der Verwaltung bei 2217 (9,4 Prozent) Autos, Lkw und Motorrädern, die zu schnell an der Messstelle vorbeirauschten.

Verwaltung: Mehrheit hält sich an Tempo-Regeln

„Grundsätzlich hält sich die Mehrheit der Kfz-Fahrer an die vorgeschriebenen Geschwindigkeiten inklusive Toleranzgrenze“, ist im Antwortschreiben der Stadtverwaltung an die Grünen-Fraktion zu lesen. Lediglich auf der Schießstättstraße sowie am Untermarkt komme es seit Einführung der Tempo-30-Regel – aus Lärmschutzgründen – zu Geschwindigkeitsübertretungen. Diese Daten, so die Verwaltung, stammen aus den SD-Karten der elektronischen Zeigefinger und seien an das kommunale Ordnungsamt sowie die Polizei übermittelt worden – „zur weiteren Veranlassung“. Am Untermarkt überschreiten im Durchschnitt zirka 62 Prozent und auf der Schießstättstraße etwa 44 Prozent der Kfz-Nutzer das Tempolimit – soweit die Auswertung der mobilen beziehungsweise dort fest installierten Messgeräte.

Gut 165.000 Euro Verwarngelder

Von Januar 2019 bis April 2020 wurden exakt 4781 Überschreitungen im fließenden Verkehr geahndet. Die überwiegende Anzahl der Temposünder (3365/70,4 Prozent) war bis zu 10 km/h zu flott, 1320 bis 20 km/h zu schnell. Gut 16 000 Euro Bußgeld zählte man im Rathaus – von einem Bußgeld spricht man ab einer Höhe von mehr als 55 Euro, die ab einer Geschwindigkeitsübertretung von 20 km/h fällig werden. Seit Ende April reicht eine Überschreitung von mehr als 16 km/h. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum – Januar 2019 bis April 2020 – kamen mehr als 165 000 Euro Verwarngelder zusammen.

Zur Frage der Grünen-Fraktion „Wie kann an Stellen mit gehäuften höheren Geschwindigkeitsübertretungen eine bessere Kontrolle installiert werden, um die Einhaltung der vorgeschriebenen Tempolimits zu erreichen?“, stellt die Stadtverwaltung fest: Grundsätzlich seien solche Straßenabschnitte bereits häufiger kontrolliert worden. Zudem bestehe seit Mai für kommunale Verkehrsüberwachungen die Möglichkeit „stationäre Geschwindigkeitsmessanlagen in Einsatz zu bringen“. Dies nicht zuletzt, wenn das Tempolimit zum Schutz der Anwohner vor Lärm und Abgasen angeordnet worden ist.

Straßenlärm in Wolfratshausen wird „berechnet“

Stichwort Straßenlärm: Der wird laut Verwaltung nicht explizit gemessen, sondern anhand der vorherrschenden Verkehrsmenge „von einer Fachfirma unter Beachtung der jeweiligen Lärmrichtwerte für das jeweilige Wohn- Mischgebiet unter Beachtung der Abstände der jeweiligen Grundstücke zur Straße berechnet“.

Zuletzt geschah dies im Auftrag der Stadt entlang zahlreicher Hauptverkehrsadern. Das Ergebnis: Auf Grundlage des Lärmaktionsplans wurden beispielsweise an der Schießstättstraße Tempo-30-Schilder errichtet (wir berichteten). In diesem Kontext lässt die Verwaltung nicht unerwähnt, dass im Vorfeld „lange Verhandlungen“ mit der Regierung von Oberbayern, dem Landratsamt in Bad Tölz und dem Staatlichen Bauamt notwendig waren.

Der Umweltreferent des Stadtrats, Dr. Hans Schmidt (Grüne), ist mit dem Antwortkatalog nicht vollumfänglich zufrieden. Die Tempoüberschreitungen machen in seinen Augen einen „erheblichen Bedarf an zusätzlicher Überwachung nötig“ – einhergehend mit konsequenter Sanktionierung der Verstöße. Laut Schmidt sieht die aktualisierte Straßenverkehrsordnung vor, „dass Lärm auch subjektiv festgestellt werden kann und nicht gemessen werden muss“. Ergo habe die Polizei die Möglichkeit, „Auto- und Motorradposer zu belangen“. Dies geschehe bis dato nicht. cce

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