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Nach einer Terrorwarnung durchsuchte die Polizei schwerbewaffnet das Untergeschoss am Karlsplatz/Stachus.

Eltern aus Iruma sind zu besorgt

Terrorangst: Japaner sagen Jugendaustausch ab

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Wolfratshausen – Die Eltern sind zu besorgt: Nach den Amokläufen in Bayern sagt Wolfratshausens Partnerstadt Iruma in Japan den Jugendaustausch ab.

Sie wollten Trachten anprobieren, Residenz und Cuvilliés-Theater besuchen, in der Königsdorfer Backstube Brezen backen und Zeit mit ihren Gastfamilien verbringen: Eine Woche sollte der Aufenthalt einer achtköpfigen Delegation aus der Wolfratshauser Partnerstadt Iruma ab dem kommenden Montag dauern. Doch daraus wird nichts. Der diesjährige Jugendaustausch wurde kurzfristig abgesagt. Nach den Amokläufen in Bayern sind die Eltern zu besorgt. Das teilte Irumas Bürgermeister Tatsuo Tanaka der Verwaltung am Wochenende mit.

Immer im Wechsel besuchen Jugendliche aus Wolfratshausen und Iruma die jeweils andere Stadt. Dass es in diesem Jahr nicht dazu kommt, bedauert Claudia Holzer zwar. Die Rathausmitarbeiterin, die den Austausch federführend betreut, hat aber vor allem Verständnis für die Entscheidung. „Das müssen wir jetzt einfach akzeptieren.“

Bereits vor der endgültigen Absage habe man ein Schreiben aus Japan erhalten, in dem sich die Freunde aus Iruma über die Lage vor Ort erkundigt haben, teilte Holzer mit. „Wir haben ihnen mitgeteilt, dass es hier ruhig und friedlich ist und sie keine Angst haben müssen.“ Dennoch überwog letztendlich offenbar die Sorge.

Dietlind Diepen

Auch Dietlind Diepen bedauert die Absage. Die Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Wolfratshausen-Iruma, dessen Mitglieder vor allem bei der Betreuung der Delegation involviert gewesen wären, kann die Entscheidung jedoch vor allem mit Blick auf die japanische Mentalität nachvollziehen. „Die Japaner sind generell sehr vorsichtig, sehr ängstlich.“ Das zeige sich immer wieder auch bei der Gestaltung des Besuchsprogramms. Aktivitäten wie ein Ausflug in einen Klettergarten oder zum Stehpaddeln kämen aus diesem Grund nie in Frage.

Diepen betont auch, dass die aktuelle Angst vor Amok oder Terror noch einmal eine andere Qualität habe. Die Sorge der Eltern der Jugendlichen sei verständlich, beinhalte aber auch einen Arbeitsauftrag für die Wolfratshauser. Bereits im Herbst stünde der nächste Besuch einer Delegation in Iruma an. „Da wird es die Aufgabe sein, die Menschen dort zu sensibilisieren, mit ihnen darüber zu reden, dass wir hier nicht permanent in Angst und Schrecken leben.“

Die Freundschaft mit Iruma sei über viele Jahre gewachsen und dürfe nicht unter schrecklichen Ereignissen wie Amokläufen leiden. „Wir wollen den Verein schließlich auch in die Zukunft tragen.“ Aus diesem Grund will Dietlind Diepen zusammen mit Vereinsmitglied Ludwig Gollwitzer künftig verstärkt in Schulen für den Partnerschaftsverein werben.

Claudia Holzer hat einen Großteil des Montags damit verbracht, die Gastfamilien und alle anderen, die an der Austauschwoche beteiligt gewesen wären, über die Absage zu informieren. Ob der Besuch aus Japan stattdessen nächstes Jahr kommt und die Wolfratshauser erst 2018 nach Japan reisen oder ob man den bisherigen Turnus einfach beibehält, könne sie jetzt noch nicht sagen. „Das müssen wir in Ruhe besprechen.“

Für Dietlind Diepen ist wichtig, dass die Feier zum 30-jährigen Bestehen der Partnerschaft im nächsten Jahr in Wolfratshausen nicht der Angst zum Opfer fällt. „Denn dann haben die ihr Ziel erreicht.“

fla

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