Manuel Neuer operiert! Keeper fällt aus

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In Feierlaune: Eine großartige, beeindruckende Leistung lieferte das Ensemble des Euro-Studios Landgraf mit der Inszenierung des Carl-Zuckmayer-Klassikers „Des Teufels General“ vor rund 300 Zuschauern in der Wolfratshauser Loisachhalle.

Über das Alltägliche der Bestialität

„Teufels General“: Gute Aufführung in der Loisachhalle

Wolfratshausen – Das Stück erzählte über das Alltägliche der Bestialität: Das Euro-Studio Landgraf gastierte mit „Des Teufels General“ in der Wolfratshauser Loisachhalle.

Anders als sonst war am Samstagabend der Bühnenvorhang in der Loisachhalle offen und gab den Besuchern des Theaterstückes „Des Teufels General“ schon vorab bei der Sitzplatzsuche den Blick frei auf eine opulent gedeckte Tafel. So konnte das zahlreich erschienene Publikum von Anfang an ganz nah dran sein – fast mitten drin im Bühnengeschehen –, alles sehend und nicht einmal während des Kulissenumbaus durch einen Vorhang getrennt. Mit diesem Theaterklassiker, den der vor den Nazis geflohene Erfolgsautor Carl Zuckmayer zwischen 1943 und ’46 geschrieben hatte, kam es bei der Erstaufführung 1947 zu einer in ihrer Heftigkeit kaum mehr vorstellbaren Diskussion über die jüngste Vergangenheit Deutschlands. Die Geschichte um Leben und Tod von Harras, dem schneidigen, draufgängerischen, saufenden und die Nazis verspottenden „General der Flieger“ wurde der größte Theatererfolg der deutschen Nachkriegsjahre und unvergessen in der Verfilmung mit Curd Jürgens.

In der Loisachhalle begann der Abend mit einem opulenten Festmahl auf der Bühne, zu dem Harras seine Freunde, ihm untergebene Soldaten der Luftwaffe und den unerwünschten NS-Kulturleiter eingeladen hatte. Der General selbst trank reichlich in aufgekratzter Stimmung inmitten seiner Kameraden, animierte sie und die übrigen Gäste, es ihm gleich zu tun und verspottete unverhohlen und selbstbewusst im Beisein des NS-Kulturleiters den Führer und seine Schergen. Das nur scheinbar ausgelassene, feucht-fröhliche Treiben wurde mit Eintreffen der Nachricht, dass die Soldaten der Gesellschaft sich am nächsten Morgen unverzüglich zum Ausrücken in den Russlandfeldzug einzufinden hatten, jäh beendet. Dabei hatte Hauptdarsteller Gerd Silberbauer als General Harras schon vorher die über 300 Zuschauer in der Loisachhalle die deutlichen Risse in seiner Feierlaune erahnen lassen. „Hier tickt etwas“, sann er gegen Ende des ersten Aktes ins Dunkel der Halle hinaus.

Gerd Silberbauer, eine Mischung aus Curd Jürgens und Götz George, beeindruckte im zweiten Akt: Zum einen als derjenige, der der SS trotzt. Gleichzeitig als ein mutiger Helfer bei der Rettung verfolgter Juden und drittens als Vaterfigur, die den jungen, regimetreuen Leutnant Hartmann eindringlich mahnt. In jedem Augenblick glaubwürdig bis hin zur spontanen Liebe zur bereits in Liebe entbrannten blutjungen Diddo, der Tochter seiner ehemaligen Geliebten, nahm doch das Unheil unentrinnbar seinen Lauf. Die britische Luftwaffe bombardierte bereits die heimische Stellung, als General Harras vom Leiter der ihm selbst zur Wartung der Flugzeuge unterstellten Mannschaft seine Sabotageakte an den Flugzeugen gestanden bekam. Mit den Worten „Wer auf Erden des Teufels General wurde und ihm die Bahn gebombt hat, der muss ihm auch Quartier in der Hölle machen“, entschloss sich Harras zum Flug mit einem vermutlich sabotierten Flugzeug ins nur scheinbar ungewisse Ende.

Der tosende Applaus des Wolfratshauser Publikums nach dem akustischen Aufprall galt uneingeschränkt allen Schauspielern des Euro-Studio Landgraf in dieser beeindruckenden Inszenierung des Generalintendanten des Staatstheater Nürnberg, Klaus Kusenberg. Aber sicherlich auch dem Autor Carl Zuckmayer selbst, der dem Volk der Nachkriegszeit meist zu kritisch, doch der Kritik zu volkstümlich war. Ausgestattet mit jenem gelungenen Maß an Selbstironie, die sein Rüpelspiel erst erträglich macht, ist der Draufgänger Harras – der letztlich „draufgeht“ – immer auch umgeben von Mitläufern jeder Größenordnung.

Dieses Spiel um einen großen und seine mit ihm verbundenen kleinen „Teufel“ fordert heute wie vor fast 70 Jahren sein Publikum glaubhaft auf, über Zivilcourage und ihre Möglichkeiten gründlich nachzudenken. Eine großartige, beeindruckende Leistung.

von Assunta Tammelleo

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