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Konzentration auf Mimik: (v. li.) In der Produktion „Haydi“ stehen die Flöz-Schauspieler Andrés Angulo und Björn Leese erstmals ohne Masken auf der Bühne.

Zwischen Realität und Zeichentrick

Theater Flöz greift mit "Haydi" aktuelles Thema auf

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Wolfratshausen – Zwischen Realität und Zeichentrick: So lässt sich das Stück "Haydi" vom Maskentheater Flöz in der Loisachhalle zusammenfassen. Unsere Kritik:

Das Maskentheater „Familie Flöz“ war am Mittwoch zum dritten Mal zu Gast in der Loisachhalle. Doch anders als bei den bisherigen Auftritten, in denen pantomimische Puppengesichter mit dem typischen Mausprofil die Handlung ohne Worte beschrieben, wird bei dem aktuellen Bühnenstück „Haydi“ mit Überblendtechnik zwischen Realität und Zeichentrickfilm gewechselt.

Es geht um Flucht und Grenzen – ein Stück, das nicht aktueller sein könnte. Die optische Bühneninszenierung war grandios. Die Zusammenhänge im Bühnenstück gaben allerdings Rätsel auf. Und nach nur einer Stunde war das Kunstspektakel schon zu Ende, zur allgemeinen Verwunderung des Publikums. Das machte sich etwas irritiert und langsam auf den Nachhauseweg.

Man darf die Aufführung allerdings nicht mit einem unterhaltsamen Theaterabend vergleichen, obwohl rein oberflächlich gesehen ein hoher Spaßfaktor geboten war. Sie ist vielmehr ein sinnbildliches Gesamtkunstwerk aus höchst raffinierter Überblendung von Licht, Ton, Bild, Film und Requisiten. Die Flözens sprechen nicht – und wenn, dann nur in einem Kauderwelsch mit Akzenten verschiedener Sprachen. Die Verständigung funktioniert rein über die Körpersprache. Die eigentliche Handlung wird durch Sinnbilder transportiert.

Bei diesem Stück gibt es zwei Parallelwelten. Die reale Handlung auf der Bühne findet in einem Großraumbüro eines Großkonzerns statt. Am Kaffeeautomaten beginnt der alltägliche Bürowahnsinn. Das übliche Geplänkel zwischen den Kollegen, Streitereien um Verantwortlichkeiten und dazu das hierarchische Getue der Vorgesetzten. Pures Klischee. Und doch, der tiefere Sinn des Stücks steckt im Detail. Es geht um Grenzen und Grenzerfahrungen, solche, die es überall im Leben gibt. Zum Beispiel allein in Form von Stellwänden im Großraumbüro, von Ausgrenzung am Mittagstisch in der Kantine oder beim Vieraugengespräch zwischen Mitarbeiter und Chef.

Andrés Angulo, Björn Leese und Hajo Schüler spielten die Rollen der Mitarbeiter mit großartiger Gestik und Mimik und schlüpften für den Übergang zum nächsten Szenenwechsel hinter die Masken ihrer Mausgesichter – quasi wie eine optische Überleitung vom Realen ins surreale Trickfilmgeschehen – in eine schwarz-weiße Parallelwelt.

Darin geht es auch um Grenzerfahrungen, und zwar anderer Art. Bei einer ärmlichen Almbauernfamilie bahnt sich eine Tragödie an. Abschied, Flucht und Tod spielen eine Rolle. Die Hintergrundmusik dramatisiert die Stimmung zusätzlich. Vater und Mutter verlassen Tochter Haydi. Sie bleibt vorerst beim Großvater, einer Art Alm-Öhi, der kurz darauf stirbt. Alleine macht sich das Kind auf den beschwerlichen Weg in eine vermeintlich bessere Welt. Angst, Einsamkeit und Ungewissheit breiten sich aus. Grenzen tun sich gefühlsmäßig auf und schüren die Dramatik.

Sinnbildlich schlagen Eisentüren per Beamer-Projektion vor dem Kind zu, Maschendrahtzäune im Trickfilm versperren ihm den Weg. Im Bühnenstück der Familie Flöz fehlt schließlich auch das Happy End. Es bleibt also offen, ob sich die Grenzen dieser Parallelwelten je öffnen und der Weg schließlich zusammen führen wird.

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