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Ein Münchner Psychologe hatte eine Patientin in Königsdorf sexuell missbraucht. Nun kam der Fall vor Gericht.

Das Opfer schilderte den Übergriff 

Therapeut (69) missbraucht Patientin (27)

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Wegen sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung einer Patientin musste sich ein Münchner Psychologe vom Schöffengericht am Amtsgericht Wolfratshausen verantworten.

Wolfratshausen/Königsdorf – Am 19. Juli 2016 war der Angeklagte mit der Geschädigten (27) von München nach Königsdorf gefahren, wo er mit ihr in der Nähe der Jugendsiedlung Hochland einen verschwiegenen Badeplatz an der Isar aufsuchte. Nach dem Genuss einer Flasche Wein und Gebäck betatschte der Beschuldigte die auf dem Bauch liegende Frau. Als sie sich irritiert auf die Arme stützte, griff er von hinten ins Oberteil ihres Bikinis. „Ich dachte, was ist jetzt los“, sagte die 27-Jährige vor Gericht. „Ich hab nur gesagt: geh’n.“ Daraufhin gingen beide zum Parkplatz zurück. Im Auto machte der Mann weiter, griff der Frau unter den Rock und verging sich an ihr. Erst als sie sich übergeben musste, ließ er von ihr ab, fuhr nach München zurück, wo er der Frau noch 50 Euro fürs Taxi gab.

Verteidiger Michael Csüros hatte zu Beginn der Verhandlung in einem Rechtsgespräch versucht, für seinen Mandanten eine Bewährungsstrafe auszuhandeln, wenn dieser ein Geständnis ablegt und damit der Geschädigten eine Aussage vor Gericht erspart. Dazu kam es nicht, denn das Opfer bestand darauf, den Vorfall zu schildern. 

Für die 27-Jährige war dieser Schritt wohl mindestens ebenso wichtig wie ein Urteil gegen ihren Peiniger. Den hatte die Mutter eines zweijährigen Kindes nämlich unter anderem deshalb aufgesucht, weil sie „nicht in der Lage war, anderen Grenzen aufzuzeigen“, wie Anwältin Ruth Beer als Vertreterin der Nebenklage erläuterte.

Angeklagter wollte „Ratschläge eines erfahrenen Mannes“ geben

Der angeklagte Psychologe gab eine ausschweifende Stellungnahme ab und behauptete: „Ich habe nichts getan. Ich habe sie nicht genötigt und schon gar nicht vergewaltigt.“ Die sexuellen Handlungen, die er allesamt zugab, seien einvernehmlich geschehen. Auch habe mit der Frau kein therapeutisches Verhältnis bestanden. Er habe schon bei der ersten Probe-Sitzung gemerkt: „Ich würde die therapeutische Distanz nicht wahren können.“ 

Er habe er ihr jedoch versprochen, sie mit ihren Problemen nicht hängen zu lassen und „Ratschläge eines erfahrenen Mannes fürs Leben gegeben“, wie die Verteidigung erklärte. Er vermisse ein Abwehrverhalten in lebensnaher Weise: „Sie hätte kratzen, beißen, zappeln oder die Tür aufmachen können“, sagte Rechtsanwalt Csüros. Er forderte Freispruch.

Handlungen begangen, die für Therapeuten „absolut tabu“ sind

Das Schöffengericht folgte in seinem Urteil dem Antrag von Staatsanwalt Andreas Weber. „Er hat Handlungen begangen, die für einen Therapeuten absolut tabu sind“, hielt der Vorsitzende Richter Helmut Berger dem Angeklagten vor. „Sie hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass ihr etwas hilft. Sie kann sich zum ersten Mal öffnen, hat sich bei den Gesprächen mit ihm sehr wohl gefühlt. Und er nutzt sie aus auf eine Art und Weise, die man fast nicht beschreiben kann.“ 

Als erfahrener Therapeut habe er zudem gewusst, dass die Frau „wegen einer Mixtur aus Alkohol, Kreislaufproblemen und ihrer Unfähigkeit, Nein sagen zu können“ nur geringen Widerstand leisten könne. Der Psychologe wurde zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Zudem verhängte das Gericht ein vierjähriges Berufsverbot gegen den 69-Jährigen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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