Ein Mann und eine Bahnhofsuhr.
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Selfie mit Uhr: Einmal pro Tag erscheint der Wolfratshauser Michael Fitzek (62) selbst auf der App. Und zwar um 13.07 Uhr mit der Murnauer Bahnhofsuhr.

Wolfratshauser Michael Fitzek hat App entwickelt

Ticktack, ticktack: Das zeigt die „Bayern-Uhr“ aus Wolfratshausen

  • Volker Ufertinger
    VonVolker Ufertinger
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Der Wolfratshauser Michael Fitzek hat eine originelle App entwickelt: Sie zeigt jede Minute eine andere Uhr aus dem Freistaat.

Wolfratshausen – Zuerst ein bisschen Mathematik: Wie viele Minuten hat der Tag? Wer 24 Stunden mit 60 multipliziert, kommt auf 1440. Genau so viele Uhren sind auf der App zu sehen, die der Wolfratshauser Michael Fitzek (62) entwickelt hat. Ihr Name: „Die Bayern-Uhr.“ Wer sie im Google Play Store oder im App Store herunterlädt, sieht jede Minute eine andere Uhr, viele von Kirchtürmen, aber auch von Bahnhöfen und Rathäusern. „Die Kirchturmuhren zwischen Wolfratshausen und den Alpen müssten eigentlich relativ komplett sein“, sagt Fitzek im Gespräch mit unserer Zeitung nicht ohne Stolz.

Seit dem Abi-Scherz ein Faible für Uhren

Ein Faible für das Thema Zeit und Uhren hat Fitzek seit seinem Abi-Scherz am Oskar-von-Miller-Gymnasium im Münchner Norden. Damals hat er spaßeshalber das Laufwerk kurzgeschlossen, sodass sich die Zeiger plötzlich schneller drehten. Der nichts ahnende Direktor prostete den Schülern noch zu, die ihm hintersinnig erwiderten: „Auf dass die Zeit nicht zu schnell vergehen möge!“ Darüber amüsiert sich der Vater von zwei Kinder heute noch königlich.

Hinzu kommt, dass Fitzek nach einem Studium in München – bei dem er sich selbstredend mit Funkuhren befasste – Hard- und Softwareentwickler wurde. Für die Freiburger Firma Supernova entwickelt er seit vielen Jahren hochwertige Fahrradscheinwerfer mit Fernlicht. Dazu gehört natürlich eine App, die es erlaubt, das Licht anzusteuern. Und diese anspruchsvolle App hat Fitzek persönlich entwickelt.

Das Projekt beschäftigt Fitzek seit sieben Jahren

Bei der Bayern-Uhr kommt nun beides zusammen: Die Kenntnisse der App-Entwicklung, die Leidenschaft für Uhren – und die Liebe zum Fahrradfahren. Fitzek, Mitglied im Münchner Fahrradclub „Die Schwalben“, absolviert jedes Jahr mit seinem Rennrad – neuerdings ein grünes Bianchi – Tausende von Kilometer quer durch Bayern. Immer dabei: eine Kamera, um die schönsten und originellsten Uhren abzufotografieren. Seit sieben Jahren ist er für sein Projekt auf Achse, auch im Urlaub. „Für die Bayern-Uhr sind 7000 Kilometer zusammengekommen“, schätzt er. Das Projekt beschäftigt ihn seit sieben Jahren.

Wer zwischen Isar und Loisach wohnt, wird bei der App reihenweise Aha-Erlebnisse haben. Etwa um 8.05 Uhr, wenn die Uhr des Geretsrieder Rathauses auftaucht. Oder um 9.24 Uhr (Maria Himmelfahrt, Ergertshausen). Oder um 16.06 Uhr (St. Anian, Irschenhausen). Oder um 21.07 (St. Andreas, Wolfratshausen, obere Uhr). All das vermittel Heimatgefühl pur. Übrigens gibt es auch Exemplare, die es nicht in die App geschafft haben, etwa die Uhr von Kloster Reutberg. „Da ist der Stundenzeiger größer als der Minutenzeiger, das fand ich verwirrend.“

Uhren vor Fachgeschäften gehen oft falsch

Bei seinen Streifzügen ist dem App-Entwickler so einiges aufgefallen. So haben viele alte Kirchen sowohl Sonnen- als auch mechanische Uhren. „Logisch, man brauchte früher eine Sonnenuhr, um die mechanische Uhr überhaupt richtig einstellen zu können“, erzählt er. „Etwas anderes gab es ja nicht.“ Aufgefallen ist ihm auch, dass ausgerechnet die Uhren vor entsprechenden Fachgeschäften sehr oft falsch gehen. „Warum, weiß ich auch nicht“, sagt er und lacht. Und wenn er ein Fotomotiv aus Zufall oder Absicht ein zweites Mal besucht hat, war die Uhr oft abmontiert. Insofern hat die App auch einen gewissen historischen Wert.

Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Es sind nicht 1440 Uhren, die Fitzek fotografiert hat, sondern 1200. Manche erscheinen doppelt, vormittags und nachmittags. Wer mitmachen und die Sammlung komplettieren will, ist herzlich eingeladen, Bilder einzusenden. Die App ist kostenlos. „Für mich ist es ein reines Hobby“, sagt Fitzek. Ein ziemlich originelles noch dazu. (vu)

Infos im Internet: www.bayern-uhr.de

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