Inzwischen bezugsfertig ist das Tiny House von Thorsten Thane. Ein Einzug scheitert aber an einer Fläche fürs kleine Haus – und dem Baurecht, wie er im Interview erklärt.
+
Inzwischen bezugsfertig ist das Tiny House von Thorsten Thane. Ein Einzug scheitert aber an einer Fläche fürs kleine Haus – und dem Baurecht, wie er im Interview erklärt.

Thorsten Thane: „Ich hätte mir mehr Mut erhofft“

Tiny-Houses-Initiator hadert mit „politischer Grundsatzerklärung“ des Wolfratshauser Stadtrats

  • vonDominik Stallein
    schließen

Grundsätzlich zeigt sich der Wolfratshauser Stadtrat offen für so genannte Tiny Houses. Doch konkret wurde das Gremium gegenüber dem Verein „Einfach gemeinsam leben“ nicht.

Wolfratshausen – Der Stadtrat hat in seiner jüngsten Sitzung wie berichtet einstimmig ein positives Signal für sogenannte Tiny Houses (zu deutsch: „winzige Häuser“) gegeben. Die Flößerstadt sieht „in mobilen Kleinwohnformen eine gute Möglichkeit“, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Anlass war ein Bürgerantrag, den der Wolfratshauser Thorsten Thane vorangetrieben hatte. Im Interview mit unserem Volontär Dominik Stallein spricht der Erste Vorstand des Vereins „Einfach gemeinsam leben“ darüber, warum er trotzdem nicht in Jubel ausbricht – und was die Entscheidung für seinen Traum bedeutet, in einem Tiny House zu leben.

Herr Thane, der Stadtrat hat eine „politische Grundsatzerklärung“ abgegeben. Was heißt das in Ihren Augen konkret?

Konkret heißt das erst einmal gar nichts. Der Stadtrat hat ein Statement abgegeben – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das liegt daran, dass ein Passus aus unserem Bürgerantrag gestrichen wurde.

Sie wollten dem Stadtrat die Aussage abringen, dass das Gremium es begrüßen würde, wenn private Eigentümer Baugrundstücke zur Pacht anbieten.

Richtig. Dieser Abschnitt wurde aber aus dem Antrag gestrichen, weil sich der Stadtrat nicht in privatrechtliche Entscheidungen einmischen will, sich nicht „als Makler“ betrachtet und scheinbar kein Personal dafür hat.

Und Sie teilen diese Argumente nicht?

Naja. Wenn sich vielleicht zwei, drei Grundstückseigentümer melden würden, braucht man dafür kein zusätzliches Personal im Rathaus, glaube ich. Außerdem würde die Stadt ja an keiner Stelle aktiv eingreifen. Es wäre lediglich eine Bestärkung für Eigentümer gewesen. Mir wäre es lieber gewesen, dass unser Antrag unverändert diskutiert worden und die Entscheidung am Ende dann eben nicht einstimmig ausgefallen wäre. So wie der Stadtrat jetzt entschieden hat, ist es lediglich ein politisches Statement ohne den Ansporn zu einer Umsetzung in der Praxis. Ich hätte mir mehr Mut erhofft.

Sie sind also unzufrieden mit dem Beschluss – trotz des Zuspruchs?

Ich bin nicht völlig unglücklich, aber ich breche auch nicht in Jubel aus. Dafür ist mir der Beschluss zu schwammig gehalten. Ja, es ist ein politisches Signal mit Außenwirkung und das ist gut. Wirklichen Rückenwind für ein Projekt haben wir nicht bekommen. Da stehen wir an der gleichen Stelle wie vor dem Beschluss. Die Entscheidung lässt mich also zwiegespalten zurück.

Gibt es denn Grundstückseigentümer, die bereit wären, Flächen zur Verfügung zu stellen?

Es gibt zumindest erste Interessenten.

Wie geht es für Sie und Ihren Verein weiter?

Wir haben Kontakt mit Lokalpolitikern aus anderen Kommunen, die auf den Wolfratshauser Beschluss warten wollten. Vielleicht ergibt sich dort noch ein weiterer Vorstoß. Das ist aber alles noch sehr unklar und weit davon entfernt, spruchreif zu sein.

Wagen Sie eine Prognose: Wann bauen Sie Ihr Tiny House in Wolfratshausen?

Keine Ahnung. Wenn wir eine Fläche hätten, müssten wir anfangen, alle rechtlichen Details abzusprechen und könnten dann planen. Ich würde in diesem Prozess gerne gleich einen Vertreter der Stadt miteinbeziehen, damit alles passt. So weit sind wir aber nicht. Es steht und fällt mit einem Areal. Mein Tiny House wäre zumindest sehr bald einzugsbereit. Ich brauche nur noch einen Platz dafür – und die baurechtliche Genehmigung.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare