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Tipps vom Experten

So schützen Sie sich vor Einbrechern

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Nach dem Doppelmord von Höfen fragen sich viele Menschen in der Region: Habe ich mich gut genug gegen Einbrecher geschützt? Und wenn nein: Was muss ich tun? Wir haben nachgefragt.

Wolfratshausen – Kriminaloberkommissar Simon Bräutigam (50) ist Fachberater für Einbruchsschutz bei der Kripo in Weilheim. Er weiß Bescheid.

Herr Bräutigam, wie schütze ich mich gegen Einbrecher?

Kriminaloberkommissar Simon Bräutigam: 

Wir haben eine ganz klare Prämisse: Mechanische Sicherung zuerst. Das heißt: Türen, Fenster, Seiteneingänge, Kellerluken – kurz: alles, was Löcher hat – sollte man mit der Klassifizierung RC 2 sichern. Diese Beschläge, etwa Aufschraubsicherungen, sind zertifiziert, auf Einbruchsschutz getestet und sollten fachgerecht eingebaut werden. Für Amateure, die nur mit einem Schraubenzieher zu Werke gehen, sind die nicht zu öffnen.

Für Profis aber schon?

Nur mit Brachialgewalt, wir haben das getestet. Mit sieben Mann hat es 20 Minuten gedauert, bis wir ein Fenster offen hatten.

Was kostet das?

200 bis 300 Euro pro Fenster. Türen sind etwas teurer. Wenn man dieses Geld investiert, ist man gut aufgestellt.

Was brauche ich noch?

Wer Geld übrig hat, kann sich zusätzlich eine Einbruchmeldeanlage einbauen lassen. Die lassen sich gut mit mechanischen Sicherungen kombinieren, kosten allerdings 5000 Euro aufwärts. Durch ihre Meldewirkung wird das Risiko für den Einbrecher, entdeckt zu werden, erhöht. Außerdem sinkt die Gefahr, einem Einbrecher in die Arme zu laufen, wenn man nach Hause kommt. Auch bei diesen Anlagen sollte man darauf achten, dass sie zertifiziert und auf ein Sicherheitsunternehmen aufgeschaltet sind. Sonst bringen sie gar nichts. Wer sich immer noch nicht sicher fühlt, kann mit Videotechnik nachrüsten. Da wird aber ein vier- bis fünfstelliger Betrag fällig.

Hört sich alles ziemlich aufwändig an.

Es ist wichtig, potenzielle Einbrecher vom Haus oder von der Wohnung fernzuhalten und so wenig wie möglich preiszugeben. Da helfen auch ein abschließbares Gartentor mit einem elektrischen Türöffner und eine Gegensprechanlage, gern mit Videokopf. Ein elektronischer Türspion kostet 90 bis 100 Euro, der ist vor allem bei Wohnungen in Mehrfamilienhäusern hilfreich. Ganz wichtig ist auch das Thema Licht.

Inwiefern?

Ich kenne keinen Fall, in dem bei Wohnlicht eingebrochen wurde. Viele Menschen, vor allem Ältere, lassen gerne das Flurlicht brennen, wenn sie weg sind. Das wissen die Einbrecher. Flurlicht ist oft ein Hinweis darauf, dass keiner da ist. Am besten kauft man sich einen Dämmerungsschalter und eine Zeitschaltuhr und sorgt dafür, dass das Licht bei Anbruch der Dämmerung angeht. Passiert das nicht, ist das ein klares Zeichen dafür, dass niemand zu Hause ist. Wann es wieder ausgeht, ist egal, schließlich gehen die Menschen zu unterschiedlichen Zeiten ins Bett. Auch die Rolläden sollte man im Blick haben, wenn man im Urlaub ist. Tagsüber sollten sie immer offen sein. Schutz gegen Einbrecher bieten die sowieso nicht. Die werden einfach aufgeschlitzt.

Auf was kann ich verzichten?

Eine einfache Videokamera hilft zwar, den Nachbarn zu identifizieren, wenn der Äpfel aus dem Garten klaut. Für den Einbruchsschutz bringt sie aber nichts. Die Täter ziehen sich ihre Kapuzen und Masken über den Kopf und können nicht erkannt werden. Auch Licht, dass automatisch angeht, hilft nicht, das lässt sich relativ leicht außer Gefecht setzen. Wer auf Abschreckung per Licht setzen will, muss sich für eine manuelle Notlichtschaltung entscheiden. Da reden wir von 1000 Watt oder mehr, das hat Stadionqualität.

Was, wenn ich mich nicht entscheiden kann, was ich machen soll?

Dann nehmen Sie das Beratungsangebot der Polizei wahr. Ich komme persönlich zu Ihnen nach Hause, und Sie bekommen von mir ein Protokoll über Schwachpunkte und über das, was Sie tun können oder sollten. Zusätzlich bekommen Sie eine Liste der Firmen in Ihrer Region, die diese Arbeiten fachgerecht durchführen können. Alle Infos sowie Kontaktmöglichkeiten gibt es im Internet unter www.k-einbruch.de. Aber darf ich noch ein paar Tipps geben, die auf den ersten Blick ganz banal erscheinen?

Sehr gerne.

Das Risiko, Opfer eines Einbruchs zu werden, ist geradezu absurd gering. Deshalb sollte man auf gar keinen Fall in Panik geraten, auch wenn in der Nachbarschaft mal etwas passiert ist. Natürlich sollte man immer alles abschließen und niemals Schlüssel mehr oder weniger offensichtlich irgendwo deponieren. Außerdem lohnt es sich, wachsam zu sein und Zivilcourage zu zeigen. Sind verdächtige Personen unterwegs? Fahren Autos mit fremden Kennzeichen durch meine Straße, die hier nichts zu suchen haben? Wem etwas auffällt, auch bei den Nachbarn, sollte das unbedingt ansprechen – und im Zweifel die Polizei unter der Notrufnummer 110 verständigen. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd hat im Frühjahr die „Notrufkampagne 110“ initiiert, um darauf hinzuweisen, dass die 110 auch eine Servicenummer ist, wo ich jede Art von Hilfe bekomme und Hinweise geben kann. Und: Wertgegenstände gehören in ein Bankschließfach, die haben zu Hausen nichts zu suchen. So ein Schließfach kostet 70 Euro im Jahr. Das sollte einem sein Schmuck wert sein.

Was mache ich, wenn ich zu Hause einem Einbrecher begegne?

Bloß nicht den Helden spielen und die Konfrontation suchen. Am besten ist es, sich nicht sehen zu lassen, sich nach Möglichkeit in ein Zimmer einzusperren und dann laut zu schreien, damit einen die Nachbarn hören. Wenn möglich, sollte man noch die 110 wählen. Wenn der Einbrecher abhaut, sollte man ihn laufen lassen. Ums Einfangen kümmern wir uns. Wir haben das schließlich gelernt.

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