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Hochschule München bald auch in Bad Tölz: Landrat gab klare Standortempfehlung - mehrere Bürgermeister sauer

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Von: Dominik Stallein

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Ein Laser in Aktion
Innovationen fördern: Eine Aufgabe des TIZIO – einem Ableger der Hochschule München – das in Bad Tölz entstehen soll. An der Standortwahl entzündet sich ein Streit. © Archiv

Das TIZIO der Hochschule München soll nach Bad Tölz kommen. Die unterlegenen Städte freuen sich über die Aufwertung des Landkreises, haben aber auch Grund zur Kritik.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Seit jeher schwelt der Konflikt, und regelmäßig kocht er wieder hoch. Zuletzt im Frühsommer, als um die Zukunft der Wolfratshauser Kreisklinik gerungen wurde. Möglicherweise steht nun der nächste Streit zwischen Nord- und Südkommunen bevor: Die Entscheidung, dass das Transfer- und Innovationszentrum (TIZIO) der Hochschule München nach Bad Tölz kommen soll, sorgt in der Kurstadt für Freude. In den beiden anderen Städten des Landkreises sieht man die Entscheidung kritisch.

Klaus Heilinglechner, Bürgermeister in Wolfratshausen
Klaus Heilinglechner, Bürgermeister in Wolfratshausen © red

Wir das Landratsamt kürzlich in einer gemeinsamem Pressemitteilung mit der Stadt Bad Tölz, der Hochschule und dem Wissenschaftsministerium bekannt gegeben hatte, fiel die Wahl wie berichtet auf Bad Tölz. Beworben hatten sich zudem Wolfratshausen, Geretsried und Eurasburg. Wie Eurasburgs Rathauschef Moritz Sappl im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt, machte sich die Kommune keine großen Hoffnungen, weil das angedachte Grundstück nicht rechtzeitig zur Verfügung stehen würde. Die Städte Geretsried und Wolfratshausen hielten ihre Bewerbungen für durchaus aussichtsreich. Die Wahl fiel jedoch auf die Kurstadt. Der Tölzer Bürgermeister Ingo Mehner wurde in der Pressemitteilung so zitiert: „Stadt, Landkreis und die Hochschule würden von der Kooperation profitieren, und neue hochwertige Arbeitsplätze können entstehen.“

Hochschule München eröffnet Standort in Bad Tölz: Unterlegene Gemeinden mit scharfer Kritik

„Es ist gut, dass eine solche Einrichtung in unseren Landkreis kommt“, sagt auch Wolfratshausens Bürgermeister Heilinglechner. Die Entscheidung, dass die Kurstadt Standort werden soll, „nehme ich so zur Kenntnis“. Er macht kein Geheimnis daraus, dass er einen anderen Ort für geeigneter halten würde: „Wolfratshausen hat eine Anbindung nach München über die S-Bahn und die Autobahn“, betont Heilinglechner „Diese Infrastruktur kann ich in Bad Tölz nicht erkennen.“ Die Flößerstadt habe sowohl ein passendes Grundstück als auch Investoren „zur Hand gehabt“, die den Hochschulableger unterstützt hätten. Im Vorfeld der Vergabe hätten sich immer wieder die Kriterien geändert – „mal sollte es ein Bestandsgebäude sein, dann wieder ein unbebautes Grundstück“. Kommentieren möchte Klaus Heilinglechner das aber nicht.

Michael Müller, Bürgermeister in Geretsried
Michael Müller, Bürgermeister in Geretsried © red

Geretsrieds Rathauschef Michael Müller äußert sich ähnlich. „Ich bin froh, dass es kommt“, sagt er über TIZIO. „Für den Landkreis ist das wichtig und gut.“ Er spricht allerdings von der grundsätzlichen Ansiedlung – nicht von dem Ort und schon gar nicht von der Art, wie er ausgewählt wurde.

Bad Tölz wird Hochschulstandort: Geretsrieder Bürgermeister nicht zufrieden

Dass in der Pressemitteilung davon gesprochen wird, dass bereits seit einem Jahr für die TIZIO-Ansiedlung geplant werde, sorgt bei ihm für Stirnrunzeln: „Die Kommunen, die nicht Bad Tölz sind, haben davon vor vier Monaten erfahren.“ Er, Müller, erwartet „von der Landkreisführung, dass der Landkreis in seiner Gesamtheit betrachtet und ausgewogen behandelt wird“. Die Entscheidung sei früh auf Tölz zugeschnitten gewesen. „So fördere ich keine Zusammenarbeit“, konstatiert der Geretsrieder. Zu einem guten Miteinander gehöre ein einfacher Grundsatz: „Jeder braucht eine faire Chance – nicht nur einer.“

Müller findet „es ein bisschen schade: Wir müssen als Landkreis zusammenwachsen.“ Dazu gehöre ein fairer Umgang miteinander und in seinen Augen ein integriertes Entwicklungskonzept, dass alle 21 Landkreisgemeinden einschließt. „Mir fehlt das“, sagt er. Man könne durch eine solche, zielgerichtete Zusammenarbeit „ein besseres Miteinander schaffen“. Auch in diesem speziellen Falle hätte man „schonungslos die Stärken und Schwächen aller Bewerber“ gemeinsam abklopfen können.

Hochschule München eröffnet Zentrum in Bad Tölz: Landrat gab klare Empfehlung ab

Die Entscheidung sei – das betonen Müller und Heilinglechner – im Landratsamt und nicht im Kreisausschuss gefallen. „Der Landrat hat eine klare Standortempfehlung ausgesprochen“, sagt der Wolfratshauser Bürgermeister. Michael Müller hofft auf ein anderes Vorgehen bei künftigen Entscheidungen: „Wir müssen gemeinschaftlich an einem Strang ziehen“, um den gesamten Landkreis zu stärken, „und sollten nicht den einen gegen den anderen ausspielen“.

Nun hat sich also die Kurstadt Bad Tölz hat sich als Standort für ein Innovationszentrum der Hochschule München durchgesetzt. Bürgermeister erklärt Ingo Mehner, was das für die Stadt bedeutet.

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