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Undurchsichtiges Geflecht: (v. li.) Michi Holzer, Hubert Gröbmair und Günther Schnitter diskutieren in ihren Rollen über den komplizierten Sozialbetrug.

Trachtenverein D’Loisachtaler führt Stück „Und ewig rauschen die Gelder“ auf

Theater: Alle lieben den Sozialschmarotzer

Wolfratshausen – Der Trachtenverein D’Loisachtaler führt das Stück „Und ewig rauschen die Gelder“ auf. Das Publikum ist von Komödie und Bühnenbau begeistert. Es gibt noch weitere Aufführungstermine.

Eine sonore Männerstimme erklingt und säuselt monoton die Höhe des deutschen Sozialetats: kaum vorstellbare 125 Milliarden Euro. Mit den Geldern aus diesem Topf, stellte sich beim Theaterstück des Trachtenvereins D’Loisachtaler bald heraus, lebte die Hauptperson ganz ausgezeichnet. Nicht zuletzt, weil sich der Weber Max (gespielt von Hubert Gröbmair), an das so genannte elfte Gebot gehalten hatte, nämlich sich nicht erwischen zu lassen.

Doch Unheil nahte schnell auf der Bühne im Trachtenvereinsheim am Hans-Urmiller-Ring in Wolfratshausen. Zunächst schaute der Außenprüfer des Sozialamtes, der behäbige Justus Kleindorfer (Toni Kometer), vorbei. Der Beamte hat den Auftrag, sich die Originalunterschrift des Empfängers von Krankengeld geben zu lassen. Er brachte den Max, der schon zwei Jahre lang arbeitslos war, in sichtliche Bedrängnis. Denn er kassierte nicht nur zu Unrecht Krankengeld, sondern auch Arbeitslosengeld des lange ausgezogenen Untermieters und andere staatliche Hilfen von frei erfundenen Mitbewohnern.

Wo er im einen Moment mit Krückstock und Humpelbein den Krankengeldbezug auf den eigenen Namen rechtfertigen konnte, nahm er bloß ein paar Minuten später die Rolle des Untermieters Richter ein – und nahtlos daran die des Unschuldslamms beim unerwarteten Erscheinen seiner verblüfften Gattin (Steffi Walz), die von seiner Arbeitslosigkeit die ganzen zwei Jahre überhaupt nichts wusste. Eine Unzahl von Fürsorgeempfängern schien im Hause Weber zu wohnen. Nachdem der Max so langsam die Übersicht über all die eigenen Anträge und bestehenden Fördertöpfe verloren hatte, wollte er die fingierten Bezugspersonen der Reihe nach sterben lassen. Doch der hartnäckige Außenprüfer wollte nicht weichen, woran auch die beherzte Unterstützung des realen Untermieters Norbert Schuster (Michi Holzer) nichts ändern konnte.

Eine aberwitzig anmutende, rasant gespielte Verwechslungskomödie zeigte der Trachtenverein. Ganz ähnlich den amerikanischen „Screwball-Komödien“ der 1930er-Jahre mit auf- und zuknallenden Türen, hysterischen Frauen, unechten Leichen und einer echten Totengräberin. Regie führte Toni Kometer. Mal pfiffig und übermütig, dann aufgelöst und verzweifelt, mal hüpfend, dann wieder humpelnd nahm der Sozialbetrüger das Publikum für sich ein. Gegen Ende lösten sich alle Verwechslungen: die Vermutungen der eigenen Ehefrau, die Trauer von Norberts Verlobter (Martina Heinrich) bis hin zum Rausch beim Außenprüfer. Weitere Rollen hatten Günther Schnitter, Maria Baindl, Max Walz und Karin Hohnheiser. Für die Maske war Annette Hauptenbuchner zuständig, als Souffleuse fungierte Claudia Holzer.

Die Theaterleute vom Trachtenverein zeigten auch im 14. Jahr ihres Wirkens eine gute Hand bei der Stückauswahl, indem sie sich für diese britische, weltweit erfolgreich gespielte Komödie „Und ewig rauschen die Gelder“ aus dem Jahr 1993 entschieden hatten. Neben dem schauspielerischen Können beklatschten die 80 Zuschauer am Freitagabend auch den hervorragenden Bühnenbau von Georg und Max Holzer sowie die unerwarteten Effekte von Techniker Hans Buxbaum.

von Assunta Tammelleo

Weitere Aufführungen

Der Trachtenverein spielt das Stück nochmal am Freitag, 20., und Samstag, 21. Mai, jeweils um 19.30 Uhr im Trachtenheim am Hans-Urmiller-Ring. Tickets gibt es für zehn Euro an der Abendkasse und unter Ruf 0 81 71/2 60 34 bei Familie Kometer.

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