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Traditionsbewusst und weitsichtig: Wolfratshauser Geschäft feiert 160. Geburtstag

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Von: Sabine Hermsdorf-Hiss

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Firmengründer Franziska und Karl Hierl
Firmengründer: Franziska und Karl Hierl mit ihrer Familie. Sie legten 1862 den Grundstein fürs heutige Geschäft. © Repro/Sabine Hermsdorf-Hiss

Das Wolfratshauser Familienunternehmen Raumausstattung Hierl feiert 160. Geburtstag. Die fünfte Generation steht schon in den Startlöchern.

Wolfratshausen – Die Raumausstattung Hierl am Untermarkt 47 ist mutmaßlich der älteste Familienbetrieb in der Flößerstadt. 1862, das heißt, vor 160 Jahren kauften Karl Hierl und seine Ehefrau Franziska, geborene Schelle, das Sattleranwesen Nummer 135 von Sattlermeister Bartholomäus Leidl. Zum Angebot zählte zunächst die Herstellung von Zuggeschirr für Pferde und Ochsen, von Sätteln und Zaumzeug.

Hierl aber war ein weitsichtiger Kaufmann: Als das Bezirksamt München die „Erhebung von Feuereimer-Geldern“ abschaffte und jeden „Käufer, Übernehmer oder Erbauer eines häuslichen Anwesens“ verpflichtete, „einen ledernen, wasserdichten Feuereimer anzuschaffen“ schaltete der Sattlermeister sofort in der örtlichen Zeitung eine Anzeige: Bei Hierl in Wolfratshausen könne „stets dergleichen Feuereimer zu möglichst billigen Preisen und von sehr guter und dauerhafter Arbeit bezogen werden“.

Traditionsbewusst und weitsichtig: Wolfratshauser Geschäft feiert 160. Geburtstag

Die Fähigkeit, auf Trends und individuelle Kundenwünsche zu reagieren, zieht sich wie ein roter Faden durch die Firmengeschichte. Als 1896 Sohn Georg Hierl die Sattlerei übernahm, erweiterte er das Warensortiment sowie die Dienstleistungen. Wagen konnten nun lackiert werden, sogar die Übernahme von Linoleum- und Tapezierarbeiten wurden angeboten. Letzteres war auch der Tatsache geschuldet, das Sohn Georg Hierl junior 1936 die Prüfung zum Tapeziermeister abgelegt hatte, ehe er fünf Jahre später das Geschäft übernahm. Auch er lebte die Firmenphilosophie: Die Traditionen hoch halten, sich neuen Techniken und Materialien nicht verschließen.

Raumausstattung Hierl Wolfratshausen
Die Familie Hierl im Jahr 2022: Peter Hierl mit Tochter Andrea und Ehefrau Karin sowie Enkel Kilian. © privat

Seit 1977 stehen Peter und seine Ehefrau Karin Hierl den Kunden mit Rat und Tat zur Seite. Raumausstattermeister Peter Hierl legt seinen Fokus auf die klassische Polsterei. „Warum sollte man alte Möbel wie Sessel und Sofas wegwerfen, wenn man sie doch wieder wunderschön herrichten kann?“

Die klassische Polsterei ist die Königsdisziplin der Raumausstatter.

Peter Hierl

Schön früh beginnt Hierl, der vier Jahre als Obermeister der Raumausstatter- und Sattlerinnung Miesbach/Bad Tölz-Wolfratshausen fungierte, sich der heute viel zitierten Nachhaltigkeit zu verschreiben. Verwendet werden statt Schaumstoff tierische und pflanzliche Polstermaterialien wie Seegras, Rosshaar und Kokosfasern. „Die klassische Polsterei ist die Königsdisziplin der Raumausstatter“, sagt Hierl, „da sie viel Fachkenntnis, Hingabe und Erfahrung erfordert.“ Auch bei Stoffen, beispielsweise für Gardinen, wird der Umweltaspekt beachtet. „Sie sind recycelbar und kommen aus pestizidfreien Anbau“, betont Tochter Andrea Hierl, die ebenfalls im Familienunternehmen arbeitet. Die fünfte Generation steht bereits in den Startlöchern: Enkel Kilian Hierl legte 2021 mit 19 Jahren seine Meisterprüfung zum Raumausstatter ab. (sh)

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