Lebenslänglich wegen Polizistenmords für Reichsbürger

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Es wird mehr gelacht als gehustet: In der Übungsstunde von Steffi Kühn sollen die Lungenkranken lernen, ihr persönliches Bewegungstempo zu finden, ohne gleich in Atemnot zu geraten.

RSG Wolfratshausen

Training für die kranke Lunge

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Wer lungenkrank ist, kann kaum 20 Schritte ohne Sauerstoffflasche machen. Die Rehabilitations-Sport-Gemeinschaft Wolfratshausen hat speziell für diese Menschen ein Angebot geschaffen, damit sie beweglich bleiben und ihre Belastbarkeit steigern können.

Wolfratshausen – „Pfft“ machen die zwei mobilen Sauerstoffgeräte in unregelmäßigen Abständen. „This is the Life“ (Das ist das Leben) singt Amy Macdonald dazu aus der Lautsprecherbox. Dazwischen ertönt immer wieder leises Husten. Übungsleiterin Steffi Kühn gibt mit ruhiger Stimme ihre Anweisungen: „Und jetzt das linke Ohr zur linken Schulter – ganz langsam!“

Die vier Teilnehmer ihrer Übungsstunde sind schwer lungenkrank: Sie haben COPD, eine chronische Verengung der Atemwege (siehe Kasten). „Ohne meinen Sauerstoff kann ich keine 20 Schritte mehr machen“, sagt Manfred Hellmuth (69). Seit November vergangenen Jahres trainiert er jeden Donnerstag in der Dreifachturnhalle an der Sauerlacher Straße. Die spezielle Gruppe für Atemwegserkrankungen der Rehabilitations-Sport-Gemeinschaft (RSG) Wolfratshausen hilft ihm, beweglich zu bleiben und seine Belastbarkeit zu steigern.

Regelmäßiges Gehtraining gehört zum Programm

„Wichtig ist vor allem die Mobilisation der Brustwirbelsäule und die Kräftigung der Beinmuskulatur“, erklärt Übungsleiterin Steffi Kühn. Auch regelmäßiges Gehtraining gehört zum Programm. Dabei sollen die Lungenkranken lernen, ihr persönliches Bewegungstempo zu finden, ohne gleich in Atemnot zu geraten. Koordination und Ausdauer werden ebenfalls gesteigert.

„Die Patienten profitieren davon ungemein“, weiß Dr. Klaus-Peter Uehlein, Leiter des Bereichs Pneumologie und Beatmungsmedizin an der Wolfratshausener Kreisklinik. Der Lungenarzt ist froh, dass es seit ein paar Monaten eine solche Gruppe im Nordlandkreis gibt und schickt seine Patienten gerne dorthin. „Der Lungensport dient wesentlich dazu, dass es ihnen besser geht und sie länger leben.“ Das sei wissenschaftlich erwiesen. Körperliches Training – plus der notwendige Nikotinverzicht bei Rauchern – bewirke bei COPD weit mehr als jede ärztliche Behandlung. Deshalb bezahlen auch die gesetzlichen Krankenkassen die Teilnahme am Lungensport. Nötig ist nur eine entsprechende Verordnung vom Haus- oder Lungenfacharzt.

Gruppe soll wachsen

Dr. Klaus-Peter Uehlein Der Lungenarzt an der Kreisklinik ist froh, dass es die Gruppe gibt

Viele seiner Kollegen wüssten allerdings noch gar nicht,dass es dieses spezielle Sportangebot für Menschen mit Atemwegserkrankungen seit kurzem auch in Wolfratshausen gibt, meint Uehlein. Er hofft, dass die Gruppe bald wächst. Denn die Zahl der Betroffenen ist groß: Experten schätzen, dass etwa jeder zehnte Deutsche über 40 Jahren an COPD leidet.

Vor jeder Übungsstunde misst die Trainerin bei allen Teilnehmern den Blutdruck und die Sauerstoffsättigung des Bluts. Sind die Werte sehr schlecht, wäre ein Training zu riskant. Das sei aber bisher noch nie vorgekommen, erklärt RSG-Vorstand Heinz-Walter Böttcher, der bei der Übungsstunde dabei ist. „Jeder macht, was er kann“, sagt Übungsleiterin Kühn: „Hauptsache Bewegung.“ Bei Bedarf hat sie für die fitteren Teilnehmer auch „anspruchsvollere Varianten“ ihrer Gymnastik parat.

Das gemeinsame Üben in der Gruppe steigert die Motivation. Man muntert sich gegenseitig auf, wenn etwas nicht gleich klappt. Gelacht wird deutlich mehr als gehustet. Nach dem Training, so sagt Michael Maly-Motta, mit 77 Jahren der Älteste in der Runde, fühlt er sich tatsächlich fitter als vorher. Er hofft, seine Erkrankung damit soweit im Griff zu behalten, dass er weiterhin ohne mobiles Sauerstoffgerät auskommt.

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