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Sie realisierten die kleinen Büchereien in Wolfratshausen (v. li.) Elena Winter, Luis Heim, Henrik Heim und Mutter Heike bauten den Bücherkasten an der Isarstraße. Ebenso auf dem Foto der Besitzer des zweiten Bücherkastens an der Gartenstraße, Florian Strobl.

Büchertausch-Schrank

Treffpunkt für Leseratten

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Wer in Wolfratshausen Bücher ausleihen will, der muss nicht mehr unbedingt in eine Bücherei gehen. Er kann auch mal einen Blick in die beiden bunt bemalten Büchertausch-Schränke an der Isar- und an der Gartenstraße werfen. Sie stehen erst seit einigen Wochen dort, haben sich aber schon zu einem Treffpunkt der Leseratten entwickelt.

Wolfratshausen – Bücherboxen sind eigentlich nichts Neues. Die erste entstand im Jahr 2009 im US-Bundesstaat Wisconsin. Seither breiten sie sich weltweit aus. Mittlerweile gibt es über 50 000 dieser so genannten „Free Little Libraries“ in 70 Ländern. Das Prinzip ist recht einfach: Jemand befüllt sie mit eigenen Büchern. Passanten können sie ausleihen und durch andere Bücher ersetzen.

Dank Christian Helfricht gibt es die Bücherboxen nun auch in Wolfratshausen. „Wir sind mit Bekannten in Los Angeles spazieren gegangen“, erinnert sich der 46-Jährige. „Da haben wir an vielen Wegkreuzungen und auf vielen Grundstücken solche kleinen Büchereien gesehen. Die sind nett, weil man sich trifft und miteinander spricht – ein verbindendes Element.“

Schnell war ihm klar: So etwas sollte es auch in Wolfratshausen geben. Zumal es ihm als Lehrer ein besonderes Anliegen ist, dass junge Menschen Bücher in die Hand nehmen. Also kaufte er in einem Baumarkt Bretter und bastelte mit seinen Buben eine Box. Der besondere Gimmick: Ein Solarfeld und eine Lampe: „Wenn man um vier Uhr morgens nicht schlafen kann, kann man sich ein Buch rausholen“, sagt Helfricht lachend. Innenarchitektin Elena Winter kümmerte sich unterdessen um die Bemalung. Nach einer Woche war die Kiste fertig. Helfricht befüllte die obere Etage mit Büchern für Erwachsene, die untere mit Kinderbüchern.

Für den zweiten Wolfratshauser Büchertausch-Schrank an der Gartenstraße ist Florian Strobl verantwortlich. Er wurde vor drei Monaten im sächsischen Riesa auf eine Bücherbox in einer alten Telefonzelle aufmerksam. „Sie hat mir sehr gut gefallen“, sagt der 43-Jährige. Als er dann auch noch die Bücherbox in der Isarstraße sah, war der Metall-Industriemeister endgültig Feuer und Flamme. Mindestens ebenso begeistert wie er selbst war seine Tochter Julia: „Sie hat gesagt: Papa, das machen wir auch“, erinnert sich Strobl. Als Bücherbox dient in diesem Fall ein ausrangierter Schrank, den der Nachwuchs bunt bemalte.

Florian Strobl fürchtete, dass die Box schnell vermüllt oder besprüht wird, doch dies war bislang nicht der Fall. „Bisher funktioniert es“, sagt Strobl. Das Sortiment sei schon gut durchmischt. Ähnlich sind die Erfahrungen von Christian Helfricht: „Es sind immer wieder neue Bücher drin.“

Der 46-Jährige arbeitet weiterhin an Verbesserungen. So machte er die Bücherbox zuletzt winterfest, indem er Spalten abdichtete. Schneeflocken können jetzt nicht mehr ins Innere gelangen. Sein Wunsch: „Bücherboxen gehören in den USA zur Tradition und Kultur. Ich würde mich freuen, wenn es in Deutschland mit den kleinen Tausch-Bibliotheken auch weitergeht.“

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