Regenwasser in der Altstadt
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Auf ein Höhenniveau sollen Marktstraße und Gehweg im Zuge der Aufwertung der Altstadt gehoben werden. Viele Immobilienbesitzer und Gewerbetreibende in der Innenstadt fürchten, dass das Wasser nach Starkregenereignissen dann ungehindert in die Häuser und Geschäfte strömt.

Sorge von Geschäftsbetreibern

Trotz Starkregen und Unwetter-Katastrophe: Bürgermeister hält an Gehsteig-Plan fest

  • Carl-Christian Eick
    VonCarl-Christian Eick
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Starkregen, Hagelgewitter: Viele Keller sind in den vergangenen Wochen vollgelaufen. An den Plänen, die Altstadt ebenerdig zu machen soll das nichts ändern. Es gibt aber Skeptiker.

Wolfratshausen – Die Altstadt soll (noch) attraktiver werden. Das ist der erklärte Wille des Stadtrats. Ein Vorschlag unter vielen ist die Anhebung der B11, um Marktstraße und Gehweg auf ein Niveau zu bringen. Unter dem Eindruck der jüngsten Unwetter mit Hagelschlag und Starkregen halten das vor allem einige Gewerbetreibende in der Innenstadt für keine gute Idee.

„Ich halte daran fest“, sagt dagegen Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen) auf Nachfrage unserer Zeitung.

Prämisse der Planung: Identifikationsort schaffen

Der Prozess, die historische Altstadt zwischen Musikschule und Johannisgasse aufzuwerten, begann im November 2018 unter Federführung von Stadtmanager Dr. Stefan Werner. Mittlerweile arbeitet das Münchner Planungsbüro Mahl-Gebhard-Konzepte (mgk) an einem Vorentwurf. Der kostet die Kommune etwa 100 000 Euro und hätte dem Stadtrat in diesem Monat präsentiert werden sollen – doch die Vorstellung verschiebt sich laut Rathauschef auf die erste Sitzung nach der Sommerpause. Oberste Prämisse für die Planer: „Dass die Marktstraße ein Identifikationsort und das Rückgrat der Innenstadt wird“, so mgk-Architektin Sonja Weber.

Der Vorschlag kam von den Bürgern - aber es gibt Projektgegner

Der Vorschlag, dass B11 und Gehweg künftig höhengleich sind, kam aus den Reihen der Wolfratshauser Bürger – gefällt beileibe jedoch nicht jedermann. Zu den größten Skeptikern zählt Ex-Bürgermeister Helmut Forster (73), Sprecher der Stadtratsfraktion der Wolfratshauser Liste. Fahrbahn und Trottoir auf einer Ebene? Das erhöht in seinen Augen die Gefahr für die schwächsten Verkehrsteilnehmer, Kinder und Senioren, signifikant. Zudem gab Forster stets zu bedenken, dass bei Starkregen-Ereignissen das Regenwasser über die ebene Fläche ungehindert in die Hauseingänge und Geschäfte strömen würde.

Das kann ja nur ein Witz sein. Mein Laden würde komplett unter Wasser stehen“

Ein Geschäftsmann aus Wolfratshausen

Mein Laden würde vermutlich komplett unter Wasser stehen“, sagt ein Gewerbetreibender in der Altstadt, der anonym bleiben möchte, mit Blick auf die zwei schweren Unwetter, die Wolfratshausen in den vergangenen Tagen heimgesucht haben. „Marktstraße und Gehweg höhengleich? Das kann ja nur ein Witz sein“, meint der Geschäftsmann.

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Heilinglechner setzt auf Arbeit der Ingenieure

Rathauschef Heilinglechner lässt sich von der Kritik nicht beirren. Er halte es im Zuge der beschlossenen Altstadt-Aufwertung nach wie vor für richtig, die Marktstraße anzuheben. Dass das nach sintflutartigem Regen zu einem Desaster führen wird, fürchtet der Bürgermeister nicht. „Das gesamte Vorhaben wird von Ingenieuren begleitet“, betont der 54-Jährige. In deren Planungen würden Wetterkapriolen, die sich immer häufiger ereignen, „selbstverständlich berücksichtigt“. Darüber hinaus weist Heilinglechner im Gespräch mit unserer Zeitung darauf hin, dass die Marktstraße, die durch die Altstadt verläuft, eine Bundesstraße ist. „Der Bund“, so Heilinglechner, „wird ganz genau hinschauen, was wir hier in Wolfratshausen machen wollen.“ Als sogenannter Straßenbaulastträger – der Bund ist unter anderem für den Unterhalt seiner Verkehrswege verantwortlich – werde man in Berlin nichts gutheißen, was eventuell Schadensersatzforderungen nach sich ziehen könnte.

Der Bürgermeister hat selbst Vorkehrungen gegen Hochwasser getroffen - und ist heute froh darüber

„Man muss noch einmal ganz genau hinschauen“, meint Heilinglechner mit Blick auf den Vorschlag der Höhenangleichung. Die jüngsten Unwetter hätten mutmaßlich auch ihr Gutes: „Das schärft noch einmal die Sinne der Fachplaner.“ Auf jeden Fall, so der Rathauschef, müsse bei der geplanten Aufwertung der Altstadt ins Kalkül gezogen werden „die Entwässerung neu aufzustellen“. Entsprechende Konzepte zu erarbeiten, „das überlasse ich den Experten“.

Dass jede Prognose hinsichtlich möglicher Naturkatastrophen immer vom Konjunktiv geprägt ist, hat Heilinglechner selbst erfahren. Als der ehemalige Landwirt vor etwa 30 Jahren auf seinem Hof in Weidach einen neuen Gülleraum anlegen ließ, rieten ihm Experten, mindestens 3,50 Meter tief ins Erdreich zu buddeln. Weil: „Es könnte ja mal ein hundertjähriges Hochwasser kommen.“ Er habe sich seinerzeit gefragt, ob das nicht Schwarzmalerei sei – doch leider habe er nicht lange auf ein verheerendes Hochwasser warten müssen. Rückblickend sei es klug gewesen, den Fachleuten Glauben geschenkt zu haben.

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