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An mehren Stationen übten die Flughelfer am Samerberg im Kreis Rosenheim.

„Jeder Einsatz ist mit einem Risiko verbunden“

Übung mit der Super-Puma: Flughelfer bekämpfen Feuer aus der Luft

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Zwei Landkreise, eine gemeinsame Übung: Die Flughelfer aus Bad Tölz-Wolfratshausen und Rosenheim trafen sich in Roßholzen am Samerberg, um die Zusammenarbeit mit der Bundespolizei und der Polizeihubschrauberstaffel für den Ernstfall zu trainieren. Wir waren dabei.

Bad Tölz-Wolfratshausen/Roßholzen – Der Brand am Jochberg ist Albert Metsch, Leiter der Flughelfergruppe Wolfratshausen, noch gut in Erinnerung. In der Silvesternacht 2016 standen dort aufgrund von fahrlässiger Brandstiftung rund 100 Hektar Wald- und Wiesenfläche in Flammen. Tagelang bekämpften die Feuerwehren mit einem Großaufgebot an Kräften das Feuer, das sich in Windeseile ausbreitete. Die Rettung kam letztendlich von oben: Die Brandbekämpfung aus der Luft. Mit vor Ort waren die Flughelfer aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

Auch an diesem Dienstag sind die Ehrenamtlichen aus Lenggries, Benediktbeuern, Bichl, Wolfratshausen, Kochel und Schlehdorf wieder unterwegs. Ihr Ziel ist Roßholzen am Samerberg, Kreis Rosenheim. Nur dieses Mal ist es kein Ernstfall: Sie treffen sich mit den Kameraden aus Rosenheim, der Bundespolizei Fliegerstaffel Süd und der Polizeihubschrauberstaffel Bayern München zu einer Großübung.

Fotos

In Roßholzen regnet es allen Wettervorhersagen zum Trotz. „Ich wusste schon, warum ich eine wasserfeste Sonnencreme mitgenommen habe“, frotzelt Erich Roth von der Wolfratshauser Feuerwehr. Die Umstehenden lachen. Die Atmosphäre gleicht einem Familientreffen. Die Männer arbeiten Hand in Hand, um die drei Übungsstationen vorzubereiten, machen Witze und tauschen nebenbei Erfahrungen aus. Trainiert werden soll das Zusammenspiel zwischen Flughelfern und Piloten beim Versetzen von Lasten, dem An-, Abhängen und Befüllen der Außenlastbehälter (Semat) sowie dem Abseilen und Aufnehmen von Personen über eine Seilwinde (Winschen). Mit vor Ort sind Vertreter der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried, des Katastrophenschutzes am Landratsamt in Bad Tölz und der örtlichen Kreisbrandinspektion.

Die Ruhe ist vorbei

Eine Stunde später ist es vorbei mit der idyllischen Ruhe am Samerberg – aber glücklicherweise auch mit dem Regen. Das Knattern eines Hubschraubers ist zu hören. Einer der Flughelfer stellt sich auf die Wiese, beide Hände hoch über dem Kopf – das Zeichen für „Landeplatz hier“. Die erste Maschine ist eine Puma AS 332 (Super-Puma) der Bundespolizei Fliegerstaffel Süd.

Die Kühe auf der benachbarten Wiese schauen kurz auf – und grasen entspannt weiter, während der über 16 Meter lange Hubschrauber landet. „Vielleicht sind die Kühe ja nicht echt“, vermutet einer der Feuerwehrmänner, „sondern nur Attrappen.“ Denn auch als noch zwei weitere Maschinen, eine Eurocopter 155 und eine Eurocopter 135, ankommen, nehmen die Tiere kaum Notiz davon.

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Die einzelnen Gruppen sind bereits eingeteilt. Die Motoren werden wieder gestartet. Minutenlang stehen die Maschinen mit sich drehenden Rotorblättern auf dem Feld. „Diese Zeit ist nötig, um die richtige Betriebstemperatur zu erreichen, die Systeme hochzufahren und nochmal alles zu kontrollieren“, erklärt Florian Franz, Flughelfer von der Feuerwehr Kochel. Langsam steigt die Super-Puma auf, dreht eine Runde und sinkt über einem Semat bis auf etwas über zwei Meter zu Boden. Hier bleibt sie sozusagen in der Luft stehen. Drei Flughelfer laufen geduckt bis unter den Helikopter. Mit geübten Griffen hängen sie den Behälter ein und schließen die Auslöseleitung an, mit der das Ablassen des Wassers über dem Einsatzgebiet vom Inneren der Maschine aus gesteuert wird.

Der Heli macht Wind in Orkanstärke

„Das muss man sich einmal vorstellen“, überlegt Franz laut. „Man arbeitet, während einem etwa 30 bis 40 Zentimeter über dem Kopf fünf Tonnen schweben.“ Hinzu kommt der Downwash. So nennt man den Abwind, der von den sich drehenden Rotorblättern erzeugt wird. „In manchen Bereichen unter dem Heli herrscht Wind in Orkanstärke.“ Der 48-Jährige weiß, wovon er spricht: Er flog selbst jahrelang Rettungshubschraubereinsätze für die DRF Luftrettung in Großhadern und ist seit vier Jahren Flughelfer. „Ich kenne also beide Seiten.“ Langsam steigt die Super-Puma wieder auf, den Semat unter sich, und dreht Richtung Waldgebiet oberhalb des Übungsgebietes ab.

Zu den 24 Flughelfern aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gehört Lisa Meindl, seit ihrem 14. Lebensjahr Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr Wolfratshausen. „Ich bin hier sozusagen die Quotenfrau“, sagt die 23-Jährige mit Blick auf ihre durchweg männlichen Kameraden und lacht. Aber irgendjemand müsse ja den Anfang machen. Als sie Flughelferin wurde, „hat keiner der Kollegen auch nur ansatzweise komisch geschaut, im Gegenteil, sie unterstützen mich, wo sie nur können.“ Angst vor ihren Aufgaben hat sie nicht, aber Respekt. Das Wichtigste ist, dass jeder Handgriff ohne groß nachzudenken sitzt. Obwohl, so einfach wie es klingt, ist es nicht. Die Helikopterunterseiten sind nicht genormt. Mal ist der Haken anders oder das Verriegelungssystem. „Ich bin also froh, wenn ich auf Anhieb alles finde – aber genau dafür sind diese Übungen ja da.“

Übungen bedeuten viel Aufwand

Durchgeführt werden diese wenn möglich ein- bis zweimal jährlich. „Allein die Vorbereitungen sind nicht zu unterschätzen“, sagt Albert Metsch. „Vom Umweltschutz bis zur Verpflegung muss alles geklärt sein.“ In Roßholzen nehmen rund 90 Personen an der Übung teil – für die hat der 49-Jährige zusammen mit dem Kreisbrandinspektor des Kreisfeuerwehrverbandes Rosenheim, Hans Huber die Verantwortung.

Zwischendurch ziehen die verschiedenen Einheiten immer wieder Bilanz. Wie kann ein Vorgehen noch weiter optimiert werden? Welche Schwachstellen könnten auftreten, was kann man bereits im Vorfeld dagegen tun? Dass weder die Arbeit der Teams im Helikopter noch die der Flughelfer einfach ist, ist allen bewusst. „Jeder Einsatz ist mit einem Risiko verbunden“, sagt Helmut Fischer, Flugtechniker bei der Polizeihubschrauberstaffel Bayern/München. Gerade der Pilot ist auf die Unterstützung von Flugtechniker und Operator im Hubschrauber sowie den Flughelfern am Boden angewiesen, um zielgenau agieren zu können. „Jeder Einsatz steht und fällt mit der Kommunikation.“

Am Ende des Tages sind alle mit dem Ergebnis der Übung zufrieden. Ganz nebenbei konnten die Einsatzkräfte helfen, als eine Rauchentwicklung in einem schwer zugänglichem Gelände unterhalb des Riesenkopf-Gipfels gemeldet wurde. „Ein Baum ist vom Blitz getroffen worden und brannte. Der Rauch war bis ins Inntal sichtbar“, berichtet Albert Metsch. Ehrensache, dass die Besatzung der AS 332 ihre Übung unterbrach, um die Löscharbeiten zu unterstützen und so größeren Schaden verhinderte.

Sabine Hermsdorf-Hiss

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