18 Jahre bestand die Bürgerinitiative

„Umgehungsstraße - Ja, Zerstörung von Natur und Kanal - Nein“ - deshalb löst sich der Wolfratshauser Verein auf

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Eine mögliche Trassenführung im Bereich des Isar-Loisachkanals zu verhindern war das Ziel des Vereins „Umgehungsstraße - Ja, Zerstörung der Natur und Kanal - Nein“. Jetzt hat sich die Wolfratshauser Bürgerinitiative aufgelöst.

Wolfratshausen – Der Verein „Umgehungsstraße – Ja, Zerstörung von Natur und Kanal – Nein“ ist Geschichte. In der jüngsten Versammlung beschlossen die Mitglieder einstimmig die Auflösung.

Die seit 18 Jahren bestehende Bürgerinitiative (BI) hatte es sich zur Aufgabe gemacht, im Zuge der Diskussion über eine Umgehungsstraße um Wolfratshausen eine mögliche Trassenführung im Bereich des Isar-Loisach-Kanals zu verhindern. Dieses Ziel habe man erreicht, meint Vereinschef Kilian Hee. Heute spekuliere „niemand mehr ernsthaft“, die Stadt über eine Kanaltrasse von innerörtlichem Verkehr zu entlasten.

Der Verein verweist darauf, dass mittlerweile einzig eine Tunnellösung unter dem Ortsteil Farchet als Umgehungsvariante in Frage käme. Dies habe Anfang des Jahres auch ein Treffen Hees mit Markus Feigl, Chef der „BI für eine Umgehungsstraße Wolfratshausen“, ergeben: „Erfreulicherweise kristallisierte sich schnell heraus, dass für beide Initiativen die Lösung zur Entlastung des Ost-West-Verkehrs durch Wolfratshausen nur der Tunnel-Farchet sein kann.“ Einen entsprechenden Plan hatte CSU-Stadtrat Alfred Fraas erarbeitet und im Februar öffentlich präsentiert.

Der Tunnel soll am Ende des Autobahnzubringers beginnen und bis zur Pupplinger Au auf die Staatsstraße 2070 führen. Nach Ansicht Hees wäre dieses Projekt von der Bedeutung her eine Bundesstraße, „logischerweise eine B11b analog zur B11a, und damit wäre die Finanzierung Sache des Bundes“.

Die Röhre war im März ebenfalls Inhalt einer Unterredung zwischen Bürgermeister Klaus Heilinglechner und dem neuen Leiter des Staatlichen Bauamts Weilheim, Uwe Fritsch. Das Projekt wäre in den Augen der Behörde eine Ortsumgehung der Staatsstraße 2070 in Richtung Egling. Demnach wäre der Freistaat Baulastträger, so Fritsch. Gleichwohl hält er einen Tunnelbau derzeit nicht für finanzierbar.

Kilian Hee bedauert, lange einem Irrtum aufgesessen zu sein. Stadträte, Rathauschefs und Bürger seien fälschlicherweise davon ausgegangen, die Umsetzung einer Umgehungsstraße sei deshalb finanziell zum Scheitern verurteilt, weil die Stadt Wolfratshausen – auch bei Beteiligung der Stadt Geretsried und umliegender Gemeinden – die Straßenbaulast nicht stemmen könne. Baulastträger sei aber der Freistaat, wegen der Bedeutung für den Verkehr möglicherweise sogar der Bund.

Auch interessant: Verkehr in Wolfratshausen - Bürgervereinigung: „Wir müssen uns die Stadt zurückholen“

Einstimmig beschloss der Verein seine Auflösung. Kilian Hee dankte „all denen, die sich im Verein in der Vergangenheit und Gegenwart engagiert haben“. Wer sich weiterhin für eine Umgehungsstraße engagieren möchte, dem empfahl der Vorsitzende, in der BI für eine Umgehungsstraße Wolfratshausen mitzuarbeiten. Er selbst werde das tun.

Und möglicherweise kommt es ja zu einem Comeback: Weil der Energiekonzern Eon das geplante Kraftwerk am Kanalwasserfall bisher nicht umgesetzt habe, befürchten einige, dass „eines Tages die Brücke nach Farchet für den allgemeinen Verkehr freigegeben wird“. Eine derartige Planung, heißt es abschließend, „würde unseren Widerstand sofort wieder hervorrufen“.  

peb

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