Untermarkt Wolfratshausen.
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Die Altstadt soll umgestaltet werden - bei der Frage nach dem „Wie?“ gehen die Meinungen aber weit auseinander

400 Unterschriften

Umgestaltung der Altstadt: Liste WOR geht auf die Barrikaden: „Schnapsidee einiger weniger“

  • VonDominik Stallein
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Die Liste Wor kämpft gegen die Umgestaltungs-Pläne der Altstadt. 400 Unterschriften gegen das Projekt haben sie gesammelt. In einer Pressekonferenz fallen deutliche Worte.

Wolfratshausen – Die Wolfratshauser Liste stemmt sich gegen die Pläne zur Umgestaltung der Altstadt. In einer Pressekonferenz am Sonntagvormittag fanden die drei Stadträte deutliche Worte zu den Entwürfen, die am Dienstag im Gremium präsentiert werden. Das Trio lehnt sowohl die Veränderungen am Marienplatz als auch die Erhöhung der Fahrbahn auf Gehsteig-Niveau ab.

Den ebenerdigen Ausbau sieht das Trio als Sicherheitsrisiko

Nicht erst seit den Starkregen-Ereignissen der vergangenen Wochen hat die Fraktion Vorbehalte. Ihre Sorge: Das Regenwasser, das aus dem Bergwald hinabgespült wird, könne bei einer ebenerdigen Altstadt ungehindert in die Häuser laufen. „Wenn die Restaurants die Vorder- und die Hintertüre gleichzeitig öffnen, kann man künftig auf dem Surfbrett durchfahren“, witzelte Dr. Manfred Fleischer. Einen „Canal Grande“ in der Markstraße befürchtet er.

Rathauschef Klaus Heilinglechner hatte betont, an den Umgestaltungsplänen, die in einem Bürgerbeteiligungs-Prozess entstanden sind, festhalten zu wollen. Der gesamte Prozess würde von Ingenieuren begleitet und dem Staatlichen Bauamt abgesegnet. Der Bürgermeister ist davon überzeugt, dass also auch die Abwasser-Situation gelöst werde. Fleischer dazu: „Wenn man ein paar Millionen in die Hand nimmt, kann man alles machen.“ Er frage sich aber: „Woher nehmen wir das Geld – und zu welchem Nutzen?“ Richard Kugler betonte, dass ein großer Teil der Gewerbetreibenden in der Marktstraße die Pläne entschieden ablehne. Einige hätten bereits Rücksprache mit Rechtsanwälten gehalten – Namen nannte er nicht.

Es geht auch um die Sicherheit der schwächsten Verkehrsteilnehmer“

Helmut Forster

Fraktionssprecher und Ex-Bürgermeister Helmut Forster sieht im ebenerdigen Ausbau weitere Risiken: „Es geht auch um die Sicherheit der schwächsten Verkehrsteilnehmer.“ Ein Gehsteig würde Sicherheit vor dem Autoverkehr bieten. „Wenn wir das ebenerdig machen, gibt es keine wirkliche Abgrenzung mehr zwischen Straße und Gehweg.“

Manfred Fleischer Stadtrat der Liste WOR

Für die Baumaßnahme wäre eine längerfristige, einseitige Straßensperrung nötig. In den Augen von Richard Kugler würde diese das „Ende von vielen Läden“ bedeuten. „Die kämpfen schon jetzt täglich ums Überleben“, so Kugler. „Nach einem Jahr mit Straßensperren wäre die Altstadt ladenlos, und wir müssen bei Null anfangen.“

Marienbrunnen-Verlegung ist für die Liste-Räte absolut tabu

Ein zweiter Wunsch aus dem Bürgerbeteiligungsprozess, der im Herbst 2018 seinen Anfang genommen hat, ist die Umgestaltung des Marienplatzes. Einige Wolfratshauser schlugen vor, den Marienbrunnen zu verschieben und die Platanen auf dem Platz zu versetzen, um eine größere Fläche zum Beispiel für Veranstaltungen zu gewinnen. „Das Herz unserer Altstadt“ möchte Forster unter keinen Umständen verändern. Einen Nutzen sieht das Trio in der Maßnahme ohnehin nicht: „Es geht nicht darum, mehr Aufmarschfläche zu gewinnen, sondern Menschen in die Stadt und in die Läden zu bringen“, findet Fleischer.

Vor der Abstimmung möchten die Stadträte Unterschriften überreichen

Gegen die Maßnahme hat die Liste WOR im Kommunalwahlkampf Unterschriften gesammelt. In nur zwei Wochen seien 393 Signaturen zusammen gekommen. Diese möchte die Fraktion in der Stadtratssitzung an den Bürgermeister überreichen. Für sie ist die Zahl ein klares Signal: Die angedachte Umgestaltung „ist gegen den Willen der Bevölkerung“, so Fleischer. Der Großteil der Wolfratshauser sei „entsetzt“ von den Ergebnissen der Bürgerbeteiligung. Fleischer fand deutliche Worte: „Bloß weil zwei oder drei Spinner auf die Idee kommen, dass sie die Platanen stören, machen wir so einen Zinnober.“ Wer die Platanen entfernen möchte – einst gepflanzt als Zeichen der Verbundenheit zur französischen Partnerstadt Barbezieux – „legt die Axt an die deutsch-französische Freundschaft“. Die Umgestaltung des Marienplatzes ist für Fleischer nicht mehr als „die Schnapsidee einiger weniger“.

Wir werden Verschönerungsmaßnahmen in unserer Stadt unterstützen, so lange sich das historische Gesamtbild und die Lebensqualität und Sicherheit nicht verschlechtern.

Helmut Forster

Forster betonte: „Wir werden Verschönerungsmaßnahmen in unserer Stadt unterstützen, so lange sich das historische Gesamtbild und die Lebensqualität und Sicherheit nicht verschlechtern.“

Der Stadtrat tagt am Dienstag um 18 Uhr in der Loisachhalle. Das Büro Mahl-Gebhard-Konzepte stellt die Vorentwürfe zur geplanten Aufwertung der Altstadt vor. Im April vergangenen Jahres hatte der Bauausschuss den Planungs-Auftrag mit 7:3 Stimmen vergeben.

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