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(Klick für großes Foto!) Keine Überraschungen bei den Umweltschützern: Der Vorsitzende der Kreisgruppe des Bund Naturschutz, Friedl Krönauer (2. v. re.), wurde in der Jahresversammlung wieder gewählt. Auch sein Stellvertreter, Achim Rücker (re.), wird die Vorstandsarbeit in den nächsten vier Jahren weiterführen. Zur Schriftführerin wählten die Kreisgruppen-Mitglieder die Wolfratshauser Ortsvorsitzende Dr. Sigrid Bender (3. v. re.). Helmuth Lutz (2. v. li.) bleibt Schatzmeister. Als Beisitzer fungieren Stefan Burger (li.), Diana Meßmer (4. v. li.) und Christopher Lange (3. v. li.).

Baumfällungen und Kraftwerk sorgen für Verdruss

Aufschrei: Umweltschützer sind unzufrieden

Wolfratshausen – Das geplantes Kraftwerk und Baumfällungen sorgen beim Bund Naturschutz für Verdruss. "Wir können nur dabei zuschauen“, sagt Chef Krönauer in der Jahresversammlung.

Die Gesprächsthemen sorgten nicht unbedingt für ausgelassene Stimmung bei den Naturfreunden. Am Donnerstag traf sich die Kreisgruppe des Bundes Naturschutz (BN) zur Jahresversammlung in Wolfratshausen. Einige der über 40 Anwesenden machten ihrem Ärger über einige Bauprojekte und einen rücksichtslosen Umgang mit der Umwelt in unserem Landkreis Luft.

Vor allem ein Thema treibt den lokalen Naturschützern die Zornesröte ins Gesicht: das geplante Wasserkraftwerk am Loisach-Isar-Kanal zwischen Farchet und Waldram. Stefan Pszolla beispielsweise, Mitglied der Wolfratshauser Ortsgruppe, klagt: „Da sollen nicht nur Turbinen zur Energiegewinnung, sondern ein kleines Industriegebiet in massiver Bauweise entstehen.“ Den Farcheter Umweltschützer stört vor allem die Stelle, an der das Kraftwerk gebaut werden soll. „Das ist nur ein kleines Stück vom FFH-Gebiet entfernt.“ Ein Abschnitt des Baus reiche sogar in das geschützte Flora-Fauna-Habitat (FFH) hinein. Pszolla frage sich, ob es möglich sei, das Kraftwerk ein Stück weiter flussaufwärts zu errichten, damit das Naturschutzgebiet davon unberührt bleiben kann.

Der Kreisvorsitzende Friedl Krönauer stimmte in den Protest gegen das Vorhaben ein. Er sieht bei Anlagen wie der, die in Wolfratshausen geplant ist, ein weiteres Problem. Derlei Bauten böten nämlich ein „enormes Fischmordpotenzial.“ Ein Risiko, das sich nicht lohne: Über 90 Prozent des Stroms, der in Wasserkraftwerken in Bayern gewonnen wird, stamme aus nur wenigen, großen Anlagen. Den kleinen Rest produzierten hingegen die über 4000 anderen Kraftwerke des Freistaats. Der Nutzen einer zusätzlichen kleinen Anlage in Wolfratshausen erscheint dem Kreisgruppenchef daher nur begrenzt.

Die Naturschützer forderten unisono die Einholung eines sorgfältigen Umweltverträglichkeitsgutachtens. Der Wolfratshauser Stadtrat hatte kürzlich wie berichtet seine Entscheidung von einem solchen abhängig gemacht. Die bisherigen Gutachten – die Stadtväter haben bislang lediglich das Ergebnis einer wasserrechtlichen Prüfung vorliegen – bezeichnete Pszolla, der sich in die Akten eingelesen habe, als „Gefälligkeitsgutachten“. Er bat die Umweltschützer der Kreisgruppe, sich weiterhin für diese Thematik einzubringen.

Das wollen die Gruppenmitglieder noch bei einem anderen Thema. „Wir wünschen uns eine Baumschutzverordnung“, erläuterte Krönauer. In der vergangenen Woche hatte vor allem ein Fall aus Wolfratshausen für Aufsehen gesorgt. An der Königsdorfer Straße fällte der Bauhof zwei Fichten. Die sogenannten Hochzeitsbäume standen – laut einem Nachbarn des Grundstücks – über 60 Jahre an dieser Stelle. Krönauer beklagte, „dass wir als Umweltschützer nur dabei zuschauen können, wie Charakterbäume, mit denen sich viele Menschen identifizieren können, regelmäßig gefällt werden.“ Außerdem würden viele Tiere ihren Lebensraum verlieren, wenn Bäume weichen müssten. Diesem Trend könne eine Schutzverordnung entgegen wirken. Im Landkreis sei Geretsried die einzige Kommune, die eine solche erlassen habe. „Die anderen Städte meiden eine Verordnung wie der Teufel das Weihwasser“, schimpfte der Vorsitzende. Krönauer appellierte an die Verbandsmitglieder, weiter für den Umweltschutz im Landkreis einzutreten. „Auch wenn das Ergebnis leider manchmal so aussieht, als wäre das vergeudete Zeit.“

von Dominik Stallein

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