1. Startseite
  2. Lokales
  3. Geretsried-Wolfratshausen
  4. Wolfratshausen

Unruhen und Ausschreitungen: Wolfratshauser in Sorge um zweite Heimat Kasachstan

Erstellt:

Von: Volker Ufertinger

Kommentare

Unruhen und Ausschreitungen in Kasachstan: Hier brennt ein Feuerwehrauto in der Hauptstadt Almaty.
Pulverfass Kasachstan: Hier brennt ein Feuerwehrauto in der Hauptstadt Almaty. © IMAGO / ITAR-TASS

Reinhold Krämmel aus Wolfratshausen ist ehemaliger Honorarkonsul von Kasachstan. Der aktuelle Konflikt macht ihm große Sorgen.

Wolfratshausen – Kasachstan ist ein Land, von dem einige in den vergangenen Tagen zum ersten Mal gehört haben. Die dortigen Unruhen samt Schießbefehl des Staatspräsidenten Kassym-Schomart Tokajew beherrschen aber derzeit die Schlagzeilen. Einer, der sich schon lange mit dem Land beschäftigt und es häufig bereist hat, ist der Bauunternehmer Reinhold Krämmel, viele Jahre lang kasachischer Honorarkonsul. Er hat im Ehrenamt Kontakte geknüpft und Projekte angestoßen. „Zentralasien, vor allem das rohstoffreiche Kasachstan, ist extrem wichtig für die Zukunft der Welt“, sagt er. „Auch wenn das weithin unbekannt ist.“

Unruhen und Ausschreitungen: Wolfratshauser in Sorge um zweite Heimat Kasachstan

Über den Konflikt an sich dringt momentan wenig nach außen, weil die autokratische Regierung des Riesenlandes das Internet gesperrt hat. „Ich bin mit meinen Nachrichten nicht durchgekommen“, erzählt Krämmel. „Und das, was man erfährt, wird kontrolliert und ist gefiltert.“ Niemand will sich in der aktuellen Lage in Gefahr bringen. Die neueste Erkenntnis des einstigen IHK-Vorsitzenden in der Region: Die Anwesenheit von Söldnern, die die Regierung immer wieder ins Feld führt, scheint den Tatsachen zu entsprechen. „Es sind nach meinen Informationen einige darunter, die auf Randale und Umsturz aus sind.“

Reinhold Krämmel
Reinhold Krämmel, ehemaliger Honorarkonsul von Kasachstan © Merkur-Archiv

Im Dezember war Krämmel in Kasachstan - da war die Lage eine andere

Über den autokratischen Führungsstil von Nursultan Nasarbajew und offenbar auch den seines Nachfolgers Kassym-Schomart Tokajew herrscht seit Jahrzehnten Unmut. „Das ist vor allem ein Phänomen der Städte wie der Wirtschaftsmetropole Almaty, auf dem Land war man immer schon arm“, so Krämmel. Als er Anfang Dezember das letzte Mal vor Ort war, deutete nichts auf eine bevorstehende Revolte hin. Doch dann ließ die Regierung Anfang des Jahres die Subventionen für Gas auslaufen. Schlagartig wurde Energie um 80 Prozent teurer. „Das war der Funke an der Zündschnur.“

Was sich im Hintergrund genau abspielt, ist schwer zu durchschauen. Geopolitisch liegt Kasachstan, so groß wie Westeuropa, im Fadenkreuz verschiedener Interessen. Früher, zu Zeiten der Seidenstraße, stritten sich nur das Zarenreich und Großbritannien um die extrem wertvollen Rohstoffe wie Öl, Gas, Metalle, Uran, die dort in Hülle und Fülle in der Erde lagern. „Jetzt mischen viel mehr mit, Russland, China, die USA, und auch die Europäer haben dort Aktien drin.“

Kasachstans Staatspräsident Tokajew und Krämmel sind sich zweimal begegnet

Dem aktuellen Staatspräsidenten Tokajew ist Krämmel zweimal begegnet. „Ich habe ihn für einen weitsichtigen Diplomaten gehalten. Dass er einen Schießbefehl auf die eigene Bevölkerung im Fernsehen verkündet, hätte ich nicht für möglich gehalten.“ Der Unternehmer geht davon aus, dass die Regierung kurzfristig die Ordnung wiederherstellt. „Es wird aber viel davon abhängen, ob die seit Jahrzehnten versprochenen Reformen jetzt auch umgesetzt werden“, so Krämmel. Dann, aber nur dann, bieten sich dem Land beste Chancen. „Es gibt dort viele gute Leute, die Bildung ist da.“ Als ehemaliger Honorarkonsul, der Kasachstan und seine weltoffenen Menschen liebt, wünscht er dem Land das Allerbeste.

Auch interessant

Kommentare