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Die Sandsäcke sind immer griffbereit: Anna Spies ist auf Murenabgänge wie den vom Sonntag vorbereitet.

Anwohner fordern Politik zum Handeln auf

Murenabgang: „Unser Garten glich einer Kiesgrube“

Wolfratshausen - Die Anwohner hatten den Murenabgang im Bergwald kommen sehen. Nun fordern sie die Politik zum Handeln auf.

Anna Spies atmet tief durch. Wenn sie an den Sonntag denkt, wird der Wolfratshauserin jetzt noch ganz anders. Um 8.30 Uhr, als der Regen immer heftiger wurde, wagte sie einen Blick nach draußen – und sah ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Das Geröll, welches das Unwetter den Bergwald hinunter gespült hatte, suchte sich seinen Weg auch in den Garten des Spiesschen Anwesens am Untermarkt, und das nicht zum ersten Mal. „Es ist bereits das vierte Mal, dass unser Garten einer Kiesgrube glich“, schimpft Anna Spies. Sie und ihre Familienmitglieder nehmen die Politiker in die Pflicht: „Das Problem muss ursächlich gelöst werden, eine Notlösung bringt nichts. Es wird Zeit, dass die Verantwortlichen das einsehen“, schreiben sie in einem Brief an unsere Zeitung.

Bürgermeister kündigt Mix aus mehreren Maßnahmen an

Ihr Appell scheint Gehör zu finden. Am Montag haben Bürgermeister Klaus Heilinglechner und Mitglieder des Bauausschusses im Rahmen ihres turnusgemäßen Treffens das weitere Vorgehen besprochen. Wie der Rathauschef am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte, wird es wohl einen Mix aus mehreren Maßnahmen geben.

Zum einen kann das Rückhaltebecken, das der Stadtrat längst beschlossen hat, offenbar tatsächlich gebaut werden. Heilinglechner zufolge hat das Wasserwirtschaftsamt signalisiert, dass die noch ausstehenden Prüfungen keine Beanstandungen ergeben haben. Das Becken wird etwa 20 Kubikmeter fassen und das Wasser über ein Ablaufrohr in den Rauschergraben leiten. Vorausgesetzt, die Verhandlungen mit den Grundeigentümern bringen ein positives Ergebnis, will Heilinglechner diesen Plan auf jeden Fall in die Tat umsetzen. „Natürlich gibt es welche, die sagen, das geht günstiger. Aber ich bin diese Diskussion leid. Die Planung ist genehmigt. Wir müssen handeln.“

Heilinglechner spielt auf eine Idee von Alfred Fraas an. Der CSU-Rat hatte vorgeschlagen, unterhalb des Golfplatzes, von dem aus das Wasser in den Hang läuft, einen Graben als natürlichen Ablauf anzulegen. Heilinglechner: „Das ist vielleicht günstiger. Ich weiß aber nicht, ob es funktioniert.“

"Das war ein Dreck, das kann man sich nicht vorstellen"

Die exakten Kosten für das Becken hat Heilinglechner nicht parat. In einem ist er sich aber sicher: „Die Aufräumarbeiten werden deutlich teurer sein.“ Dass das Prinzip funktioniere, zeige der provisorische Schacht, der seit Sonntag das Wasser ableitet. Geprüft wird auch, wie man dafür sorgen kann, dass das Wasser nicht an einer Stelle im Hang runterläuft, sondern sich über mehrere Stellen verteilt. Eine zusätzliche Sicherung des Hangs sei nicht mehr Thema gewesen, ergänzte Heilinglechner.

Familie Spies hat den ganzen Sonntag über aufgeräumt. Ehemann, Töchter, Schwiegersohn, alle haben angepackt. Sie haben den Schlamm mit der Schneeschaufel von der Haustür ferngehalten, Sandsäcke aufgebaut, Steine und einen Gartentisch quergestellt, um Wasser und Schlamm abzuleiten. „Das war ein Dreck, das kann man sich nicht vorstellen“, sagt Anna Spies. „In dieser Form habe ich das noch nie erlebt.“

Einen finanziellen Schaden muss die Familie Gott sei Dank nicht beklagen. Was bleibt, ist ihre Hoffnung, dass sich etwas tut, damit die Anwohner am Untermarkt vor solchen Ereignissen besser geschützt sind. „Mittlerweile dürfte es auch dem Letzten klar sein, dass es sich bei diesem Wetterphänomen nicht um einen Einzelfall handelt.“

Frederik Lang

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