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„Auf Dauer nur mit Power“: Der Wolfratshauser Bürgermeister Klaus Heilinglechner mischte sich am Dienstagabend unter die muntere Frauenrunde und stieß mit Dr. Sybille Krafft (Mi.) und Christa Postel (re.) an. Postel war eine der ersten Frauen im Wolfratshauser Stadtrat (1972).

Zum Weltfrauentag

„Unser Kampf wird ein herrlicher“

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Wolfratshausen – Der Kulturverein Isar-Loisach und der Historische Verein Wolfratshausen luden zum Weltfrauentag - und 60 „Suffragetten“ feierten mit.

Sie ketteten sich auf öffentlichen Plätzen an, warfen Fensterscheiben ein, zündeten kleine Sprengsätze und schrien laut: „Unser Kampf war ein herrlicher!“ Die Rede ist nicht von islamischen Fundamentalisten, sondern von den Pionieren der Frauenbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts. In Gedenken an diese mutigen „Suffragetten“ (Frauenrechtlerinnen) fand am Dienstagabend auf dem Wolfratshauser Marienplatz eine kleine, aber eindrucksvolle Aktion statt. Anlässlich des Weltfrauentages hatten dazu der Historische Verein Wolfratshausen und der Kulturverein Isar-Loisach (KIL) eingeladen. Und trotz heftigstem Schneetreiben fanden sich rund 60 nostalgisch, kostümierte und gut gelaunte Damen aus dem ganzen Landkreis dazu ein.

Auf Transparenten standen Namen wie Anita Augspurg, Lida Gustava Heymann, Emmeline Pankhurst oder Olympe de Gouges. Die Französin setzte sich schon 1791 für die Rechte der Frauen ein und wurde später unter der Regierung von Robbespierre hingerichtet. Doch nicht nur in Frankreich und England hatten Frauen mobil gemacht, auch in Deutschland gab und gibt es viele mutige Streiterinnen. Eine davon, die Wolfratshauser SPD-Stadträtin Roswitha Beyer, hatte Christa Postler mitgebracht. Sie wurde 1972 als erste Sozialdemokratin in den Stadtrat gewählt. Übrigens war die allererste Frau in der Wolfratshauser Stadtpolitik Anna Floßmann. „Die Genossin wurde 1919 Marktgemeinderatsmitglied. Sie heiratete den unbeugsamen SPD-Gemeinderat Franz Geiger, der später von den Nazis verhaftet wurde“, berichtete die Vorsitzende des Historischen Vereins, Dr. Sybille Krafft. Auch der jetzige Rathauschef Klaus Heilinglechner ließ sich von dem bunten Treiben auf dem Marienplatz anlocken und stieß mit dem engagigerten Damenvolk auf die Frauenrechte an.

„Es war ein harter Kampf, der noch nicht mal 100 Jahre her ist“, sagte Krafft. Der erste Internationale Frauentag wurde 1910 ausgerufen. „Damals haben die Frauen für ihre Rechte gekämpft und viele persönliche Nachteile in Kauf genommen. Sie wurden verspottet und beschimpft. Aber unterschätzen Sie nicht die Kraft, die Frauen haben, um ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen“, rief Krafft ihren Mitstreiterinnen zu.

Diese sammelten sich schließlich stolz und selbstbewusst, um von der Marktstraße in Richtung Kinocenter zu marschieren, wo der Kinofilm „Suffragetten“ mit Meryl Streep und Carey Mulligan gezeigt wurde. Doch bevor die Hollywood-Stars als englische Pionierinnen der Frauenbewegung über die Leinwand flimmerten, gab es eine kleine Überraschung: Assunta Tammelleo, Vorsitzende des KIL-Vereins und Hinterhalt-Wirtin, zeigte, dass sie nicht nur engagiert, sondern auch eine hervorragende Entertainerin mit einer schönen, tiefen Stimme ist. Im Duo mit der Akkordeonspielerin Anja Aviszus sang sie in breitem berlinerisch das Lied „Raus mit den Männern...“. Sie erinnerte damit höchst unterhaltsam an die Volkssängerin Claire Waldoff (1884-1957).

Die Veranstaltung wurde finanziell vom BfG München, der Stadt Wolfratshausen und der Gleichstellungsstelle des Landratsamtes gefördert. „So konnten wir Transparente basteln und Gläser, Prosecco und Saft für alle kaufen“, sagte Tammelleo. „Und letztlich eine Aktion durchführen, nicht nur zum Gedenken an unsere kämpferischen Schwestern vor 100 Jahren, sondern als Mahnung, das so mühsam und spät erkämpfte Wahlrecht für immer wahrzunehmen.“

Roswitha Diemer

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