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Zählt mit 63 Jahren zum jüngsten Drittel: Rainer Kebekus, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins Wolfratshausen-Barbezieux. Seine Ehefrau Agnes ist Französin – beim EM-Halbfinale im vergangenen Jahr drückten sie der deutschen und der französischen Mannschaft die Daumen. 

Partnerschaftsverein Barbezieux-Wolfratshausen

„Unser Verein droht auszusterben“

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Große Nachwuchssorgen hat der Partnerschaftsverein Wolfratshausen-Barbezieux. Zwei Drittel der Mitglieder sind über 65 Jahre alt. Über die Zukunft hat sich Vorsitzendere Rainer Kebekus mit Redakteur Patrick Staar unterhalten.

Wolfratshausen –  „Wenn es so weitergeht, droht unser Verein auszusterben“, sagt der Vorsitzende Rainer Kebekus im Rahmen der Jahresversammlung.

-Herr Kebekus, warum ist der Alters-Durchschnitt beim Partnerschaftsverein so hoch?

Der Verein ist 20 Jahre alt. Bei uns sind eine ganze Menge Gründungsmitglieder dabei, die in der Euphorie des Neubeginns dazugestoßen sind. Es ist nicht so einfach, jüngere Mitglieder zu gewinnen.

-Warum?

Berufstätige müssen ein paar Tage Urlaub nehmen, wenn sie nach Frankreich fahren wollen. Eltern können nicht einfach mal wegfahren und ihre Kleinkinder zu Hause lassen. Die ganz jungen Leute organisieren sich anders als in Partnerschaftsvereinen. Die wollen es lockerer. Die interessieren sich eher für Auslands-Aufenthalte während Schulzeit und Studium. Daher ist es nicht verwunderlich, dass wir keine Mitglieder unter 40 Jahren dabei haben. Ich bin 63 Jahre alt – und im jüngsten Drittel dabei. Wenn es so weitergeht, droht unser Verein auszusterben.

-Was können Sie dagegen unternehmen?

Es könnte sein, dass wir heuer an einem markanten Datum einen Stand in der Stadt machen, ein bisschen Pineau ausschenken, Flyer auslegen und die Leute ansprechen. Am allerbesten funktioniert es, wenn Mitglieder ihre Bekannten ansprechen. Wir werden uns was überlegen, wie wir an neue Mitglieder kommen.

-Bringt ein Schüleraustausch neue Mitglieder?

Wir unterstützen den Schüleraustausch des Gymnasiums Icking. Ich bin zum Elternabend gegangen, habe den Verein vorgestellt. Unsere Hoffnung war, dass sich die Beteiligten sympathisch finden und auf beiden Seiten neue Mitglieder hinzukommen. Aber irgendwie hat das nicht funktioniert.

-Ist es möglich, über den Sport neue Leute hinzuzugewinnen?

Das haben wir auch schon versucht. Der TSV Wolfratshausen hat einen Austausch von Kindern ins Gespräch gebracht. Aber da haben die Franzosen gesagt, dass sie mit den Kleinen nicht so weit verreisen wollen, weil da die Eltern mitfahren müssten.

-Haben andere Partnerschaftsvereinen ähnliche Probleme?

Wir haben einen guten Kontakt zum Partnerschaftsverein in Dietramszell. Bei denen ist es fast noch schlimmer. Die Geretsrieder haben auch wenig junge Leute. Das ist also kein Wolfratshausen-spezifisches Thema.

-Könnte es sein, dass viele Menschen die Partnerschaftsvereine nicht mehr für notwendig erachten?

Das kann sein. Der Ursprung der Städte-Partnerschaften war ja der Versöhnungsgedanke. Der spielt heutzutage keine Rolle mehr. Wir sind längst mit Frankreich versöhnt. Vielleicht denken sich die Leute: „Warum soll ich mich dann noch engagieren?“

-Gibt es in Frankreich ähnliche Probleme?

Ja, im Prinzip haben die Franzosen das gleiche Problem, wobei der französische Verein ganz anders organisiert ist. Barbezieux hat drei Partnerstädte, und alle werden von einem Verein betreut.

-Was treibt Sie an, sich trotzdem im Partnerschaftsverein zu engagieren?

Meine Frau ist Französin. Daher habe ich traditionell viel Kontakt nach Frankreich. Wir haben auch Verwandtschaft und Freunde dort. Ich spreche – ohne mir auf die Schulter klopfen zu wollen – sehr gut Französisch. Es ist komfortabel, wenn man keinen Übersetzer braucht. Und es macht mir einfach Spaß, Dinge zu organisieren.

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