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Gut besucht war der Vortragsabend im Wirtshaus Flößerei. Zum Thema Plastikmüller referierte die in Bichl lebende Reisejournalistin und Umweltaktivistin Bettina Kelm (re.).

Bund Naturschutz

„Unsere Meere ertrinken in Plastik“

Bettina Kelm, Reisejournalistin und Mitglied der Umweltorganisation „OneEarth-OneOcean“, skizzierte bei einem Vortrag das Problem Plastikmüll.

Wolfratshausen 150 Millionen Tonnen Plastikmüll schwimmen in den Weltmeeren; jedes Jahr kommen acht Millionen Tonnen hinzu – mit tödlichen Folgen für Fische und Säugetiere. Hauptverursacher ist zwar Asien, doch auch hierzulande sollte mit Kunststoff weniger sorglos umgegangen werden.

17 Milliarden Einweg-Plastikflaschen, fünf Milliarden Plastiktüten und drei Milliarden Coffee-to-go-Becher verbrauchen die Deutschen jedes Jahr. In unseren Flüssen und Seen treibt reichlich Abfall - in der Donau gibt es angeblich mehr Plastik als Fischlarven. Bei einer Aufräumaktion auf der Ostseeinsel Rügen wurden 200 Müllteile auf 100 Meter Strand gesammelt. An der Isar sieht es stellenweise nicht besser aus.

Die Zahlen nannte Bettina Kelm, Reisejournalistin und Mitglied der Umweltorganisation „OneEarth-OneOcean“ bei einem Vortrag im Wirtshaus Flößerei. Die Wolfratshauser Ortsgruppe des Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) hatte zu der gut besuchten Veranstaltung eingeladen. Kelm zeigte schockierende Fotos von einer beruflichen Reise nach Panama. Statt wie geplant Buckelwale zu fotografieren, befreiten Kelm und ihr Team Schweinswale und Riesenschildkröten aus Nylon-Fischernetzen und von Plastikteilen.

Die Perlen-Inseln seien ein Paradies, das leider in Plastik ertrinke, berichtete die Journalistin. Dieses Plastik und Mikroplastik würden Vögel und Meerestiere fressen, weil sie es für Nahrung hielten. In den Mägen von Walen finde man meterlange Folien, in denen junger Albatrosse Deckel von Plastikflaschen, mit denen ihre Eltern sie gefüttert hätten. Esse ein Mensch gerne Muscheln, würden Kunststoff-Mikroteile aus dem Magen der Schalentiere in seinen Organismus übergehen.

Das Schlimme ist laut Kelm, dass die Lebensdauer von Plastik extrem lange ist. Eine Polyethylenterephtalat (PET)-Flasche brauche 450 Jahre, bis sie abgebaut sei. Mikroplastik, das sich unter anderem in Kosmetikartikeln wie Peelings oder Make-up finde, werde nicht durch Kläranlagen gefiltert und gelange so in unsere Seen und Flüsse.

Mit ihrem Referat, das die in Bichl lebende Autorin auch vor Schulklassen hält, möchte sie aufrütteln und zu einem bewussteren Umgang mit PE, PVC, PET und Co anregen. Sie brachte einige Beispiele mit, wie sich Plastik- und Mikroplastikmüll im Alltag vermeiden lassen: ein selbst hergestelltes Waschmittel aus Wasser, Kernseife, Waschsoda und Zitronenöl, Haarseife statt silikonhaltigem Shampoo, Blechdosen und -flaschen für Essen und Getränke unterwegs, natürliche Frischhaltefolie aus Bienenwachs. Sie wies auf die kostenlose App des BUND namens ToxFox hin, mit der sich Produkte im Laden scannen und auf Schadstoffe hin überprüfen ließen. Denn manche Käseverpackungen enthielten zum Beispiel gesundheitsgefährdende Weichmacher. Auch die Internet-Seite „Utopia“ beinhalte wertvolle Tipps.

Die Initiative „Oberland plastikfrei“ der BUND-Kreisgruppe plant wie berichtet, einen „Unverpackt“-Laden in Bad Tölz zu eröffnen. Umweltbildungsreferentin Diana Meßmer warb für das Projekt. Bis das Geschäft aufmache, solle der Verbraucher in Bäckereien, Metzgereien und Lebensmittelmärkten einkaufen, die mitgebrachte Beutel und Behälter zum Verpacken der Waren akzeptierten. Die Internetseite von „Oberland plastikfrei“ hat diese aufgelistet. Tanja Lühr

Infos im Internet:

www.oberland-plastikfrei.de

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