„Unsere Welt geht kaputt“: Klimaschützer sehen „Gegenspieler“ in Politik und Medien

Die Initiative Wor-for-Future hatte zu einer Demonstration für mehr Klimaschutz eingeladen. Der Stadt Wolfratshausen hielt Initiativen-Sprecher Jan Reiners vor, viel zu langsam auf den Klimawandel zu reagieren.
Wolfratshausen – 145 Männer, Frauen und Kinder, so zählte die Polizei, sind am Freitagnachmittag dem Aufruf der Wor-for-Future-Bewegung gefolgt und haben für mehr Klimaschutz demonstriert. „Wir sind uns darüber im Klaren, dass unsere Welt schlichtweg kaputt geht“, konstatierte Jan Reiners, Sprecher der Initiative, bei der Kundgebung auf dem Marienplatz. Trotz dieser düsteren Prophezeiung hat Reiners noch Hoffnung, aber: „Wir brauchen einen Wandel in der Gesellschaft.“
„Unsere Welt geht kaputt“: Klimaschützer sehen „Gegenspieler“ in Politik und Medien
Extreme Hitze, Starkregen, Gewitterstürme und Hagelkörner, „so groß wie Tennisbälle“: Auch die Menschen im Landkreis erlebten inzwischen das, „was die Wissenschaft vorhergesagt hat“, so Reiners. Nicht mehr leugnen lasse sich das Artensterben („viele können sich erinnern, dass früher viele Insekten an den Windschutzscheiben unserer Autos klebten“) – und jeder Deutsche nehme (Stichwort Umweltverschmutzung) mit Speisen und Getränken Mikroplastik zu sich: „Jede Woche die Menge einer Kreditkarte.“
Entscheidungsträgern in Wolfratshausen würden Ideen fehlen
Noch immer werde das Thema Umwelt- und Klimaschutz häufig „als Wohltätigkeitsprojekt abgetan, das nicht so wichtig ist“. Doch der Wor-for-Future-Sprecher und seine Mitstreiter halten es für essentiell. Schon im Jahr 2018 „gab es 10 000 bis 20 000 Hitzetote in Deutschland“, es bestehe akuter Handlungsbedarf. Die Stadt Wolfratshausen komme jedoch „nur langsam voran“, und es fehle den Entscheidungsträgern an Ideen.
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„Unsere Gegenspieler sind diejenigen in Politik und Medien wie die ,Bild’-Zeitung, die den Stillstand propagieren“, sagte Reiners. Mit Begriffen wie „Heizungshammer“ und „Dunkelflauten“ solle den Bürgern suggeriert werden, „dass wir uns nicht ändern müssten, dass wir noch Zeit haben“ und alles nicht so schlimm sei. „Die wollen uns spalten“: Dieser Versuch ist in Reiners Augen eine von vielen Bewährungsproben für die Klimaaktivisten, die sie meistern würden: „Wir finden Verbündete und werden mit unseren Gegenspielern ringen.“
Klimakleber in Wolfratshausen: Das sagt Jan Reiners zur Falschmeldung
In Wolfratshausen sei bereits ein Anfang gemacht: Mit Unterstützung der in Herrsching (Landkreis Starnberg) beheimateten Energiegenossenschaft Fünfseenland solle eine Bürgergenossenschaft aus der Taufe gehoben werden – mit dem Ziel, geeignete Gebäudedächer und Freiflächen in der Flößerstadt mit Photovoltaikanlagen auszurüsten. Beim „Transformationslabor“ unter dem Dach der Kommune (wir berichteten) würden sich die Klimaschützer „für ein grünes, lebenswertes Wolfratshausen mit Platz für Begegnung einbringen“. Kurzum: „Wir werden mehr und mehr.“ Sich selbst und den Demonstranten attestierte Reiners: „Wir stehen heute hier und übernehmen Verantwortung für die Zukunft.“
Die von Unbekannten verbreitete Falschmeldung, dass am Freitag sogenannte Klimakleber der „Letzten Generation“ in Wolfratshausen kurz sesshaft werden würden (wir berichteten), kommentierte Reiners lächelnd mit den Worten: „Wir haben nur Tesa-Film.“ (cce)
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