Am besten „ohne Streit und parteiübergreifend“: Für das städtische Gebäude am Untermarkt 10 wird der Stadtrat laut Helmut Forster nun andere Pläne schmieden. Einen Bürgerladen werde die Immobilie nicht beherbergen.

„Es muss ja keine Luxussanierung sein“

Das sind die neuen Pläne für den Untermarkt 10

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Wolfratshausen - Helmut Forster plädiert dafür, dass die Stadt ihre Immobilie am Untermarkt 10 in Eigenregie saniert – und Platz schafft für ein größeres Heimatmuseum, eine Anlaufstelle für Touristen sowie einen Andenkenladen.

Helmut Forster will den Blick nach vorne richten. Doch ein kurzer Rückblick auf das monatelange Gezerre um den Bürgerladen muss beim Redaktionsbesuch sein. „Kein Stadtrat war jemals gegen einen Bürgerladen“, konstatiert der 68-Jährige. Jedes Gremiumsmitglied zolle den Ehrenamtlichen großen Respekt für ihr Engagement. Doch mit dem Projekt seien Konditionen verknüpft gewesen – unter anderem 4,50 Euro pro Quadratmeter Miete –, mit denen zwei Drittel des Stadtrates nicht einverstanden gewesen seien. Zudem habe die schwache Wahlbeteiligung (weniger als 27 Prozent) am Bürgerentscheid gezeigt, dass das Vorhaben von der Bürgerladen-Gruppe selbst falsch eingeschätzt worden sei.

Helmut Forster, Wirtschaftsreferent und Stadtrat der Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW).

Die Idee sei nach seiner Ansicht aber nicht vom Tisch. Die Bürgerladen-Gruppe müsse jedoch ihr Konzept modifizieren und ihren Businessplan auf den Prüfstand stellen. Die Annahme, dass täglich 88 Kunden das Geschäft betreten und jeweils Waren im Wert von durchschnittlich 15 Euro kaufen – das wäre ein Tagesumsatz von 1320 Euro – hält Forster für äußerst optimistisch. Und: Laut Finanzfahrplan rechne die Initiative in den ersten vier Jahren nach Öffnung des Ladens mit roten Zahlen – summa summarum seien es gut 70 000 Euro. „Und das bei 4,50 Euro Miete und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Da passt doch etwas nicht“, sagt Forster. Der Stadtrat jedenfalls sei nach wie vor bereit zu helfen. Aber weitere Immobilienalternativen in der Innenstadt, in denen der Bürgerladen eingerichtet werden könnte, die könne man der Gruppe nicht benennen. „Das haben wir in den vergangenen Wochen immer wieder getan“, betont Forster und verweist unter anderem auf die leer stehende Tchibo-Filiale und das ehemalige Sport-Reiser-Geschäft. Doch die Vorschläge seien allesamt von den Ehrenamtlichen kategorisch abgelehnt worden.

Für das denkmalgeschützte Eckhaus am Untermarkt werde der Stadtrat nun andere Pläne schmieden, kündigt Forster an. Am besten „ohne Streit und parteiübergreifend“. Da Eigentum verpflichte, plädiert er dafür, dass die Kommune die Modernisierung des Gebäudes selbst in die Hand nimmt. „Es muss ja keine Luxussanierung sein“, gibt Forster mit Blick auf die Kostenschätzung von gut 820 000 Euro zu bedenken. Aus diesem Grund sei ein zweites Gutachten in Auftrag gegeben worden. Ziel müsse eine „vernünftige“, aber bezahlbare Sanierung sei. Forster würde es gerne sehen, dass anschließend dem Heimatmuseum mehr Platz eingeräumt wird. Das ist derzeit im Obergeschoss des Hauses zu finden und platze aus allen Nähten. Viele Exponate könnten nicht ausgestellt werden. „Wir haben Partnerstädte in Frankreich und Japan, wir unterhalten freundschaftliche Beziehungen mit Brody in der Ukraine, wir haben die Patenschaft für das Flottendienstboot ,Oste‘ übernommen, wir sind internationale Flößerstadt – wir hätten noch einiges zu zeigen.“ Warum nicht künftig im rund 300 Quadratmeter großen Erdgeschoss am Untermarkt 10, fragt Forster.

Darüber hinaus könnte die Immobilie eine zentrale Anlaufstelle für Bürger und Touristen beherbergen, in der es Informationen und Tickets für alle städtischen Veranstaltungen gibt. Nicht zu vergessen den von Forster ins Spiel gebrachten Andenkenladen. Der Ex-Bürgermeister rechnet mit erklecklichen Einnahmen aus dem Devotionalienverkauf: „Mit einem Andenkenladen lässt sich mindestens so viel Umsatz erwirtschaften wie mit einem miet-subventionierten Nahversorger.“

Festgezurrt sei noch nichts, beteuert Forster im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch nach dem Dreikönigsfest werde sich der Stadtrat intensiv mit dem Thema befassen. „Am besten, in dem alle am selben Ende am selben Strang ziehen.“ Falls sich ein Mieter für das Erdgeschoss finden würde, sei diese Option natürlich nicht ausgeschlossen. Vorausgesetzt, der Unternehmer zahle die ortsübliche Miete.

„Wir wollen keine Zeit verlieren“, sagt Forster. Er würde es gerne sehen, wenn man in der nächsten Stadtratssitzung im Februar bereits über ein erarbeitetes Konzept in puncto Untermarkt 10 diskutieren könnte.

cce

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