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Andenken aus der Flößerstadt Wolfratshausen: Ein entsprechender Laden soll im Erdgeschoss der städtischen Immobilie am Untermarkt 10 eingerichtet werden. Darüber hinaus unter anderem ein Tourismusbüro, ein Trauungszimmer und zusätzliche Räume fürs Heimatmuseum. Derzeit gehen die Stadträte davon aus, dass Instandsetzung und Umbau des Erdgeschosses rund 460 000 Euro kosten werden.

Stadtrat beschließt neue Nutzung des städtischen Gebäudes

Untermarkt 10: Tourismuszentrale statt Bürgerladen

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Wolfratshausen - Mehr Raum fürs Heimatmuseum, eine zentrale Anlaufstelle für Touristen, Arbeitsplätze für die Kulturmanagerin, die Tourismusmanagerin, den vorgesehenen Citymanager und ein Andenkenladen: Der Stadtrat hat einer neuen Nutzung des städtischen Gebäudes am Untermarkt 10 den Weg geebnet.

Der Stadtrat musste am Mittwochabend nachsitzen. Die Debatte über die Instandsetzung und Neunutzung des Erdgeschosses der denkmalgeschützten städtischen Immobilie in der Altstadt war am Abend zuvor um 22 Uhr abgebrochen worden (wir berichteten). Der von 16 Räten geschmiedete Plan, das Eckhaus sanieren zu lassen und anschließend für städtische Vorhaben zu nutzen, stieß beim Gros des Gremiums auf Gefallen: Bürgermeister Klaus Heilinglechner und 19 Stadträte sagten Ja, gegen das Projekt stimmten die Grünen-Fraktion (Annette Heinloth, Rudi Seibt, Dr. Hans Schmidt) sowie Dr. Ulrike Krischke (Bürgervereinigung Wolfratshausen/BVW).

Schmidt hatte zuvor die Vertagung der Entscheidung verlangt. In dem bereits am Dienstagabend von CSU-Fraktionschef Günther Eibl erläuterten Vorschlag zur künftigen Nutzung des Gebäudes „steht absolut nichts zur Finanzierung“, monierte Schmidt. Er plädierte mit Blick auf die Sanierungskosten dafür, zunächst „die langfristigen finanziellen Konsequenzen für die Stadt“ zu berechnen – und erst dann eine Entscheidung zu fällen. An einem „finanziellen Blindflug“ werde er sich nicht beteiligen. Weitere Alternativen ausloten, die Sanierungsmaßnahmen von einem zweiten Planer überprüfen lassen: „Wenn wir so vorgehen, wie Sie es wollen, sind wir in drei Jahren noch nicht weiter“, stellte Helmut Forster (BVW) fest. Er erinnerte daran, dass die 16 Stadträte, die kurz vor dem Bürgerentscheid zum Bürgerladen im Dezember 2015 Stellung gegen das Vorhaben am Standort Untermarkt 10 bezogen hatten, aufgefordert worden seien, ein neues Konzept zu erarbeiten. Bedingung: Die Stadt bleibt Eigentümerin der Immobilie.

Zudem sei der „Wunsch“ geäußert worden, dass bei dem Projekt die Erweiterung des Heimatmuseums berücksichtigt wird. Genau ein solcher Plan liege auf dem Tisch, so Forster, nun müssten Nägel mit Köpfen gemacht werden. Außerdem: In der Stadtratssitzung im Mai dürfe das Gremium eine Kostenschätzung erwarten, erst dann würde das Vorhaben endgültig auf die Reise geschickt. Eibl betonte, dass den Antragstellern keine „Luxussanierung“ vorschwebe, wie es für den Bürgerladen vorgesehen gewesen wäre. Es müsse nur „so viel getan werden“, dass die Immobilie „nachhaltig genutzt werden kann“. Einen Blankoscheck wollte auch Fritz Meixner nicht ausstellen. Es gebe nach Bekanntwerden der Kostenschätzung die Möglichkeit, „die Reißleine zu ziehen, wenn’s nötig ist“, betonte der SPD-Fraktionssprecher. Derzeit gehen die 16 Antragsteller davon aus, dass Instandsetzung und Umbau des Erdgeschosses maximal 460 000 Euro kosten.

Schmidt zog seinen Antrag, das Thema zu vertagen, schließlich zurück. Dem Vorhaben stimmte er jedoch nicht zu. Dasselbe galt für seine Fraktionskollegin Heinloth. „Ich habe ja bereits gestern Abend inhaltlich einiges zu dem Antrag gesagt“, setzte die Rätin erklärend an – und wurde durch den Zwischenruf von Forster unterbrochen: „Ja, das war lauter Blödsinn!“ Rathauschef Heilinglechner sah sich an dieser Stelle genötigt, seinen Amtsvorgänger zur Ordnung zu rufen. Nicht wieder „bei Adam und Eva anfangen“, wollte Fritz Schnaller (SPD). Der Vize-Bürgermeister zeigte sich „dankbar für den vernünftigen Vorschlag“. Er appellierte an seine Stadtratskollegen, „endlich erfolgsorientiert zu arbeiten“. Es gelte, die Lösung in den Vordergrund zu stellen und nicht die Probleme. Eibl sprach gar von einem „gigantischen“ Wurf, der gelingen könnte. Heinloth wiederum ließ sich nicht beirren und bezweifelte, dass Kulturmanagerin, Tourismusmanagerin, Citymanager plus Assistenten im geplanten Großraumbüro am Untermarkt 10 ausreichend Platz hätten.

Eibl entgegnete, dass sich derzeit im Rathaus hier und da zwei Mitarbeiter einen sechs Quadratmeter großen Arbeitsplatz teilen müssten. Bürgermeister Heilinglechner, Ex-Bio-Bauer, ergänzte, dass einer Kuh sechseinhalb Quadratmeter Stallfläche zustehen würde. „Leider“, sei das Projekt „Bürgerladen am Untermarkt 10“ gescheitert, fasste der Rathauschef die monatelangen Diskussionen zusammen. 53 000 Euro seien bisher für Planungen ausgegeben worden. Nun müsse „Ruhe einkehren“. Heilinglechner bat die Räte, ihm zeitnah drei Planer vorzuschlagen – er werde einen auswählen und beauftragen, das neue Projekt mit belastbaren Zahlen zu hinterlegen. Er würde es zudem als „hilfreich“ empfinden, wenn kompetente Räte wie Schreinermeister Praller, Elektromeister Eibl und Spenglermeister Richard Kugler ihr Know-how mit einbringen würden. So ließen sich mutmaßlich Kosten senken. Sollte der beauftragte Planer im Antrag Optimierungspotenzial entdecken, werde man sich nicht als beratungsresistent erweisen, kündigte Forster an. Zudem räumte das Gremium dem Rathauschef auf dessen Bitte eine Option ein: Sollte sich in den nächsten Wochen ein Mieter „mit guter Bonität“ (Heilinglechner) für das Erdgeschoss der Immobilie am Untermarkt 10 finden, werde er dem Stadtrat diese Möglichkeit „dann auch zur Entscheidung vorlegen“.

cce

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